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Zwar nahm Boliviens Präsident Evo Morales Snowden nicht gleich aus Moskau mit, Ärger hatte er deswegen aber dennoch (Foto: kremlin.ru)
Zwar nahm Boliviens Präsident Evo Morales Snowden nicht gleich aus Moskau mit, Ärger hatte er deswegen aber dennoch (Foto: kremlin.ru)
Montag, 08.07.2013

Drei Länder in Lateinamerika wollen Snowden Asyl geben

Moskau. In der Affäre des in Moskau festsitzenden Edward Snowden gibt es Bewegung: Potentielle Asyl-Staaten gibt es jetzt – allerdings müsste er auch noch heil hinkommen. Ein Obama-Besuch in Moskau steht inzwischen in Frage.

Venezuela, Nicaragua und Bolivien erklärten am Wochenende unisono, sie würden dem Enthüller der weltweiten NSA-Webspionage Asyl gewähren. Zunächst verkündete der venezolanische Präsident Nikolas Maduro am Freitag bei einer Feier zum Nationalfeiertag, er würde mit Freuden „einen jungen Amerikaner aufnehmen, der vom Imperium gejagt wird“.

Kurz darauf äußerte sich auch Nicaraguas linker Präsident Daniel Ortega, bei der Botschaft in Moskau sei ein Asylantrag Snowdens eingegangen. Sein Land sei zur Aufnahme Snowdens bereit, „wenn die Umstände es erlauben“.

Snowden hatte laut Wikileaks nach seiner Ankunft aus Hongkong über Vertrauensleute und russische Diplomaten Asylgesuche an 21 Staaten gestellt.

Nach "Wien": Boliviens Präsident gibt auch Asyl


Am Samstag zog auch noch Evo Morales nach. Der Staats-Chef von Bolivien war durch die Affäre selbst in Mitleidenschaft gezogen worden, als letzte Woche mehrere europäische Länder seinem Präsidenten-Jet den Überflug verweigerten, weil der Verdacht bestand, Snowden könne an Bord sein.

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Morales war auf dem Rückweg von einem Gasexporteurs-Gipfel in Moskau und musste wegen des Transit-Banns unplanmäßig in Wien landen, wo er daraufhin eine Nacht in der VIP-Lounge zubrachte. Erst nachdem sein Flugzeug ohne Ergebnis durchsucht worden war, konnte er weiterfliegen.

In Lateinamerika kochten die Gemüter ob dieser undiplomatischen Missachtung der Würde eines Staatschefs durch die alten Kolonialmächte – und die vermutlich dahinter stehenden Amerikaner - heftig auf. Es hagelte reihenweise Proteste – und es war fast abzusehen, dass zumindest die US-kritischen linksnationalen Regierungen in der Region nun demonstrativ mit Asylangeboten den USA die Stirn bieten werden. Kuba und Ecuador könnten auch noch nachziehen.

Wann und wie Snowden nun aber aus Russland nach Amerika gelangen kann, ist aber weiterhin offen. Nach offizieller russischer Darstellung befindet er sich seit zwei Wochen im Transit-Bereich des Flughafens Scheremetjewo - faktisch aber wohl unter Bewachung woanders, denn gesehen hat ihn auf dem Airport bisher niemand.

Delikate Reiseplanung: Zur Luft, zur See?


Die einzige direkte Linienflugverbindung aus Russland in die Region führt nach Havanna auf Kuba. Nach dem Morales-Zwischenfall könnte allerdings eine unverdeckte Ausreise Snowdens zu neuen schweren internationalen Verwicklungen führen, sollte die Maschine nicht ungestört über Europa und den Atlantik kommen.

Wahrscheinlicher scheint deshalb, dass Russland und die ihm freundschaftlich verbundenen drei Asyl-Staaten insgeheim einen Plan ausarbeiten, wie Snowden dezent und unbemerkt übersiedeln kann.

Neben Flugreisen gäbe es dafür auch noch den Seeweg – eventuell auch „hintenrum“, von Wladiwostok über den Pazifik.

Trotz aller Beteuerungen aus dem Kreml, eigentlich nichts mit dem phantomhaften Transit-Passagier zu tun zu haben, ist anzunehmen, dass man in Moskau jetzt hinter den Kulissen aktiv daran arbeitet, Snowden außer Landes zu bringen. Denn das Hickhack um den Enthüller der Web-Abzapf-Aktivitäten des amerikanischen und britischen Geheimdienstes wird zur Dauer-Belastung für die ohnehin sehr sensiblen russisch-amerikanischen Beziehungen.

Streicht Obama wg. Snowden einen Russland-Besuch?


Presseberichten aus den USA und Russland zufolge steht deshalb inzwischen ein für den 3. und 4. September geplanter Gipfel zwischen Obama und Putin in Moskau in Frage. Der US-Präsident werde kaum nach Moskau reisen, wenn Snowden sich noch in Scheremetjewo aufhalte, ließen informierte Kreise die „New York Times“ wissen.

Auch ein Snowden-Asyl in Russland wäre ein Grund für Obama, die Reise abzusagen, schreibt heute der Moskauer „Kommersant“ – wobei diese Variante eigentlich nicht mehr zur Debatte steht, da Snowden sich nicht der Bedingung Putins unterwerfen wollte, „unseren amerikanischen Partnern nicht mehr zu schaden“.

Nach dem bisherigen Planungsstand sollte das Moskauer Präsidenten-Treffen unmittelbar vor dem G20-Gipfel in St. Petersburg stattfinden. Er wird am 5. und 6. September im Konstantins-Palast im Vorort Strelna abgehalten.



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Thomas Edmund Mueller 11.07.2013 - 10:42

Kommentar zu "Paulsen-Consult", "Dieser alles entlarvende Snowden"

Ach, das ist aber bedauerlich, dass Sie jetzt gar nichts mehr wissen!
Wie bei der Börse: \\\"Je mehr wir wissen, desto weniger wissen wir. Bis wir alles wissen - und gar nichts!\\\"
Selbstverständlich arbeiten die Geheimdienste zusammen - die westlichen inklusive dem amerikanischen mit dem russischen! Denn es geht nur um eins: Um die totale Kontrolle der Regierungen, inklusive Big Business, über die eigenen Bevölkerungen! Diesbezüglich gibt es keinen Unterschied zwischen Russland und Amerika. Und in diesem Bereich arbeiten sie auch vorzüglich zusammen. Alles andere ist nur unwichtiges Geplänkel - um sich zu Hause zu profilieren, um ein gewisses Feindbild aufrecht zu erhalten weil es bei der eigenen Bevölkerung populär ist.


Thomas Edmund Mueller 11.07.2013 - 10:36

Ach, das ist aber bedauerlich, dass Sie jetzt gar nichts mehr wissen!
Wie bei der Börse: \"Je mehr wir wissen, desto weniger wissen wir. Bis wir alles wissen - und gar nichts!\"
Selbstverständlich arbeiten die Geheimdienste zusammen - die westlichen inklusive dem amerikanischen mit dem russischen! Denn es geht nur um eins: Um die totale Kontrolle der Regierungen, inklusive Big Business, über die eigenen Bevölkerungen! Diesbezüglich gibt es keinen Unterschied zwischen Russland und Amerika. Und in diesem Bereich arbeiten sie auch vorzüglich zusammen. Alles andere ist nur unwichtiges Geplänkel - um sich zu Hause zu profilieren, um ein gewisses Feindbild aufrecht zu erhalten, weil es bei der eigenen Bevölkerung populär ist.


Paulsen-Consult 08.07.2013 - 23:30

Dieser alles entlarvende Snowden

Es ist schrecklich! Snoden sitzt irgendow in Scheremenko auf einer Toilette und verichtet sein Geschäft. Allerdings nicht wie die meisten Menschen und Spione verschämt im Geheimen. Nein, Snowden hat eine Standleitung von seinem 00 in die ganze Welt. So entlarvt er die gemeinsame Ausspähpraxis der Westlichen Geheimdienste nach dem Motto \"Take all information think later\". Das beste ist, dass die europäischen Regierungen und der Commonwealth sich so perfekt ergänzen, das kein Bürger keines Landes unbemerkt bleibt. Jede Regierung bekommt so alle nötigen Infos über ihr Volk - von ausländischen Geheimdiensten.
Jetzt frage ich mich natürlich, ob Putin mit von der Partie ist, oder nicht? Wie hat er das gemeint: \"Unsere Amerikanischen Partner\", meint er die in der Wirtschaft oder die im NSA? KGB und NSA eine große Familie? Snowden demnach auch ein Nestbeschmutzer in Russland?
Nach all den Provokationen, gegenseitigen Agenten- Affären, einer Gesetzgebung, die sogar NGOs als ausländische Agentenorganisationen ansieht, setzt Russlands Präsident nun alles daran, Obama nicht zu verstimmen?
Spielen jetzt alle Regierungschefs im gleichen Golfclub? Nur die Bevölkerung muss draußen bleiben?
Möchte Putin seine Agenten in Washington nicht gefährden? Oder möchte Putin die süffisante Unterhaltung mit Obama nach dem G20 im September auf gar keinen Fall verpassen?
Worum geht es eigentlich?
Plötzlich erscheinen die Tore aller Regierungspaläste vom Kreml bis zum Weißen Haus verschlossen.
Pllötzlich werden Flugzeuge vom Himmel geholt und die Russen paktieren mit den Amerikanern?
Und Anna Chapmann? Ist sie einfach nur lieb, oder hat sie Order bekommen?
Ich widerrufe alles, was ich bisher über Amerika und Russland geschrieben haben, denn ich weiß jetzt gar nichts mehr!


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