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In der Ukraine steht die Behandlung von Julia Timoschenko durch deutsche Ärzte zunehmend in der Kritik (Foto: Archiv/.rufo)
In der Ukraine steht die Behandlung von Julia Timoschenko durch deutsche Ärzte zunehmend in der Kritik (Foto: Archiv/.rufo)
Montag, 16.07.2012

Kiew startet Kampagne gegen Timoschenko und Charité

Kiew. Die ukrainische Führung schießt sich auf die inhaftierte Ex-Premierin Timoschenko ein. Der kranken Oppositionsführerin wird vorgeworfen, sie simuliere. Ins Visier geraten auch die Ärzte der Berliner Klinik Charité.

Was für den deutschen Arzt Lutz Harms als Routinereise begann, endete am Flughafen von Charkow als Spießrutenlauf. «Je länger behandelt Dr. Harms - desto reicher wird er», hielt ihm eine Gruppe junger Männer auf Plakaten in schiefem Deutsch entgegen.

Der Vorwurf: Harms, der in der ostukrainischen Stadt die inhaftierte Ex-Regierungschefin Julia Timoschenko betreut, lasse sich von der kranken Oppositionsführerin für passende Diagnosen bezahlen. Die Klinik weist die Vorwürfe zurück.

Nach dem Fußball-Frieden gewinnt der Fall wieder an Schärfe


Die Kiewer Führung betont zwar stets, das Charité-Gutachten umzusetzen. Dennoch ist offensichtlich, dass die Regierung von Präsident Viktor Janukowitsch seit dem Ende der Fußball-Europameisterschaft deutlich schärfer gegen ihre Erzfeindin Julia Timoschenko vorgeht.

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Die Politikerin wird offen beschuldigt, sie simuliere nur. Im Zuge der Kampagne geraten auch die Mediziner aus Deutschland ins Visier. Das hat einen üblen Beigeschmack - denn die Spezialisten sind auf Vermittlung der Bundesregierung im Einsatz.

«Ist Doktor Harms bereit, seine Reputation für die Bestätigung der simulierten Krankheit Timoschenkos zu opfern?», schrieb der regierungsnahe Publizist Wjatscheslaw Pichowschek. Und Jelena Bondarenko, stellvertretende Vorsitzende des Medienausschusses im Parlament, legte nach: «Wozu braucht die Charité Patienten, die Simulanten sind?».

Taktik des Vergraulens gegen Berliner Ärzte


Ukrainische Ärzte schickten einen offenen Brief an die Weltgesundheitsorganisation WHO. Die neutrale WHO solle doch bitte die Behandlungsmethoden der deutschen Mediziner bewerten. Die staatliche Nachrichtenagentur Ukrinform verbreitete, dass in Timoschenkos Dusche weggeworfene Medikamente gefunden wurden.

Harms schüttelte die Proteste zwar als «bedeutungslos» ab. Aber auch er sprach von einer «politischen Aussage». Charité-Chef Karl Max Einhäupl sieht auch angesichts der Proteste keine Heilungschancen für die prominenteste Gefangene der Ex-Sowjetrepublik.

Timoschenkos Anwalt Sergej Wlassenko glaubt, die Führung wolle die Ärzte zum Rückzug drängen. Dann gäbe es keine objektiven Beobachter mehr.

Neue Verurteilung verzögert sich aus medizinischen Gründen


Derzeit läuft nicht nur der Berufungsprozess wegen der Verurteilung Timoschenkos zu sieben Jahren Straflager im Oktober 2011. Auch ein neues Verfahren ist bereits im Gange - hier drohen ihr wegen Steuerhinterziehung und Veruntreuung in Millionenhöhe zwölf weitere Jahre Haft. Die Vorwürfe sind nach Ansicht des Westens konstruiert.

Wegen Timoschenkos Gesundheitszustand wurden die Prozesse bereits zweimal verschoben. Die Schuld daran gibt die Führung dem gegnerischen Lager. «Jemand wünscht sich sehr, dass Timoschenko krank ist und der Gerichtsprozess niemals beginnt», deutete Generalstaatsanwalt Viktor Pschonka nebulös an.

Die Häufung der Vorfälle hat nach Ansicht westlicher Diplomaten Methode. Für die Regierung ist eine neue Bestrafung Timoschenkos besonders wichtig, um den internationalen Beobachtern ein Urteil ohne offenkundigen politischen Hintergrund zu bieten.

Früher Luxusleben, heute Knast


Um Timoschenko, die noch immer eine der beliebtesten Politikerinnen im Land ist, zu diskreditieren, sickern auch Details aus dem glamourösen Leben der «Gasprinzessin» an die Öffentlichkeit.

So werden in der Presse genüsslich Timoschenkos Einkaufstouren Mitte der 1990er nach Moskau ausgebreitet. Die damalige Chefin eines Gasunternehmens sei für mehrere Tausend Dollar pro Nacht in Luxushotels abgestiegen und habe sich mit teuren Pelzen aus Nerz und Blaufuchs eingedeckt.

Angesichts der ukrainischen Durchschnittslöhne von etwa 300 Euro pro Monat ist das ein idealer Nährboden für Neid.

(Andreas Stein und Benedikt von Imhoff, dpa)


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Stoll 16.07.2012 - 16:03

Paulsen-Consult 16.07.2012 - 15:40

Im Nachhinein ist der Kampf zwischen den zwei Gesellschaftsordnungen immer besser nachzuvollziehen und die Forderung Reagens nach einem öffnen der Mauer die Krönung gewesen. Es ging und geht alles nur über die Kraft der eigenen Ökonomie, der Wehrfähigkeit der eigenen Streitkräfte und den Freiheitswillen jedes eigenen Volkes. Wenn sich heute in Russland und einigen anderen Staaten des ehemaligen Ostblocks die Seilschaften von Kommunisten und Geheimpolizei durchsetzen, sind das nur noch temporäre Erscheinungen, die die dortige Bevölkerung immer besser durchschauen. Auch ein Janukowitsch weis, dass die nächste Wahl kommt und er sich sein kommendes Asyl schon mal aussuchen kann. Denn die Gegner des Kommunisten wissen bereits heute, dass sie diesem Lügner und Menschenfeind keine zweite Chance einräumen dürfen. Ein Schicksal Chaucheskus dürfte ihm bei einem weiteren verbleiben sicher sein. Nur ein von ihm angezettelter Bürgerkrieg mit Russen gegen Ukrainer dürfte ihn an der Macht halten. Doch das wäre das durchsichtigste Manöver.


Paulsen-Consult 16.07.2012 - 15:40

Primitive Vorwürfe

Es handelt sich um primitive Vorwürfe, je dümmer das Konzept der Kampagne desto eher entspricht es der Regierung Janukowitsch. Bandscheibenvorfälle zu simulieren dürfte nur mit brachialer Gewalt gegen sich selbst möglich sein. Ich kenne keinen einzigen Fall.


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