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Angeblicher Putin hinter Gittern. Die Ähnlichkeit ist unverkennbar.
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Mittwoch, 15.02.2012

Putin vor Gericht – im russischen Internet

Moskau. Ein Putin-Video sorgt im russischen Internet für Furore. Es zeigt den Premierminister im Käfig vor Gericht. Putin müsse sich wegen Amtsmissbrauchs und Veruntreuung verantworten, heißt es in der Pseudo-Reportage.

„Wir haben erfahren, dass buchstäblich vor drei Stunden der Ex-Premierminister unter Bewachung in das Bezirksgericht Chamownitschi verbracht wurde“, erklärt eine Stimme gleich zu Beginn des Videos. Anschließend sieht man einen Mann, der aussieht wie Wladimir Putin, hinter den Gitterstäben eines Käfigs, wie er in Russland für angeklagte Schwerverbrecher üblich ist.

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Veruntreuung, Amtsmissbrauch und Terrorismus


Unter den Anklagepunkten seien „Veruntreuung von Staatseigentum in besonders großem Umfang, Finanzmanipulation und Amtsmissbrauch“, heißt es in dem im Stile einer Gerichtsreportage verfassten Video. Als wichtigster Anklagepunkt werde zudem die Beteiligung an Terroranschlägen zur Sprache gebracht, führt die Stimme im Stakkato-Ton einer typischen Gerichtsreporterin weiter aus.

Unterlegt wird der Bericht nicht nur mit Bildern des angeblichen Regierungschefs auf der Anklagebank, sondern auch mit „O-Tönen“. So erklärt der Angeklagte, dass er Wladimir Wladimirowitsch Putin heiße und Bürger der Russischen Föderation sei. Die Stimme gehört tatsächlich Putin.

Aussagen zusammengeschnitten


Die Aussagen stammen allerdings, wie inzwischen bekannt wurde aus einer anderen ganz offiziellen Reportage: 2010 als die Volkszählung in Russland stattfand, wurde auch ein PR-Video mit Putin gedreht, in dem er in seiner angeblichen Wohnung im bislang letzten gemeinsamen öffentlichen Auftritt mit Ehefrau Ludmila auf Fragen der Volkszähler antwortet. Die Antworten aus diesem Filmchen wurden nun in das Anti-Putin-Video montiert.

Bei Russland-Aktuell
• Sozial und gerecht: Putin verteilt Wahlgeschenke an alle (13.02.2012)
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• Kadyrow wirbt für Putin, will Opposition einsperren (24.01.2012)
Besonders pikant: Die Verfasser des Videos nehmen nicht nur Putin selbst, sondern auch die russische Justiz auf die Schippe. So ist der angeblich verantwortliche Richter in der Verhandlung der berüchtigte Viktor Danilkin.

Danilkin hat im vergangenen Jahr den Ex-Yukos-Chef Michail Chodorkowski zu 13,5 Jahren Haft verurteilt. Später erklärte Danilkins Assistentin, das Urteil sei dem Richter von höherer Instanz diktiert worden.

Gefälschte Putin-Verhaftung teilt das Land


Natürlich handelt es sich bei dem Video um eine Fälschung. Seiner Popularität im russischen Internet tat das keinen Abbruch. Bei Youtube ist der Auftritt Putins hinter Gittern ein Hit, über 1,8 Millionen Aufrufe hat er innerhalb von zwei Tagen gesammelt.

• Video zu Putin vor Gericht

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Das Echo ist geteilt: „Da ist sie, die Reportage, die ich erträumt habe“ oder „Ich träume von diesem Tag“ lobt die eine Seite, während Putins Befürworter das Video verurteilt und den Premierminister lobt.

Wer dahinter steckt, ist unklar. Laut einem Bericht ist das Video der Trailer für den Film „Anschlag auf Russland“, der nach Motiven eines Buchs gedreht wurde, das der in London getötete Ex-FSB-Agent Alexander Litwinenko geschrieben hat.

Auch Gegenseite arbeitet mit Fälschungen


Das Video ist nicht die erste Fälschung, die im Wahlkampf auftaucht. Bereits Anfang Januar hatten Unbekannte versucht, den Oppositionellen Alexej Nawalny mit einer Fotografie in den Schmutz zu ziehen. Es zeigte Nawalny gemeinsam mit dem in Russland verhassten Exil-Oligarchen Boris Beresowski. Die Bildunterschrift lautete: „Nawalny hat nie verheimlicht, dass er sein Geld für den Kampf gegen Putin von Beresowski bekommt“.

Im Gegensatz zum Fake-Video war diese Fälschung allerdings nicht auf den ersten Blick zu erkennen. Erst nachdem das Originalbild auftauchte, bei dem Nawalny zusammen mit Michail Prochorow zu sehen ist (die beiden hatten sich zufällig auf dem Flur beim Radiosender Echo Moskaus getroffen), distanzierte sich die Zeitung, das Boulevardblatt AiF von der Ausgabe, die im Ural kursierte. Nach Angaben des Verlags sei die ganze Ausgabe von Unbekannten gefälscht worden.



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