Ein riesiges Mammut begrüßt Reisende in Salechard (Foto: Börner)
Mittwoch, 23.08.2006
Weltreise machen: Zu Gast bei Nomaden und Mammuten
Salechard. Sabine und Olaf Börner aus Hamburg reisen in elf Monaten einmal um die Welt. Russland-aktuell veröffentlicht Auszüge ihrer Reiseberichte. In Salechard am Polarkreis sind die beiden die einzigen Ausländer...
Seit zwei Tagen sind wir nun schon in Salechard am Polarkreis und damit in Asien. Äußerlich ist aber nach wie vor alles europäisch, also russisch, geblieben. In den Strassen fallen uns allerdings Männer und Frauen vom Volk der Nenzen auf, die vereinzelt zu sehen sind. Sie haben eine dunklere Hautfarbe und sehen ein wenig wie Eskimos aus. Auch haben sie Schlitzaugen, so dass sie zumindest ein wenig an Asiaten erinnern.
Allein zwischen Mammut-Knochen und Nenzen-Zelt
Salechard am Ob (Foto: Börner/.rufo)
Im lokalen Heimatmuseum konnten wir uns den heute auch ausführlich sowohl über die polare Tierwelt (inklusive original Mammutknochen) als auch über das Leben der Nenzen informieren. Neben einer Familie, die offenbar aus einem der benachbarten Dörfer kam, waren wir die einzigen Besucher und erhielten somit die volle Aufmerksamkeit des Museumspersonals.
Wir bekamen die beiden ausgestellten Zelte der als Nomaden lebenden Nenzen ausführlich erklärt. Zum einen gibt es ein Sommerzelt, welches aus pyramidenförmig zusammengestellten langen Birkenstangen besteht, die dann mit Birkenrinde umwickelt werden. Die Größe des Zeltes lässt sich durch die Anzahl der Stangen variieren. In solch einem aus bis zu 50 Stangen zusammengestellten Zelt wohnen bis zu zwei Familien.
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Das Winterzelt unterscheidet sich im wesentlichen dadurch, dass es statt mir Birkenrinde mit Tierfellen umwickelt wird, um einen größeren Schutz zu der hier im Winter bis zu minus 50 Grad herrschenden Kälte zu bieten. Die meisten Nenzen leben noch heute in der ursprünglichen nomadischen Lebensweise und geben den Winter über ihre Kinder in Internaten in den Städten ab. Iwan, einen Betreuer in einem solchen Internat, hatten wir ja bereits auf Zugfahrt kennen gelernt.
Keine Spur von Touristenscharen
Die Ausstellung befand sich in einem sehr neuem und westlichen Industriedesign entsprechenden „Ausstellungszentrum“, ohne dies allerdings auch nur annähernd zu füllen. Auf Nachfrage erklärte unsere ausschließlich russisch sprechende Museumsführerin aber, dass es geplant sei, auch die restliche Fläche noch mit Exponaten für vielen ausländischen Touristen zu füllen.
Von den vielen ausländischen Touristen aus Europa, Amerika und Asien hatte uns schon Iwan während der Zugfahrt erzählt. Sie würden alle mit dem Flugzeug nach Salechard kommen. Bislang konnten wir allerdings außer uns hier noch keinen weiteren Ausländer sichten. Das hatte den Vorteil, dass wir die umfangreichen touristischen Attraktionen von Salechard ganz für uns allein haben.
Neben dem erwähnten Heimatmuseum gehören hierzu die folgenden Objekte in dem geschätzt 70.000 Einwohner umfassenden Städtchen:
- eine riesige Mammutstatue am Fähranleger - eine im Bau befindliche ähnlich große Rentierstatue - eine Leninstatue vor dem Sitz der Provinzregierung des Autonomen Jamal-Nenzen-Bezirks - eine nachgebaute Holzfestung, die in dieser Form offensichtlich den Anfang der 410jährigen Geschichte von Salechard bildete. - eines von weltweit nur zweimal existierenden Restaurants, die zwischen zwei Brückenpfeilern hängen (ich nehme an, dass unser Fahrer, der diese Aussage traf, die Autobahnraststätte Tecklenburger Land nicht kannte) - eine ultramodernes Flughafenterminal - eine ebenso moderne Bahnstation
Die letzte in der Reihe noch fehlende Attraktion wollten wir heute besichtigen. Es handelt sich dabei um ein Monument, welches genau auf dem Polarkreis errichtet wurde und denselben symbolisiert. Dies ist besonders wichtig, da die Verantwortlichen von Salechard dieser besonderen Lage der Stadt offensichtlich auch besonderes touristisches Potential beimessen. Nach ca. 1,5 Stunden Fußmarsch von unserem Hotel sind wir dann auch an der bezeichneten Stelle angekommen.
Allerdings fanden wir nur ein leeres Podest vor. Auf Nachfrage im gegenüber liegenden Hotel „Polarkreis“ wurde uns mitgeteilt, dass das alte Monument abgerissen und an anderer noch weiter entfernterer Stelle wieder aufgebaut wurde. Darauf, uns bis dahin durchzufragen, haben wir dann verzichtet. Es muss ja noch ein ungelüftetes Geheimnis für unseren nächsten Salechard-Besuch übrig bleiben.
Sabine und Olaf Börner, 24.7.2006
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