Alles andere als ein Langweiler: Der Schriftsteller Wladimir Kaminer (Foto: Silje Riise Naess)
Dienstag, 22.12.2009
Jahresausklang in Leipzig: Kaminer und Russendisko
Leipzig. Turbulenter kann man sich die letzten Tage des Jahres nicht wünschen: Wladimir Kaminer verspricht für den 29. Dezember „die knalligste Lesung des Jahres“. Und tags darauf gibt es die „Russendisko“.
Ort und Zeit
29. Dezember 2009, 20 Uhr - Kaminer’s Sylvesterlesung 30. Dezember 2009, 22 Uhr - Sylvester mit der „Russendisko“ Beide Veranstaltungen in der Schaubühne Lindenfels, Karl-Heine-Str. 50, Leipzig
1990 kam er nach Deutschland. „Wir hätten auch nach Amerika gehen können. Da aber brauchte man ein Visum und die Bahnfahrkarte nach Ost-Berlin kostete nur 90 Rubel“, sagt der gebürtige Moskauer Wladimir Kaminer über sich selbst. Seitdem lebt er am Prenzlauer Berg und bereichert die deutsche Kulturlandschaft wie kaum ein anderer.
Wenn Exil-Russen sich selbst auf die Schippe nehmen
Mit Scharfsinn und spitzem Wortwitz beobachtet er seine Landsleute und deren, in Deutschland meist ungewohnten, Gepflogenheiten. Seien es seine russischen Nachbarn in ihrer WG, das Leben im Schrebergarten oder ein abenteuerlicher aber gleichsam hintersinniger Exkurs in die Küchen der ehemaligen Sowjetunion.
Wladimir Kaminer lässt in seinen Büchern keine Zweifel aufkommen, dass seine Landsleute liebenswert anders ticken und manche seiner neuen Mitmenschen schlichtweg einen „Russenknall“ haben.
Um mit osteuropäischer Musik Westeuropa zum Tanzen zu bringen, initialisierte Wladimir Kaminer zusammen mit DJ Juri Gurzhy das Original der inzwischen schon legendären „Russendisko“. Russische Tanzbeats rocken Alteuropa. Das Partyvolk weiß längst um die Qualität der Veranstaltungen.
Am 29. Dezember wird Wladimir Kaminer in Leipzig ein Potpourri seiner Werke zum Jahreswechsel lesen. Nach seinen Worten die „knalligste Lesung des Jahres“. Und man darf ihm getrost glauben, humorvoller und spitzfindiger kann ein Jahr wohl kaum enden.
Einen Tag später ist es dann soweit. Die „Russendisko“ wird Leipzig zum Kochen bringen. Man darf gespannt sein, wer danach noch die Kraft hat, das neue Jahr aufrecht stehend zu begrüßen.
Denn wie sagt Kaminer: „Die Menschen in Russland planen ihr Leben im Gegensatz zu den Deutschen sehr kurzfristig.“ Und da gehört auch ordentlich feiern dazu.