 |
|
| Georgi Boos wird von den Medien in Kaliningrad neuerdings hofiert (Foto: Djatschkow/.rufo) | |
Montag, 08.05.2006
Boos bringt Medien in Kaliningrad auf Linie
Kaliningrad. Der Kaliningrader Gouverneur Georgi Boos hat sich entscheidenden Einfluss bei der privaten Fernsehgesellschaft „Kaskad“ gesichert. Die einstigen Gründer sind inzwischen aus dem Amt gejagt.
|
|
Im Januar begannen die Schwierigkeiten für die Führungsetage der regionalen Medienholding. Den Gründern des Senders, Igor Rostow und seiner Frau Olga Kotowskaja, wurde vorgeworfen, sich über Briefkastenfirmen, Gewinne an den Mehrheitsaktionären vorbei in die eigene Tasche zu wirtschaften.
|
Nächtliche Hausbesuche und Rücktrittsdrängen
|
Bei dem Konflikt wird mit harten Bandageen gekämpft. Als Kaskad-Generaldirektor Rostow wegen einer Dienstreise in Moskau war, standen eines Nachts plötzlich Steuerfahnder vor der Tür und verlangten eine Hausdurchsuchung. Die verängstigte Olga Kotowskaja verwehrte den Männern jedoch den Einlass.
|
Der ehemalige Vize-Gouverneur Wladimir Pirogow, der sich als Interessenvertreter der Mehrheitsaktionäre, mehrerer völlig unbekannter Firmen, bezeichnet, forderte wegen der juristischen Streitigkeiten noch vor dem Ende der Untersuchung einen Rücktritt des Duos von allen Führungspositionen.
|
Neuer Generaldirektor – alter Bekannter von Boos
|
Zum neuen Generaldirektor wurde Juri Rjaschski berufen, der interessanterweise zusammen mit dem am Konflikt völlig unbeteiligten Gouverneur Georgi Boos in Moskau zusammen arbeitete.
|
Beide gehörten dem Team von Moskaus Bürgermeister Juri Luschkow an. Rjaschski war der stellvertretende Pressesekretär, Boos galt als einer der eventuellen Nachfolgekandidaten Luschkows in Moskau, bevor er vom Kreml nach Kaliningrad abgeschoben wurde.
|
Nach Angaben der Kaliningrader Journalistin Tamara Samjatina geht das Verhältnis der beiden über rein dienstliche Beziehungen hinaus. Demnach ist Rjaschski sogar Taufpate der jüngsten Tochter von Boos. Die Politik des Senders ist nun sehr Boos-freundlich, charakterisiert der Regnum-Korrespondent Andrej Wypolsow die Situation.
|
Wechsel bei Kaliningradskaja Prawda nach Kritik an Boos
|
Auch Samjatina selbst musste bereits erfahren, dass Kritik an der neuen Kaliningrader Spitze Konsequenzen für die eigene Karriere haben kann. Die ehemalige Chefredakteurin der „Kaliningradskaja Prawda” musste im Februar ihren Hut nehmen, weil sie nach Meinung der Zeitungsbesitzer – der Ölgesellschaft Lukoil und der Reederei Reftransflot - die Beziehung der Zeitung zur regionalen Führung „unprofessionell” aufbaute.
|
Sie hatte als Chefredakteurin einen Artikel genehmigt, der Boos Pläne, sich und den Mitgliedern seiner Regierung, Immobilien aus dem Regionalhaushalt bezahlen zu lassen, kritisch durchleuchtete. Der Leitartikel wurde jedoch von Generaldirektor Igor Nikonow persönlich noch aus dem Druck genommen.
|
(-ab/.rufo)
|
|
|
|
Leser-Kommentare zu diesem Artikel (und Kommentare zu Kommentaren): ↓
Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar, nachdem Sie sich hier unten für Kommentare neu registriert haben. Sie können hier oder im Forum (www.forum.aktuell.ru) mitdiskutieren.
Bisher gibt es zu diesem Artikel noch keine Leserkommentare
Überblick aller Leserkommentare zu allen Artikeln >>>