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Spas-TV soll in vier Jahren keine Verluste mehr erwirtschaften (Foto: www.religare.ru)
Spas-TV soll in vier Jahren keine Verluste mehr erwirtschaften (Foto: www.religare.ru)
Mittwoch, 30.11.2005

Orthodoxer TV-Sender soll Russland einen

Karsten Packeiser, Moskau. Der neue orthodoxe TV-Kanal „Spas (Erlöser)“ sieht sich als Alternative zur herkömmlichen Fernsehlandschaft Russlands. Seit Juli ist er täglich auf Sendung.

Bislang wird der offiziell von Privatleuten finanzierte Sender seinem Anspruch noch nicht gerecht, mit einer Mischung religiöser und patriotischer Sendungen die öffentliche Meinung spürbar zu beeinflussen. Denn dazu gibt es vorerst viel zu wenig Zuschauer.

Streng gläubige Geschäftsleute als Sponsoren

„Spas“ ist nach dem Armeesender „Swesda“ und dem englischsprachigen Nachrichtenkanal „Russia Today“ bereits das dritte „patriotische“ TV-Projekt, dass in Moskau innerhalb kurzer Zeit aus der Taufe gehoben wurde. Im Unterschied zu den beiden anderen Programmen greift das „Erlöser“-TV allerdings – zumindest nach eigenen Angaben – nicht auf Staatsgelder zurück. Auch die Orthodoxe Kirche selbst sei nicht an der Finanzierung des Kanals beteiligt, sagte „Spas“-Direktor Alexander Batanow in einem Interview mit dem epd.

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Hinter dem Sender steht Batanow zufolge eine Gruppe streng gläubiger Geschäftsleute, Hauptsponsor sei der Bankier und Brot-Fabrikant Gennadi Lyssak aus Wladiwostok. Der Sender habe zwar das Wohlwollen der orthodoxen Geistlichkeit und den Segen des russischen Patriarchen Alexi II., doch die Kirche mische sich nicht in die Redaktionspolitik ein. Alexi soll lediglich den Wunsch geäußert haben „nicht zu viele Priester und Gottesdienste“ zu zeigen.

Der TV Sender „Spas“ ging Ende Juli erstmals auf Sendung und bietet seinen Zuschauern derzeit täglich ein zwölfstündiges Programm, vor allem Talkshows zu religiösen und gesellschaftlichen Themen unter dem Sammelnamen „Russische Stunde“, Dokumentarfilme und Predigten. Spielfilme gibt es derzeit nicht, reine Unterhaltungssendungen fehlen ebenso wie ein Kinderprogramm. Das Programm wird von 50 festangestellten Mitarbeitern vorbereitet und im Programm-Paket des Pay-TV-Anbieters NTW+ landesweit ausgestrahlt.

Prominente Moderatorenriege Die Investoren sehen den TV-Sender durchaus als kommerzielles Projekt, das den bestehenden Plänen zufolge in vier Jahren keine Verluste mehr erwirtschaften soll. Dafür spart „Spas“ jeden überflüssigen Rubel, die Talkshows etwa werden mit bescheidenen Mitteln alle in ein und dem selben Studio des Moskauer Fernsehzentrums Ostankino aufgezeichnet – vor dem Hintergrund eines Christus-Bildes des mittelalterlichen Ikonenmalers Andrej Rubljow.

Bereits zu Beginn des Sendebetriebs konnte „Spas“ eine relativ prominente, aber bei weitem nicht unumstrittene Gruppe von Moderatoren aufbieten. Chefredakteur des Senders wurde Iwan Demidow, der in den 1990-er Jahren eine extrem populäre Hitparaden-Show moderierte. Bei „Spas“ betätigen sich neben prominenten orthodoxen Geistlichen aber auch der Vorsitzende des russischen Parlaments-Oberhauses Sergej Mironow, die Historikerin und Duma-Abgeordnete nationalistischen „Rodina (Heimat)“-Partei Natalja Narotschnizkaja und der ultra-rechte Philosoph und Politologe Alexander Dugin.

Vor allem bei politischen Diskussionen werde er „keine Form von Extremismus“ dulden, hatte Demidow auf einer Pressekonferenz versprochen. Doch unter anderem aus Protest gegen die Präsenz des rechten Denkers Dugin im orthodoxen Äther kündigte mit dem Studenten-Priester Maxim Koslow im Herbst der erste „Spas“-Moderator dem Sender bereits wieder die Zusammenarbeit auf.

Orthodoxie soll Russland zusammenhalten

Die Sendungen des „Erlöser“-TV-Kanals sollen – so das Konzept der Macher – den Russen dabei helfen, sich in ihrem in den letzten Jahrzehnten total veränderten Land zurechtzufinden. Eine Folge der durch den Zerfall des Sowjetsystems verursachten Systemkrise sei, dass sich die Russen „nicht mehr als Teil eines einzigen Landes“ fühlten, so „Spas“-Direktor Batanow. „Aber der orthodoxe Glauben kann sie zusammenhalten“, ist er sicher.

In der Rückkehr zu den alten, orthodoxen Traditionen sehen die „Spas“-Macher eine die Gesellschaft einende „nationale Idee“, nach der Politiker-Elite und Soziologen des Putinschen Russland seit Jahren suchen. Mit den Programmen soll „der Staat gestärkt“ werden, was aber nicht ausschließe, einzelne Vertreter der Staatsmacht zu kritisieren.

Bislang fällt das Echo auf die Sendungen von „Spas“ noch zurückhaltend aus, was vor allem wohl auch daran liegt, dass NTW+ noch nicht einmal in der Hauptstadt Moskau einen wirklich großen Verbreitungsgrad besitzt. Insgesamt hat NTW+ zurzeit etwa 400.000 Abonennten, Familienmitglieder eingerechnet erreicht das orthodoxe Programm aus Moskau somit weniger als ein Prozent aller Russen. Derzeit laufen allerdings Verhandlungen darüber, das „Spas“-Programm über die Kabelnetze regionaler Fernsehsender einem deutlich größeren Publikum zugänglich zu machen.

(epd/kp)


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