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Phobos-Grunt kam bis in die Erdumlaufbahn. Aber dann hakelte etwas in der Bordelektronik - und die 120-Mio.-Euro-Sonde wurde zu Weltraumschrott. Hat ein US-Radar dazwischengefunkt? (Foto: 1. Kanal)
Phobos-Grunt kam bis in die Erdumlaufbahn. Aber dann hakelte etwas in der Bordelektronik - und die 120-Mio.-Euro-Sonde wurde zu Weltraumschrott. Hat ein US-Radar dazwischengefunkt? (Foto: 1. Kanal)
Donnerstag, 19.01.2012

Version: Starkes US-Radar hat Phobos-Pleite ausgelöst

Moskau. Russland plant neue Missionen zum Mars und zum Mond - zusammen mit Europäern und der Nasa. Dabei stehen die USA im Verdacht, mit einem Radar das «Phobos-Grunt»-Debakel ausgelöst zu haben.

Die neue Mission zum Mars soll gemeinsam mit der europäischen Raumfahrtagentur Esa verwirklicht werden, sagte der Chef der Raumfahrtbehörde Roskosmos, Wladimir Popowkin: «Wir führen derzeit Verhandlungen, dass wir ca. 2016-18 dorthin fliegen». Gegenüber dem Radiosender Westi FM kündigte er zudem an, Russland werde bis 2020 zwei Raumapparate zum Mond schicken. Später sei dort eine bemannte Station geplant.

Große Pläne: Eine internationale Mondstation


Derzeit entwickle Roskosmos ein Transportsystem, mit dem Menschen zum Mond fliegen könnten, sagte der Behördenchef. «Wir führen bereits sowohl mit der US-Raumfahrtbehörde Nasa als auch mit der Esa Gespräche darüber, wann wir mit der Erschließung beginnen. Es gibt zwei Varianten: Entweder schaffen wir eine Basis auf dem Mond oder eine automatische Station in der Umlaufbahn des Mondes.» Für die Umsetzung der Pläne benötige Roskosmos aber noch Zuschüsse.

Version: Ein US-Radar hat Phobos-Grunt ins Nirwana gebeamt


«Die Hauptgründe für den unkontrollierten Absturz von "Phobos-Grunt" waren Fehler bei der Produktion und während der Tests wie auch Konstruktionsfehler», sagte Popowkin. Trümmer der vor einem Flug zum Mars-Mond Phobos kaputt gegangenen Sonde waren am 15. Januar in den Pazifik gestürzt.

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• Russische Marsmond-Mission widersetzt sich Neustart (11.11.2011)
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• Jubiläumsstart in Baikonur: 50 Jahre bemannte Raumfahrt (04.04.2011)
Dass die starke elektromagnetische Strahlung eines US-Radars im Pazifik die Sonde beeinflusst haben könnte, sei nur einer der möglichen Gründe, sagte der Roskosmos-Chef. Er bezifferte den Gesamtschaden auf fünf Milliarden Rubel (etwa 124,2 Mio Euro).

Stören die Amis Russlands Sputniks beim Überflug?


Popowkin hatte noch vor dem Absturz der Sonde von einer möglichen „Einwirkung von außen“ gesprochen. Russische Medien entwickelten daraufhin die Version, dass ein starkes militärisches Radar auf den Marshall-Inseln den Bordcomputer der zunächst in einer Erdumlaufbahn kreisenden Sonde außer Funktion gesetzt haben könnte.

Angeblich haben russische Raumfahrt-Fachleute schon öfter seltsames Verhalten ihrer Sputniks bemerkt, nachdem diese die „andere Erdhälfte“ überflogen hatten, wo Russland nicht über Bodenstationen verfügt.

Radaranlage erweist sich im Alltag als unschädlich


Inzwischen haben sich aber zahlreiche Luft- und Raumfahrtexperten zu Wort gemeldet und diese Version in das Reich der Phantastie verwiesen. Das US-Radar würde tagtäglich von zahlreichen Flugzeugen und Satelliten überflogen, ohne dass es zu technischen Problemen käme.

Die russische Raumfahrtbehörde will der Sache aber dennoch auf den Grund gehen: Sie baut gegenwärtig ein Experiment auf, bei dem elektronische Steuerelemente, wie sie an Bord von Phobos-Grunt waren, langsam steigender Radarstrahlung ausgesetzt werden sollen. Sollte es Anhaltspunkte für eine schädliche Einwirkung geben, wolle man der Sache zusammen mit den USA weiter auf den Grund gehen, so Popowkin.

Nach Angaben der Nasa war das fragliche Radar mitten im Pazifik am 9. November, dem Tag des verunglückten Phobos-Missionsstarts, gar nicht in Betrieb.

(mit Material von dpa)


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