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Die Mehrheit der Russen empfindet das Urteil gegen Pussy Riot als ungerecht und zu hart. (Foto: livejournal.com)
Die Mehrheit der Russen empfindet das Urteil gegen Pussy Riot als ungerecht und zu hart. (Foto: livejournal.com)
Samstag, 18.08.2012

Reaktionen zum Pussy Riot-Urteil: großer Image-Verlust

Moskau. Viele Prominente haben sich nach der Verurteilung der drei Mitglieder der Frauenband Pussy Riot zu zwei Jahren Lagerhaft zu Wort gemeldet. Die meisten, aber nicht alle, halten die Strafe für zu hart und ungerecht.

Als einer der ersten reagierte am Freitagabend der Menschenrechtsbeauftragte der Russischen Föderation, Wladimir Lukin. „Ich glaube, diese Gruppe hat kein Verbrechen begangen, sondern ein schweres Vergehen. Hier darf es kein Urteil nach dem Strafgesetz geben.“ Die Gefängnisstrafe sei ungerecht. Er spricht sich dafür aus, das Urteil anzufechten.

Bei Russland-Aktuell
• Das Urteil ist gefallen: 2 Jahre Haft für Pussy Riot (17.08.2012)
• Urteil: Richterin spricht Pussy Riot schuldig (17.08.2012)
• Für Pussy Riot: FEMEN sägt Gedenkkreuz in Kiew ab (17.08.2012)
• Vor dem Urteil: weltweite Aktionen für Pussy Riot (17.08.2012)

Inquisition und Eigentore


Damit drückt es aus, was wohl die meisten Menschen in Russland denken – die Mädchen, die am 21. Februar in der russisch-orthodoxen Hauptkirche Russlands ein „Punk-Gebet“ gegen Wladimir Putin abgehalten hatten und dafür des „Rowdytums aus Motiven religiösen Hasses“ angeklagt wurden, hätten 15 Tage Arrest bekommen und/oder soziale Arbeiten verrichten sollen, mehr nicht.

Michail Fedotow, Leiter des Präsidentenrats für Menschenrechte, möchte „ein öffentlich-rechtliches Gutachten zu Pussy Riot“ und ihre Begnadigung. Von Begnadigung hatte am Freitag unmittelbar nach der Urteilsverkündung auch der orthodoxe Kirchenrat gesprochen.

Der bekannte Blogger Alexej Nawalny, der selbst bei der Urteilsverlesung im Gerichtssaal anwesend war, findet sehr harte Worte für den Prozess. Es sei „wie bei der Inquisition“ gewesen; das Urteil hält er für „politische Abrechnung und demonstrative Vernichtung des Rechts“. Er ist der Überzeugung, dass das harte Urteil nur deshalb gefällt wurde, „weil die Aktion in der Kirche eine politische war“.

Ex-Finanzminister Alexej Kudrin macht sich Sorgen um den Ruf Russlands in der Welt. Auf seiner Website schreibt er von „einem riesigen Verlust für das Image Russlands und seine Investitionsattraktivität“. Seiner Meinung nach hätte es gereicht, die drei Punkerinnen wegen „Beleidigung der Gefühle von Gläubigen“ zu einem Bußgeld von 1.000 Rubel zu verurteilen.

Der Oppositionelle Eduard Limonow meint, „die Staatsmacht hat gleich zwei Eigentore geschossen“. Mit dem Urteil werde die Gesellschaft noch weiter entzweit, als sie es sowieso schon sei, schreibt er in seinem Blog.

“Die Strafe ist zu gering!“


Erwartungsgemäß sehen Mitglieder der Putin-Partei „Einiges Russland“ (ER) die Lage der Dinge anders. Der Duma-Abgeordnete Wladimir Burmatow schrieb am Freitagabend auf der offiziellen ER-Seite: „Das Strafmaß ist zu gering.“

Andrej Issajew vom Generalrat der Partei findet das Verdikt „hart, aber gerecht“. Er erwarte, dass Präsident Putin „in der Sache das letzte Wort hat“, sagte er gegenüber RIA Novosti.



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Holger Eekhof 20.08.2012 - 12:38

Imageschaden???

Hiermit fordere ich alle sich hier zu Russland Kritikern mausernden Enthusiasten und Rechtsexperten auf, sich zunächst einmal das deutsche Strafgesetzbuch zu Gemüte zu führen § 166, § 167.
\"§ 167
Störung der Religionsausübung
(1) Wer 1. den Gottesdienst oder eine gottesdienstliche Handlung einer im Inland bestehenden Kirche oder anderen Religionsgesellschaft absichtlich und in grober Weise stört oder
2. an einem Ort, der dem Gottesdienst einer solchen Religionsgesellschaft gewidmet ist, beschimpfenden Unfug verübt,

wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.\"
Gehen wir nun davon aus, das besagte Gruppe - Gerüchten zu Folge - bereits mehrfach nur mit einer Geldstrafe für ähnlich gelagerte Delikte davongekommen ist, sollte jedem klar sein, das ein deutsches Gericht vermutlich ähnlich geurteilt hätte, wenn wir nur eine Kirche mit einem vergleichbaren Status wie diese Kathedrale hätten - nämlich dem des zentralen Gotteshauses der russisch- orthodoxen Kirche. Für mich als Katholiken nur vergleichbar mit dem Petersdom in Rom.
Ganz im Gegenteil:
Diese Künstler beziehen einen wesentlichen Teil Ihrer Popularität und damit auch Ihren wirtschaftlichen Erfolg gerade aus solchen Auftritten. Warum freuen wir uns nun nicht einfach darüber, das in Russland endlich neue Zeiten angebrochen, das es eben nicht mehr egal ist, wie wirtschaftlicher Erfolg erzielt wird.
Dies ist ganz im Gegenteil ein ganz deutliches Zeichen dafür, daß sich der russische Rechtsstaat in die richtige Richtung bewegt: Es werden diejenigen verurteilt, die auf Kosten und durch die Demütigung anderer wirtschaftlichen Erfolg anstreben. Auch wenn sie über globale Popularität verfügen. Hoffen wir doch einfach darauf, das sich dieses zarte Pflänzchen auch weiter entwickeln wird.
Im übrigen zweifle ich keine Sekunde daran, das sobald sich die internationale Aufregung gelegt haben wird, die russisch- orthodoxe Kirche vergibt und ein entsprechendes Gnadengesuch entweder unterstützt oder selbst auf den Weg schicken wird.


Stoll 19.08.2012 - 02:24

Pussy Riot macht weiter und immer mehr Russen machen mit

Mit der Verbannung der Pussy-Riot-Frauen ins Straflager hat Putin sein riesengroßes Problem mit der Punk-Band nicht aus der Welt geschafft. Der Protest geht ungebrochen weiter, denn ein neues Lied kursiert bereits im Internet.
In dem jüngsten Lied der Punk-Band wird sich über Putin wegen seiner angeblichen Schönheitsoperation lustig gemacht und aufgefordert, den weißrussischen Staatschef Alexander Lukaschenko zu ehelichen.
-- Das Land geht auf die Straße mit Mut/ Das Land sagt dem Regime Auf Wiedersehe --, heißt es in dem neuen Protestsong.-- Putin entzündet das Feuer der Revolution. --
Wie war das mit dem Tsunami ? Erst kommt eine kleine Welle, die dann zu einem Tsunami anwächst, je näher sie dem Land kommt.
Putin ist mitten im Tsunami des politischen Widerstands.


Stoll 18.08.2012 - 15:29

Der starke Mann im Kreml zittert offenbar vor drei jungen Frauen. Immer mehr Russen dämmert es, dass das Mundtotmachen kritischer Künstler nicht Stärke zeigt, sondern genau das Gegenteil.


Royaler 18.08.2012 - 14:16

Drei Engel für Russland

Ihr Auftritt im Unrechtsstaat hat\'s gebracht.
Sie lassen das wahre Gesicht zeigen, in Putins neu erwachendem Schergenreich.

Welche Vergleiche passen am besten in Geschichte und Gegenwart?
Wo wurde und wird von jungen Leuten vergleichbar Widerstand geleitet?

Klar: Massenweise im Westen gegen und für alles Mögliche, auch
wenn\'s manchen Demokraten schwer fällt, das alles zu akzeptieren
und die ganzen „Straßenschauspiele“ die Gesellschaft reichlich was kosten.

Deutschland kann sich erinnern an die „Weiße Rose“,ein heller Schein im Fascho-Reich ehemals.

Wer\'s in Russland noch nicht mitgekriegt haben sollte,
was da rund Pussy Riot und den Betrugspräsidenten samt Gefolgsschaft losgetreten
worden ist in Begleitung der Wende-Wahlen im langen Winter 2011/12, wird’s denn wohl von seinen ausländischen Freunden zu hören bekommen.
Das geht auch an kaum einer Business-Runde vorbei.

Russland wandelt sich unter Putin III gewaltig in eine Richtung, die auch vorher schon den Rechtsstaat und die Demokratie verhindern wollte.

Gerade die Jugend, die noch im Dezember am Demonstrieren durch angeordneten Schulzwang
am Samstagnachmittag gehindert wurde, ist hellhörig. Es interessiert sie nun halt, was denn so mit ihren Altersgenossen geschieht; und staatlich ja beabsichtigt, ob einen so was Absurdes an Proteststimmung hindern könnte oder erst recht animierte.

„Echo Russland“, eine neue Dimension der Mundpropaganda, wenn man so viel Unrechtswirbel veranstaltet, bis in die kleinsten Provinznester getragen, eine neue Ebene des Widerhalls:
im Netz,
durch Hinschauen weltweit,
durch viele Gespräche, wenn der Betrieb nach der Sommerpause ab dem 1.September in Russia wieder startet: Jede Maske,
ich wiederhole: jede Maske – und da gibt’s ja weltweit ne richtige „Masche“, erinnert an die drei „gestrickten (Masken)“ von Pussy Riot.


Paulsen-Consult 18.08.2012 - 12:34

Eindeutig zu hart

Das Urteil ist eindeutig zu hart und unangemessen. Es entspricht aber einem weltweiten Trend, Opposition auch ohne Rücksicht auf rechtsstaatliche Grenzen mit juristischen Mitteln einzuschüchtern. Im Westen haben wir den Fall Assange, der von den Leitmedien nur mühevoll mit suggestiven und manipulativen Mitteln \"entpolitisiert\" werden kann. (sihe Wikipedia, Julian Assange)
Eine schlechte Zeit für die Demokratie auch im Westen. Wenn es um Macht und Geld geht, werden die Regeln neu geschrieben.


Cello 18.08.2012 - 11:07

Soviel meinerseits!

Es wurden die Gefuehle vieler Christen verletzt? Da Frage ich mich aber, ob Liebe, Guete und Vergebung seit neuestem keine christlichen Werte mehr sind, sondern nur noch hohe Strafen für kleinste Vergehen? ... Nein, ich glaube nicht, dass die Gefuehle von Christen verletzt wurden, eher diejenigen von Potentaten und Maechtigen.

Und doch kann ich Ex-Finanzministers Kudrins 1000 Rubel Meinung nicht unterstuetzen, denn die Damen provozierten nicht das erstemal an solch \"delikaten\" Orten und wurden auch schon oefters mit kleinen Geldbussen abgestraft. Also beduerfte es doch eher einer Strafe auf Sozialarbeitstunden, welche nicht so einfach mit dem Griff nach hinten Rechts abgetan werden koennen.

Nun,was den Imageschaden der russischen Regierung und derer Gesetzgebung anbelangt wird man sehen. Foerderlich fuer moegliche (neue) und bestehende Investoren ist es denke ich allemal nicht.

Was ER und Putin anbelangt beweist der ganzen Welt,wie aengstlich und sichtlich verunsichert er NOCH auf seinem Trohn residiert! Eine starke souveraene Regierung hat ein solch trauriges Theater bestimmt nicht noetig!


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