Michail Guzerijew muss zwangsweise kürzer treten (Foto: vsesmi.ru)
Dienstag, 31.07.2007
Russischer Oligarch muss Ölkonzern abtreten
Moskau. Der Milliardär Michail Guzerijew muss seinen Ölkonzern Russneft unter massivem Druck der Steuerbehörden abgeben. Allerdings bekommt Guzerijew im Gegensatz zum Yukos-Fall eine milliardenschwere Entschädigung.
Als Käufer tritt der Aluminium-Oligarch Oleg Deripaska auf, dem u.a. der weltgrößte Aluminiumhersteller Rusal und Anteile am österreichischen Baukonzern Strabag gehören. Als Kaufsumme sind 3 – 3,3 Mrd. USD im Gespräch. Der Fördermenge nach ist Russneft die Nummer sieben unter den Ölkonzernen in Russland.
Guzerijew sieht sich als Opfer einer Hetzjagd
Guzerijew selbst schätzt den Wert seines Ölkonzerns auf zehn Milliarden USD. Der Milliardär beklagte sich über den massiven Druck, der auf ihn ausgeübt werde, um ihn zur Übergabe seines Unternehmens zu bewegen: „Mir wurde empfohlen, das Ölgeschäft „im Guten“ zu verlassen. Als ich ablehnte, wurde eine unvergleichliche Hetzjagd gestartet, um mich gesprächig zu machen.“
Tatsächlich sieht sich der in Kasachstan geborene Ingusche zahlreichen Anklagen gegenüber. So sollen Russneft-Tochterfirmen das Förderlimit für Öl und Gaskondensat um das Mehrfache überschritten haben. Die Einnahmen von insgesamt 7,7 Mrd. Rubel (220 Mio. Euro) wurden als illegal eingestuft, gegen Guzerijew ein Verfahren wegen ungesetzlichen Unternehmertums eingeleitet.
Steuerbetrug: Guzerijew wirft das Handtuch im Gegensatz zu Chodorkowski
Zudem wird ihm Steuerbetrug in Höhe von 740 Mio. Rubeln (21 Mio. Euro) vorgeworfen. Guzerijew streitet zwar alle Vorwürfe ab, beugte sich jedoch - das Beispiel des uneinsichtigen Ölmilliardärs Michail Chodorkowski vor Augen – den Forderungen nach einem Rückzug aus dem Geschäft und verkaufte.
Der Milliardär will sich künftig ganz aus dem Business zurückziehen und sich eigenen Angaben nach der Wissenschaft widmen. Guzerijew gehören neben dem Ölkonzern Russneft auch die Binbank, die Immobiliengesellschaft „Mospromstroi“, 50% am Kohleförderunternehmen „Russki ugol“ und 75% an der Sodafabrik „Russkaja Sodowaja Kompanija“.
Vermögen in „Wildost“-Zeiten aufgebaut
Guzerijew begann seine unternehmerische Tätigkeit bereits Ende der 80er Jahre mit der Gründung einer Bank. In den „wilden“ 90er Jahren gelang es ihm dann, sich eine Vielzahl von Industriebetrieben anzueignen. Im Jahr 2000 wurde er sogar Präsident der Ölgesellschaft „Slawneft“, verlor aber den Kampf um die Kontrolle des Ölkonzerns gegen Roman Abramowitschs „Sibneft“.
Russneft bald staatlich?
Während Sibneft inzwischen zu Gazprom (Gasprom) gehört, baute Guzerijew Russneft auf. Möglicherweise wird aber auch Russneft bald wieder unter „staatlicher Obhut“ stehen. Marktexperten sind sich einig, dass Deripaska lediglich als Strohmann fingiert, um den Ölkonzern später weiter zu verkaufen. „Zu guter Letzt wird entweder Rosneft oder Gazprom das Aktiv kaufen“, erklärt beispielsweise der Leiter des Marktanalysezentrums der Sobinbank, Alexander Rasuwajew.
Bei Deripaskas Konzern-Holding Basel werden derartige Spekulationen dementiert. Es gebe keine Pläne, sich von Russneft zu trennen, erklärte ein Unternehmenssprecher. Der Petroleumkonzern sei nötig, um den wachsenden Energiebedarf der Holding zu decken. Sicher ist, dass Deripaska bei einem möglichen Verkauf zu einem späteren Zeitpunkt (derzeit haben weder Gazprom noch Rosneft die nötigen freien Mittel) einen stattlichen Gewinn einstreichen kann.
(ab/.rufo/Moskau)
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