Brennender Schützenpanzer in den Straßen von Zchinwali. Die Stadt liegt in Schutt und Asche (Foto: TV)
Freitag, 08.08.2008
Zchinwali zerstört, russische Truppen marschieren ein
Zchinwali. Die Hauptstadt von Südossetien liegt in Schutt und Asche. Hunderte Opfer soll die Militäroffensive der Georgier gefordert haben, die die Stadt größtenteils besetzt haben. Nun rücken die Russen mit Panzern ein.
Es herrscht Ruhe in Zchinwali. Die Waffen schweigen, doch für wie lange? Offiziell hat Georgien den Separatisten in Südossetien drei Stunden Zeit gegeben, ihre Waffen abzugeben und sich zu ergeben. In dieser Zeit können auch Zivilisten die immer noch umkämpfte Stadt verlassen. Tiflis sicherte ihnen einen freien Abzug zu.
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Viele Tote unter der Zivilbevölkerung
Von der Stadt selbst ist Augenzeugenberichten wenig übrig geblieben. Jedes zweite Haus brennt, unter den Ruinen werden Hunderte Tote und Verletzte vermutet. Viele von ihnen waren Zivilisten, denn auch wenn Südossetien angesichts der wachsenden Spannungen in den letzten Tagen über 1.000 Frauen, Kinder und alte Menschen evakuierte, mit so einem Ausbruch der Gewalt hatte hier niemand gerechnet.
Noch am Donnerstagabend hatte Georgiens Präsident Michail Saakaschwili einen einseitigen Waffenstillstand verkündet. „Schweren Herzens“, wie er betonte, habe er seinen Soldaten befohlen, nicht zurück zu schießen, selbst wenn sie angegriffen würden.
Groß angelegte Militäroffensive
Die Waffenruhe – eine Finte, eine „hinterhältige“, wie Eduard Kokoity, der Präsident der abtrünnigen Teilrepublik Südossetien befand. Denn nur wenige Stunden nach der Fernsehansprache Saakaschwilis ging das georgische Militär zu einer Großoffensive gegen das von Russland unterstützte Südossetien über.
Angeblich gingen der Offensive Luftangriffe südossetischer SU-25 auf georgische Ortschaften voraus. Unwahrscheinlich, denn Südossetien selbst hat keine Luftwaffe. Möglich wäre allenfalls ein Schlag der russischen Luftwaffe gegen georgische Stützpunkte in der Nähe von Ortschaften – Russland hat in der Vergangenheit bereits öfter in Konflikte in der Region eingegriffen.
Doch selbst dann ist die Offensive für eine kurzfristige Reaktion auf den Beschuss zu gut organisiert. Offensichtlich war der Angriff von langer Hand geplant. Die „Wiederherstellung der konstitutionellen Ordnung“ in Südossetien wurde mit aller Härte durchgesetzt. Stundenlang wurde die Hauptstadt, Heimat von etwa 30.000 Menschen, mit Panzern und Artillerie beschossen. Der Kampf wurde um jedes Haus geführt.
„Taktik der verbrannten Erde“
Dmitri Medojew, der Vertreter Südossetiens in Moskau, berichtete am Morgen auf einer Pressekonferenz von einer „Taktik der verbrannten Erde“, die Georgien bei seinem Vormarsch einsetze. Fünf grenznahe Ortschaften seien dem Erdboden gleich gemacht worden. Häuser seien platt gewalzt worden, obwohl es möglicherweise noch Überlebende darin gegeben habe. Krankenwagen seien am Einsatz gehindert worden.
Medojew rief Russland um Hilfe an. Jede Hilfe sei willkommen, betonte er, auch militärische. Nach anfänglichem Zögern scheint Russland nun tatsächlich bereit, militärisch in den Konflikt einzugreifen. Am Nachmittag machte sich eine Panzereinheit auf den Weg nach Zchinwali, ungefähr zu dem Zeitpunkt, als Georgien dort die Waffenruhe ausrief.
Russische Panzer in Zchinwali
Offiziell dienen die Truppen zur Verstärkung des Blauhelmkontingents in der Region. Immerhin wurden auch russische Blauhelmsoldaten durch den Angriff in Mitleidenschaft gezogen. Durch Artillerietreffer in der Kaserne soll es Tote und Verletzte gegeben haben. Das russische Militär spricht von einem gezielten Beschuss der Blauhelmtruppe.
Allerdings hatten sowohl Wladimir Putin als auch Dmitri Medwedew bereits angekündigt, die russische Bevölkerung in Südossetien zu schützen. Unter diese Definition fällt praktisch die gesamte Bevölkerung der Krisenregion, denn alle Bürger in Südossetien besitzen einen russischen Pass.
Russland und Georgien vor Kriegsbeginn
Droht der Krieg zwischen Südossetien und Georgien sich zu einem russisch-georgischen Krieg auszuweiten? Nach Aussage von Georgiens Präsident Saakaschwili, ja. Er erklärte: „Russland ist auf unser Territorium eingedrungen und beide Länder sind kurz vor einem Krieg“ Georgien hat bereits am Morgen über 100.000 Reservisten einberufen. Es gehe um die Freiheit des Landes, hatte ihnen Saakaschwili gesagt.
Diese Freiheit beanspruchen auch Abchasen und Südosseten für sich. Derzeit ist noch nicht abzusehen, wie diese Krise auf friedliche Weise gelöst werden kann. Ein Krieg zwischen Russland und Georgien aber wäre das schlimmste, was der Region passieren könnte. Die Toten von Zchinwali wären dann nur das grausige Vorspiel eines weitaus größeren Blutbades. Denn die Zivilbevölkerung wird die größten Opfer tragen.
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Sicherheitsabstand sieht anders aus. Aber wenn an der Peter-Pauls-Festung in St. Petersburg der Rundflug-Helikopter startet und landet, sind Zuschauer immer ganz nah dabei. Sobald sie allerdings der Rotorwind samt Staubwolke erfasst, haben die Neugierigen wieder etwas Nützliches fürs Leben gelernt. (Topfoto: Deeg/.rufo)