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Wladimir Barsukow hielt sich bisher für unangreifbar - bis die Moskauer Justiz anrückte (Foto: fontanka.ru)
Wladimir Barsukow hielt sich bisher für unangreifbar - bis die Moskauer Justiz anrückte (Foto: fontanka.ru)
Montag, 10.09.2007

Petersburger Autorität Kumarin – in Moskau in Haft

St. Petersburg. Jahrelang galt er als der unangreifbare Pate von Petersburg. Jetzt sitzt Wladimir Barsukow in Moskau in U-Haft. Er wird beschuldigt, Firmen erpresst und einen Mord befohlen zu haben.

Am Freitag teilte die Generalstaatsanwaltschaft mit, dass sie gegen Barsukow (er führte früher den Familiennamen Kumarin) offiziell Beschuldigungen wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung, des Betrugs in großem Maßstab und der Geldwäsche erhebt.

Üblicherweise sind dies die Paragraphen, mit denen – selten genug – die russische Justiz gegen sogenannte „Raider“ vorgeht, die mit halb legalen, halb gewaltsamen Methoden die Kontrolle über Wirtschaftsunternehmen an sich reißen.

Die letzten Umtriebe der „Tambowsker Mafia“



Zwischen Juli 2005 und Juni 2006 soll Barsukows Gruppe in 13 Fällen auf diese Weise Firmen im Wert von ca. 145 Mio. Euro an sich gebracht haben. Darunter sind zwei Kaufhäuser, ein Ölterminal, ein Hotel, eine Sektkellerei, aber auch kleine Unternehmen.

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• Miliz meldet Schlag gegen georgische Mafia (17.10.2006)
• Organisiertes Verbrechen hat Russland in der Hand (16.05.2006)
• Russland : Viel Reichtum und viele arme Leute (16.03.2006)
Barsukow-Kumarin galt schon seit den 90er Jahren als Oberhaupt der sogenannten „Tambowsker Mafia-Gruppe“, die in der Petersburger Unter- und Halbwelt eine gewichtige, wenn nicht die führende Rolle spielte. Bei einem Attentat verlor er damals einen Arm.


Wer die damaligen Bandenkriege überlebte und dabei auch noch wohlhabend wurde, wechselte mit der Zeit formell ins legale Business. So auch Barsukow – der bald darauf jeden (meist mit Erfolg) wegen Verleumdung verklagte, der es wagte, ihn als Chef einer Mafia-Bande zu bezeichnen.

In Petersburg war deshalb für Leute seines Schlages die Formulierung von „autoritären Geschäftsmann“ üblich. Womit er allerdings konkret und offiziell sein Geld verdiente, hängte der öffentlichkeitsscheue Barsukow nie an die große Glocke. Eher trat er da schon mal als Mäzen für die Orthodoxe Kirche oder Wohltätigkeitsaktionen auf.

Tschaika vs. den Paten von Petersburg



Erst Generalstaatsanwalt Juri Tschaika wagte es, Kumarin nach dessen Verhaftung offen als „Bandit, vor dem alle gekuscht haben“ zu bezeichnen.

Allerdings hat sich der oberste Ankläger Russlands mit seinen gleichzeitig geäußerten, dick aufgetragenen, aber inzwischen auf schwachen Beinen stehenden Erfolgsmeldungen im Mordfall Politkowskaja den Ruf eingetragen, komplizierte Fälle vorschnell als gelöst zu verkaufen.

Mit Maschinengewehren einen Rolls-Royce perforiert



Der Rolls-Royce von Ölunternnehmer Wassiljew war neu und gepanzert - das rettete ihm das Leben (foto: fontanka.ru)
Der Rolls-Royce von Ölunternnehmer Wassiljew war neu und gepanzert - das rettete ihm das Leben (foto: fontanka.ru)
Verhaftet wurde Barsukow am 22. August allerdings zunächst wegen eines anderen Verbrechens – das eindeutig die Züge einer klassischen Mafia-Episode trägt: Im Mai 2006 wurde mitten in der Petersburger Innenstadt der gepanzerte Rolls-Royce Phantom des Unternehmers Sergej Wassiljew von zwei Killern unter Feuer genommen. Wassiljew, faktisch Inhaber eines Ölterminals im Petersburger Hafen und ebenfalls mit zweifelhafter Vergangenheit gesegnet, überlebte schwer verletzt. Ein Leibwächter starb im Kugelhagel.

Angeblich hat die Generalstaatsanwaltschaft Beweise oder Belastungszeugen, die Barsukow als Hintermann dieses Mordes überführen können. Das Opfer hatte jedenfalls hinterher ihn beschuldigt, wegen eines Konflikts um dessen Business den Anschlag initiiert zu haben.

Verhaftung aufwändiger als im Kino inszeniert



Wie in einem Action-Film gestaltete sich dann auch die Verhaftung Barsukows in dessen Villa außerhalb von St. Petersburg: Weil die Moskauer Ermittler fürchteten, ihre Petersburger Kollegen seien durch Informanten der Autorität unterwandert, setzten sie bei Nacht und Nebel mit zwei Flugzeugen ein insgesamt 300 Mann starkes Greifkommando in Marsch.

Aufgrund des Aufwandes und der Geheimnistuerei hielten viele in der fraglichen Nacht die Kolonnen von Armeelastwagen für einen ausgewachsenen Anti-Terror-Einsatz. Verhaftet wurden dabei mit Barsukow insgesamt 76 Personen, gegen 33 erging dann Haftbefehl. 30 Firmen und Wohnungen wurden durchsucht, Barsukow schließlich ins Moskauer Untersuchungsgefängnis Lefortowo überführt.

Anwalt: Beweislage ist wie ein Kartenhaus



Barsukows Anwalt hält die Beweislage aber in beiden Fällen für sehr dünn: „Die Beschuldigung in Sachen Wassiljew ist wie ein Kartenhaus aufgebaut“, sagt Anwalt Sergej Afanassjew.

Die Vorwürfe wegen Unternehmens-Piraterie seien noch schwächer konstruiert: „Man nahm Vorwürfe, die man bisher zwei gegen zwei Personen erhoben hat, erklärte Barsukow zum Anführer und fertig“. Von einer Beweislage könne nicht einmal die Rede sein, so der Jurist. Barsukows verhaftete Mitstreiter würden gegenüber den Ermittlern zu den Vorwürfen schweigen, schreibt die Petersburger Internetzeitung fontanka.ru.

Anwalt Afanassjew hofft nun auf eine gewissenhafte Prüfung vor Gericht – „sofern es nicht das Basmanny-Gericht ist“. Vor diesem wegen der Staatsgewalt gefälligen Entscheidungen berüchtigten Moskauer Gericht war auch der Ex-Ölmagnat Michail Chodorkowski abgeurteilt worden.

(ld/rufo/St.Petersburg)


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