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Putin schämt sich für Antisemitismus, Nationalismus und Fremdenhass. Foto: rufo
Putin schämt sich für Antisemitismus, Nationalismus und Fremdenhass. Foto: rufo
Freitag, 28.01.2005

Putin schämt sich für seine Mitbürger

Moskau. Er schäme sich für Fälle von Antisemitismus, Nationalismus und Fremdenhaß in Russland, die viel zu häufig vorkämen, erklärte der russische Präsident Wladimir Putinbei der Auschwitz-Gedenkfeier in Polen und erntete damit stürmischen Beifall. Heute verrieten russische Medien, dass diese Passage in der schriftlichen Version seiner Rede nicht enthalten war.

Ursprünglich wollte er nur den Nationalsozialismus mit dem internationalen Terrorismus vergleichen. Putin hatte sich wegen schlechten Wetters verspätet, so dass der neue ukrainische Präsident Viktor Juschtschenko im Namen der früheren Sowjetunion das Wort ergreifen musste. Der Inhalt seiner Rede sei dem russischen Präsidenten mitgeteilt worden, schrieb die „Nesawissimaja Gaseta“ in ihrer heutigen Ausgabe. Das meiste von dem, was er sagen wollte, kam bei Juschtschenko vor. So entschloss er sich, nicht den vorgeschriebenen Text vorzutragen, sondern frei zu sprechen, was immer seine starke Seite war.

Seine Äußerung bezog sich offenbar vor allem auf den Brief einer Gruppe von nationalistischen Duma-Abgeordneten an den Generalstaatsanwalt Wladimir Ustinow. Darin forderten sie – ohne die geringste Erfolgsaussicht - das Verbot aller jüdischen Organisationen in Russland. Putins Äußerung war ein mutiger Schritt, weil es sich fast ausnahmslos um Abgeordnete der Fraktion Rodina (Heimat) handelte, die als eine Gründung des Kremls gilt. Das dürfte auch erklären, warum der Passus im offiziellen Text fehlte.

Worte und Taten klaffen weit auseinander


Bei Russland-Aktuell
• Böse Überraschung zum Auschwitz-Gedenktag (28.01.05)
• Putin bei Auschwitz-Gedenkfeier dabei (27.01.05)
• Duma-Abgeordnete hetzen gegen Juden (25.01.05)
Umso befremdlicher wirkte sein Interview mit der israelischen „Jerusalem Post“, in dem Putin die von Israel verurteilte Raketenlieferung an Syrien nicht ausschloss. Anders als in der Sowjetzeit leben heute viele Juden aus der früheren UdSSR in Israel, darunter Veteranen, die mit Waffen in der Hand gegen die Nazis gekämpft hatten. Wer kann da garantieren, dass eventuell in Syrien abgefeuerte russische Raketen sie nicht treffen werden?

Worte und Taten klaffen beim russischen Präsidenten in letzter Zeit oft auseinander. Von Putins Antisemitismus kann aber natürlich keine Rede sein, hat er ja zahlreiche Juden in seiner nahen Umgebung. Doch sollte man an einen Freudschen Verspecher in seinem jüngsten Jahresendinterview denken, als er statt vor Antisimetismus vor dem Zionismus warnte. In der Sowjetzeit war „Zionist“ ein Schimpfwort gewesen.

„Mit Juden tu ich mir irgendwie schwer“, gesteht der sympathische Hauptheld Danila Bagrow im Kultfilm „Brat“ (Der Bruder) und meint es nicht böse. Keineswegs alle Russen sind antisemitisch eingestellt. Sie sind nur eben nicht unbedingt judenfreundlich. Für Politiker und Intellektuelle ist dies allerdings wirklich eine Schande. (adu/.ru)


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... und in der Ferne glänzen die goldenen Kreml-Kuppeln vor dem Winterpanorama der Stadt Moskau. Das historische Moskau, das "Goldköpfige" genannt, hatte 40x40 goldene Kirchenkuppeln. ( Topfoto: mig/.rufo)




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