Kadyrows Mutter: Kein Prozess gegen Menschenrechtler!
Grosny. Der tschetschenische Präsident Ramsan Kadyrow muss sich Kritik von seiner Mutter anhören. Sie will, dass er die Verleumdungsklage gegen Bürgerrechtler zurückzieht, weil er damit den Ehrenkodex des Landes verletzt.
Aimani Kadyrowa beruft sich in ihrer Forderung auf die tschetschenischen Bräuche: „Die erlauben es nicht, sich mit alten Menschen zu streiten; den Jahrhunderte alten Traditionen lag stets die Ehrerbietung gegenüber Älteren zugrunde“, wird sie von Interfax zitiert.
„Tschetschenen geben immer den Älteren nach, auch wenn sie nicht mit ihnen einverstanden sind“, fährt sie fort. „Deshalb bitte ich darum, die Klagen gegen Orlow und Alexejewa zurückzuziehen.“
Kadyrow hatte gegen die beiden Memorial-Mitglieder Oleg Orlow und Ljudmila Alexejewa Klage wegen Verleumdung eingereicht. Orlow hatte den tschetschenischen Präsidenten beschuldigt, für den Mord an der Bürgerrechtlerin Natalja Estemirowa am 15. Juli 2009 verantwortlich zu sein.
Alexejewa soll am 23. Mail 2008 auf einer Pressekonferenz gesagt haben, die „Banden Kadyrows fahren durch Tschetschenien und morden, verschleppen Menschen und machen, was sie wollen“.
Kadyrows Mutter schließen sich mehrere bekannte Journalisten an. Der Präsident Tschetscheniens habe natürlich das Recht, seinen Ruf vor Gericht zu verteidigen, solle aber „den guten Willen“ Oberhand gewinnen lassen, argumentieren sie nach Angaben von Kadyrows Pressesprecher Alwi Karimow.
Laut Karimow hat Ramsan Kadyrow den Bitten jetzt entsprochen und die Klagen gegen Orlow und Alexejewa zurückgezogen.
Über die Perspektiven deutsch-russischer Zusammenarbeit diskutierten am 11.3. in Moskau Ex-Kanzler Gerhard Schröder und der Vizevorsitzende der Deutsch-Russischen Aussenhandelskammer, Alexej Mordaschow und einige hundert Unternehmer, moderiert vom Vorsitzenden des deutsch-russischen Forums, Ernst-Jörg von Studnitz. (Topfoto: Mrozek/.rufo)