 |
|
| Ein paar Fans schnappten sich Ivica Krizanac zum Fotografieren. Foto: Wladimir Prudowski | |
Montag, 28.04.2008
Auswärtsfahrt oder: Wie Zenit München eroberte
St. Petersburg. Zenit steht zum ersten Mal im UEFA-Cup-Halbfinale und spielt gegen die weltberühmten Bayern… Da mussten wir einfach hin, ohne lange Diskussionen. Was dabei herauskam, gibt es hier zu lesen.
|
|
Alles begann mit der intensiven Suche im Internet nach einem Billigflug. Wir entschieden uns für die Variante Tallinn-Berlin – mit dem eigenen Auto in die estnische Hauptstadt, von Berlin weiter mit einem Leihwagen. Übernachtung bei Freunden in Nürnberg, von da nur noch ein Katzensprung bis in die Münchner Allianz-Arena.
|
Zenit ist ansteckend
|
Wir – das sind drei Zenit-Fans mit Dauerkarten im Block 11 des Petrowski-Stadions. Die erwähnten Freunde in Nürnberg hatten wir auch über Zenit kennen gelernt, als sie im letzten Herbst mit dem 1. FC Nürnberg bei uns zu Gast waren.
|
Wir staunten nicht schlecht, als wir sie nun wieder sahen: Sie hatten sich zu echten Kennern und Freunden von Zenit gemausert und fieberten mit, als hätten sie die Liebe zum Petersburger Verein mit der Muttermilch aufgesogen. Sogar ein paar unserer „Kampfgesänge“ hatten sie auswendig gelernt, die sie nun im Gästeblock mit uns „Petersburger Nasen“ zum Besten gaben.
|
München zittert vor nebulösen Petersburger Hooligans
|
Vor dem Spiel hatte die deutsche Presse sich auf Angstmacherei eingeschossen. „“Die Prügelknaben aus St. Petersburg“ war hier und da zu lesen; Spiegel-TV brachte einen Drei-Minuten-Clip über Auseinandersetzungen zwischen gewaltbereiten russischen Fußballfans. 3.000 Anhänger aus Petersburg wurden erwartet – die Bayern kriegten weiche Knie.
|
Wie zu erwarten war, lief alles glatt und friedlich ab; vielleicht sehr zum Leidwesen der deutschen Sensationsmacherpresse, aber uns zur reinen Freude. Wir zogen kreuz und quer durch München, saßen im Hofbräuhaus, kauften ordentlich im Fanshop der Bayern ein und fotografierten alles historisch-architektonisch Interessante, was uns vor die Linse kam. Die wenigen Bayern-Fans, die uns tagsüber begegneten, beäugten uns mit Neugier und zogen weiter ihrer Wege.
|
Respekt vor einem Weltklassestadion
|
Als wir schließlich eine Stunde vor Anpfiff im Stadion waren, blieb uns erst einmal die Spucke weg: Die Allianz-Arena schien eine mächtige und uneinnehmbare Festung zu sein. Unser kleines, gemütliches Petrowski war plötzlich der Trabi, der neben einem Porsche steht.
|
Auch Zenit ließ sich offensichtlich beeindrucken von der Riesenarena, denn die ersten 20 bis 25 Minuten konnte man die zitternden Knie der Spieler fast noch von der oben auf dem dritten Rang unterm Dach untergebrachten Gästetribüne aus sehen.
|
Auch die Bayern sind bloß Menschen
|
Doch – oh Wunder! – bald merkten sowohl Akteure wie Zuschauer: Auch die Bayern haben ihre Schwächen. Zenit gewann an Fahrt und sah spätestens in der zweiten Halbzeit nicht schlechter aus als die Gastgeber, streckenweise sogar eine Klasse besser.
|
Als das Spiel vorbei war, waren wir richtig glücklich, denn unsere braven Kicker hatten dem „schrecklichen FCB“ ein Unentschieden abgerungen und gehen nun mit einem leichten Vorteil in das Rückspiel am 1. Mai.
|
Wir machten uns auf den Weg zurück nach Nürnberg, wo wir natürlich die halbe Nacht noch zusammen saßen. Am Morgen ging es wieder auf die Autobahn, dieses Mal Richtung Berlin. Vor dem Rückflug schafften wir es noch, für eine halbe Stunde am Reichstag vorbeizugucken. Das Brandenburger Tor musste ich meinen Weggefährten vehement ausreden, sonst hätten wir den Flieger verpasst.
|
Schlaflos im Galopp durch Europa
|
In die drei Tage passte im Endeffekt ein ganzer Sack Ereignisse: Drei Städte besucht (nur von Nürnberg sahen wir nichts weiter als die Wohnung unserer Freunde), Weißwurst gegessen und Weizenbier getrunken, gegen eine der besten Mannschaften der Welt bestanden, Freundschaften gepflegt, ordentlich Werbung für Zenit gemacht…
|
Nur eins kam zu kurz – der Schlaf. Aber auch das machte uns nicht allzu viel aus, waren wir doch Zeugen und Teilnehmer an einem Spektakel, das so schnell nicht wiederkommen wird. Oder vielleicht doch? Wie wärs mit einer Fahrt zum Finale nach Manchester?
|
So unrealistisch ist die Perspektive gar nicht nach dem 1:1 auf fremdem Platz. Am Abend des 1. Mai wissen wir mehr. Wer weiß, vielleicht haue ich mir dann die Nacht um die Ohren auf der Suche nach einem günstigen Flug nach England. Zenit machts möglich!!!
|
|
|
Leser-Kommentare zu diesem Artikel (und Kommentare zu Kommentaren): ↓
Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar, nachdem Sie sich hier unten für Kommentare neu registriert haben. Sie können hier oder im Forum (www.forum.aktuell.ru) mitdiskutieren.
Bisher gibt es zu diesem Artikel noch keine Leserkommentare
Überblick aller Leserkommentare zu allen Artikeln >>>