Wodka: Nicht gesund für den Einzelnen, aber vielleicht gesund im Ganzen? So zumindest Finanzminister Alexej Kudrin (Foto: Djatschkow/.rufo)
Mittwoch, 01.09.2010
Rauchen und Trinken für ein gesundes Sozialsystem
Moskau. Finanzminister Alexej Kudrin kommentiert die Erhöhung der Alkohol- und Tabaksteuern auf originelle Weise: Wer trinkt und raucht, bringt dem Fiskus mehr Geld und unterstützt damit staatliche Sozialprogramme.
Die Steuererhöhung soll nicht nur die Staatskassen weiter füllen, sondern den Konsumenten von Alkohol und Tabak „die große Rolle ihres Beitrags bei der Lösung sozialer Aufgaben spüren lassen“, so Alexej Kudrin.
„Damit die Leute fühlen: Wer Wodka trinkt und wer raucht, der hilft dem Staat. Wer eine Schachtel Zigaretten aufgeraucht hat, hat mehr dazu beigetragen, (…) die demographische Entwicklung (…) oder das Ansteigen der Geburtenrate zu unterstützen.“
Medwedew wird sauer sein
Kudrin wird das sicher ironisch gemeint haben, sich aber den Zorn von Präsident Dmitri Medwedew, dem obersten Antialkohol-Kämpfer des Landes, eingefangen haben. Der tut alles, um die Russen von der Flasche wegzukriegen, und dann solche Worte aus dem Munde des Finanzministers…
Derweil ist ein Gesetz in Arbeit, das den Alkoholverkauf rund um die Uhr im ganzen Land verbieten will. Bisher war es Hoheit der Regionen, z. B. den Nachtverkauf einzuschränken oder zu verbieten. Das Gesetz könnte bereits am 1. Januar 2011 in Kraft treten.
Landesweites Nachtkaufverbot kommt
In Moskau wird seit Neuestem zwischen 22 Uhr und 8 Uhr nichts Hochprozentiges mehr verkauft; in Petersburg geht seit mehreren Jahren zwischen 23 Uhr und 7 Uhr kein Schnaps mehr über die Ladentische (jedenfalls offiziell).
Wenn das Gesetz durch ist, wird es landesweit zwischen Mitternacht und acht Uhr in der Früh nicht möglich sein, in Geschäften mehr als fünf Prozent starke alkoholische Getränke zu erstehen. Helles Bier wird also weiterhin verkauft werden dürfen.
Zurück zu Gorbis Zeiten
Die Internationale Gesundheitsorganisation tritt allerdings für ein noch längeres Nachtverkaufsverbot ein. Nur wenn zwischen 22 Uhr und 10 Uhr kein „Sprit“ zu kaufen ist, bringe die Beschränkung überhaupt erst den gewünschten Effekt.
Die Moskauer Gesundheitsamtschefin Ludmila Stebenkowa plädiert sogar für ein Verbot zwischen 19 Uhr und 11 Uhr und das an allen Tagen, also auch am Wochenende. Das wäre eine Rückkehr zur 1985 von Michail Gorbatschow verordneten Abstinenz.
Damals verkauften die Läden nur zwischen 11 und 19 Uhr Alkohol. Der Unterschied: Damals gab es auch noch eine Mengenbegrenzung. Jeder bekam maximal zwei Flaschen Wodka oder drei Flaschen Wein ausgehändigt.
Vor den Läden bildeten sich oft extrem lange Schlangen, auch weil manche sich sofort wieder hinten anstellten, wenn sie ihre „Portion“ ergattert hatten. Ob das die angestrebte Arbeitsproduktivitäts-steigerung erbracht hat, ist wohl eine rein rethorische Frage.
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Jetzt ist richtig Winter in Russland - es gibt genug Schnee und Frost, ganz so, wie man es gewohnt ist. Als diese Langläuferinnen bei Selenogorsk an der Ostseeküste den Hügel herunterrutschten, hatte es allerdings noch nicht plusminus 20 Grad unter Null wie in den letzten Tagen. ( Topfoto: Deeg/.rufo)