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Protestdemonstration in der Provinzstadt Pikaljowo: "Warum entlasst ihr meine Mutter?" (Foto: gazeta.spb.ru)
Protestdemonstration in der Provinzstadt Pikaljowo: "Warum entlasst ihr meine Mutter?" (Foto: gazeta.spb.ru)
Donnerstag, 04.06.2009

Strassenblockade wirkt: Putin verspricht Hilfe f. Provinz

Pikaljowo. Parallel zum Internationalen Wirtschaftsforum zeigt erstmals ein sozialer Protest in einer Provinzstadt deutlich Wirkung. Premier Putin, Vize Setschin und Oligarch Deripaska versprechen den Protestierenden Soforthilfe.

Vorgestern hatten einige hundert Bewohner der Provinzstadt Pikaljowo die Fernstrasse von St.Petersburg nach Osten blockiert, um auf ihre verzweifelte Situation aufmerksam zu machen.

Das weit abgelegene Provinzstädtchen in einer endlosen Wald- und Sumpfgegend etwa 250 km von St.Petersburg lebt mit seinen etwa 22.000 Bewohnern vollständig von der Tonerdeproduktion für die Fabriken des Oligarchen und russischen Aluminiumkönigs Oleg Deripaska. Drei der Fabrikanlagen in Pikaljowo wurden von Deripaska übernommen und stillgelegt.

Bei Russland-Aktuell
• Verzweiflungsaktion: Strassenblockade vor Wirtschaftsforum (02.06.2009)
• Gewerkschaften bereiten Streik in Nordmeerflotte vor (07.04.2009)
• Hohe Ratings für Putin und Medwedew schmelzen (17.02.2009)
• Hungerstreik von Stewardessen spitzt sich zu (20.05.2009)
• Krisen-Frühling: Am 1. Mai wird fleißig demonstriert (30.04.2009)
Etwa 1.000 Arbeiter verloren ihre Arbeitsplätze. Bei Kundgebungen und Strassenblockaden forderten die Protestieren, die Betriebe müssten wieder verstaatlicht werden.

Die Strassenblockaden am Montag alarmierten Medien, Behörden und Politik. Schon am Mittwochnachmittag traf Wladimir Putin (vom Arbeitsbesuch in Finnland kommend) in Begleitung seines Vizepremier Igor Setschin und des Multimilliardärs Oleg Deripaska in dem Ort ein.

"Was habt ihr für eine Müllhalde aus der Fabrik gemacht?"


Bei der Betriebsbesichtigung schimpfte Putin: "Was habt ihr nur für eine Müllhalde aus der Fabrik gemacht?". Nach dem Rundgang setzte sich nach Auskunft des Regierungssprechers Dmitri Pesskow Putin mit Vertretern der Belegschaft und Gewerkschaften, der Betriebsleitung und einigen Spitzenbeamten zusammen.

Ganz nach altbekannter Sowjetmanier ordnete Putin auf der Krisensitzung an, die ausstehenden Löhne bis heute 24 Uhr aus der Welt zu schaffen: "Alle Lohnschulden in Höhe von 41.240.000 Rubeln müssen beglichen werden. Die Frist - heute!"
Auf der offiziellen Seite des Tisches sass eine eindrucksvolle Liste politischer Grössen: Premier Putin, Vizepremier Igor Setschin, der Minister für Regionale Entwicklung Viktor Bassargin, der Chef der russischen Eisenbahnen Wladimir Jakunin, der Generalgouverneur für den Nordwesten Ilja Klebanow, der Gouverneur des Gebietes Leningrad Waleri Serdjukow und der Direktor der russischen Anti-Monopolbehörde FAS.

Vertreter der Gewerkschaften und der Dumaabgeordnete der Kreml-Partei "Einiges Russland" Andrej Issajew hatten nach den Protesten bereits gefordert, die stillgelegten Fabrikanlagen von Pikaljowo zu Kosten von etwa 1,3 Milliarden Rubel wieder zu verstaatlichen, wenn es Oligarch Deripaska nicht gelänge, die Produktion wieder anzuschieben.



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Hauptsache, man lässt sich die Laune nicht verderben.Dann lässt es sich auch im hintersten russischen Dorf noch recht gut leben.( Topfoto: Mrozek/.rufo)


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