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Donnerstag, 28.06.2012

Patriarch Kyrill: ohne Kirche geht Russland zugrunde

Moskau. Bei einem Gottesdienst im Moskauer Kreml hat Patriarch Kyrill die russisch-orthodoxe Kirche als „Grundfeste Russlands“ bezeichnet. Es sei ihre Aufgabe, sich aktiv in die öffentlichen Angelegenheiten einzumischen.

„Die Kirche wird von den meisten Menschen als etwas empfunden, das das Volk zusammenhält“, sagte Kyrill I. in der Mariä-Entschlafens-Kathedrale anlässlich eines hohen orthodoxen Feiertages. Würde dieses „Etwas“ zerstört werden, so würde „mit Sicherheit auch das Vaterland zugrunde gehen“.

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Kritiker der Kirche hatte Kyrill unlängst in einer Fernsehsendung als „geistig krank“ bezeichnet, die „der Heilung bedürfen“. Sie sollten „die Kirche nicht von oben oder von der Seite betrachten“, sondern zum Glauben finden und am Leben der Kirche teilnehmen.

Im Mai hatte er bei einer Kirchenveranstaltung ausdrücklich die „aktive Position der Kirche in der Öffentlichkeit“ betont. Geistliche sollten „sich aktiver in weltliche Angelegenheiten einmischen“, entgegen der Forderung vieler Liberaler, die auf die strikte Trennung von Staat und Kirche bestehen.

Die russisch-orthodoxe Kirche ist in letzter Zeit mehrmals in die Kritik geraten, unter anderem auch durch Meldungen über den persönlichen Reichtum des Patriarchen selbst.



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Uwe Niemeier 29.06.2012 - 11:55

Staat und Macht und Kirche

... wenn ich im Geschichtsunterricht richtig aufgepaßt habe gab es ab Beginn der Zeitrechnung \"Im Jahre des Herrn ...\" keine Machthaber mehr (große Fürsten, kleine Fürsten, grosse Kaiser, kleine Kaiser ...) die sich nicht die Kirche zu Diensten gemacht haben - mit den unterschiedlichsten Methoden. Und die Kirche hatte auch kein grosses Problem damit. Für mich ist letztendlich wichtig das Wort \"Moral\" und das das Wirken solcher mächtigen Organisationen doch in irgendeiner Weise dem Menschen zugute kommt. Eine absolute Gerechtigkeit für alle auf diesem Erdball gibt es nicht - eben weil wir Menschen sind.
Uwe Niemeier


Stoll 29.06.2012 - 10:15

Will die Kirche Kirche sein oder politischer Machtfaktor ?

@29.06.2012 8:02 Uwe Niemeier,Sie schreiben, dass die Kirche in kommunistischen Staaten keine hohe moralische Instanz ist. Das ist richtig so. Doch in Diktaturen wie in Putinland ist die Kirche, die in den letzten Jahren mit Privilegien, öffentlichen Ansehen, Kirchenrestaurierungen und Neubauten überhäuft wurde als ob Russland keine anderen Sorgen hat, nur sehr bedingt eine moralische Instanz. Wenn sich ehemalige Kommunistenführer, Richter, Staatsanwälte, Geheimdienstler.... die die Kirche zu Sowjetzeiten erbarmungslos unterdrückt und verfolgt haben, nun fast Gottesfürchtiger gebärden als die kirchlichen Würdenträger selbst, ist das schon sehr merkwürdig. Gibt sich die ehemals verfolgte und unterdrückte Kirche aber nun als Handlanger des Staates zur Unterdrückung Andersdenkender her, dann verliert sie einen Großteil ihrer Glaubwürdigkeit. Da ist man dann nicht sehr weit von einem orthodoxen Gottesstaat entfernt, unter dessen Mantel Putin schalten und walten kann wie er will. Zustimmung von der Kanzel wäre ihm gewiss und die Gläubigen wären leichter lenkbar. Organisierte kirchliche Proteste gegen Putins Gegner wären ein Gotteswerk. Vor diesem gewaltigen Zwiespalt steht die Kirche heute in Russland. Macht,Privilegien und gesellschaftliches Ansehen, ein gutes Leben bei und mit den Mächtigen unter Putins Knute, oder eine offene Konfrontation wegen fehlender demokratischer Spielregeln und noch immer großer gesellschaftlicher Probleme in ganz Russland.


Uwe Niemeier 29.06.2012 - 08:02

Kirche und Moral

Die Kirche ist, meiner jetzigen Meinung nach, in jedem Staat eine hohe moralische Instanz (außer in kommunistischen Staaten). Sie hat großen Einfluß auf die Menschen und kann (und tut dies auch) diese in ihren Handlungen beeinflussen. Da aber die Kirche aus Menschen besteht ist das alles sehr subjektiv und bringt nicht das Resultat von dem alle träumen: den idealen Menschen der seinen Nachbarn liebt. Trotzdem ist die Kirche ein unverzichtbarer Teil der Gesellschaft in jedem Staat - egal in welcher Religionsrichtung. Ist diese moralische Instanz nicht mehr vorhanden, wird auch der Staat und die Gesellschaft dieses Staates ein paar Probleme mehr haben.
Uwe Niemeier


Stoll 29.06.2012 - 07:58

Ohne Kirche geht Russland zugrunde. Stimmt.
Ohne Putin geht Russland zugrunde.
Stimmt nicht.
Ohne Demokratie geht Russland zugrunde. Stimmt.


Paulsen-Consult 28.06.2012 - 23:22

Irgendwo hat er recht

Auch wenn ich der Meinung bin, dass Patriarchen keine Oligarchen sein sollten, sagt Kyrill etwas wichtiges:
Der religiöse Kern der Gesellschaft ist die einzige noch vorhandene Moral. Das gilt übrigens genauso für die westlichen Gesellschaften, auch wenn sie es nicht zugeben wollen. Die Aufklärung, die mir persönlich lieber ist, als die Religion, produziert leider nur einen Ethos und keine Moral. Der Ethos ist fast wertfrei und gestattet fast alles. Er ist die ideale mentale Ehepartner für den Kapitalismus und die Technikgläubigkeit. Alles was geht, wird auch gemacht, Skrupel kommen in unseren Gesellschaften letztlich immer aus der religiösen Ecke. Nicht umsonst mischen auch im Westen die Kirchen bei fast allen moralischen Fragen kräftig mit und bilden neurdings Bündnisse mit zivilgesellschaftlichen Organisationen und Bürgerbewegungen.
Unsere gemeinsame Moral ist nunmal christlich, Kyrill ist Christ und sagt nichts anderes als der Pabst und die evangelische Kirche. Ohne Religion geht es nicht.
Der große Vorteil der christlichen Religion liegt dabei in der Möglichkeit des Verzichtes. Ohne Verzicht gibt es keine Moral, keinen Widerstand gegen ein System und keine Freiheit.
Herbert Marcuse, der sich bei meinen Zeilen im Grab umdrehen würde, weil er eine ganz andere Einstellung zur Religion hatte, prägte den Begriff der repressiven Entsublimierung. Die Leute haben danach keine andere Wahl mehr, als von Bedürfnis zu Bedürfnis zu jagen, weil sie ihre Freiheit an den Kapitalismus verloren haben. Die Alternativlosigkeit dieses Systems zwingt den Einzelnen sich in einer unendlichen Bedürfnisproduktion zu erschöpfen. Er wird zum Ja-Sager des Konsumprinzips, weil Nein sagen gesellschaftlich als Dummheit geächtet und in Folge dessen mit Repression belegt wird. Repressive Entsublimierung eben.
Russland hat eine große Tradition im Verzicht und bringt immer noch die typischen Eremiten hervor, die nur ihrer religiösen Überzeugung folgen. Das heutige Russland kann diese Leute als Vorbilder gut gebrauchen. Aber auch im Westen ist die Islamisierung eine angemessene Reaktion vieler Einwanderer auf die repressive Entsublimierung.
Wie gesagt: Mit diesen Thesen kann ich Marcuse nicht auf dem Friedhof besuchen, weil er mich dann als Untoter verfolgen würde. Trotzdem bleibe ich dabei: Kyrill und Marcuse meinen eigentlich das gleiche. Soll er seine teure Uhr weiter tragen, Wasser predigen und Wein trinken, inhaltlich hat er trotzdem recht.


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