Sotschi-2014: Ski-Weltcup als erste Bewährungsprobe
Gemeinsam frieren: Dauer-Eiszeit in Russland und Europa
Russland-Aktuell zur Startseite machen


Russland und die IAEO wollen auch nach der Inbetriebnahme des AKW Busher die Kontrolle über den atomaren Brennstoffkreislauf im Iran behalten (Foto: TV/Archiv)
Russland und die IAEO wollen auch nach der Inbetriebnahme des AKW Busher die Kontrolle über den atomaren Brennstoffkreislauf im Iran behalten (Foto: TV/Archiv)
Montag, 23.08.2010

Iran rüstet auf, Russland stärkt potentiellen Gegner

Moskau. Nachdem am Samstag das von Russland gebaute Atomkraftwerk Busher feierlich in Betrieb genommen worden war, stellte der Iran am Sonntag ein neues ferngesteuertes Bombenflugzeug vor. Russland hat dem Iran Flugabwehrraketen geliefert.

Die Unterstützung für den Iran ist für Russland selbst riskant, auch wenn immer wieder betont wird, dass es um rein friedliche Kooperation geht, um rein friedliche Nutzung der Atomenergie und ebenso friedliche Wirtschaftsbeziehungen.

Militärische Komponenten sind allerdings nicht zu übersehen und russische Erklärungen, mit den Flugabwehrraketen werde nur rein defensiv die Verteidigungsfähigkeit des Iran gestärkt, sind nicht ganz zutreffend, denn unter dem Schild einer effektivierten Verteidigung kann der Iran auch Offensivwaffen entwickeln und tut dies anscheinend auch.

Bei Russland-Aktuell
• Schaschlik auf dem Dach - S-400-Raketenschmiede brennt (30.06.2010)
• Russland hat Probleme mit S-300-Lieferung für den Iran (15.02.2010)
• Russland hat keine S-300 Raketen an den Iran geliefert (28.10.2009)
• Russland liefert Iran keine Flugabwehr-Raketen S-300 (22.10.2009)
• Clinton im Kreml: Frieden mit Moskau, Druck auf Teheran (13.10.2009)
Die Einschätzung, dass dies aber nur zur Verschärfung des Konflikts Iran/Israel-USA führen würde, iranische Raketen also - wenn überhaupt - gegen die westlichen Teufel gerichtet wären, stimmt auch nicht ganz, denn auch zwischen dem Iran und Russland gibt es mehr als genug Konfliktpotential - das bei Bedarf auch angefacht werden kann.

Historisch gab es mehr Krieg als Frieden zwischen Russland und dem Iran


In den vergangenen 1.000 Jahren gab es jedenfalls wahrscheinlich mehr Krieg als Frieden zwischen dem Iran und Russland, meist um die Vorherrschaft im Kaukasus, dem Kaspi-Raum und in Mittelasien.

So sehr also Russland vielleicht auch den Iran als ein Gegengewicht zu den USA und Israel stärken möchte, fast ebenso sehr muss Russland auch befürchten, dass ein wieder erstarkender Iran auch ein potentieller Gegner ist. Ganz abgesehen davon, dass Russland durchaus auch enge Beziehungen zu den strategischen Gegnern des Iran im Nahen Osten unterhält - inklusive Israel, wo ein gutes Viertel der Bevölkerung russisch spricht.

Russland will ebensowenig einen agressiven Iran, wie der Westen


Dementsprechend darf Russland also den Iran nicht bedenkenlos stärken und aufrüsten - und tut es auch nicht.

Auf jedem Kooperationsfeld versucht Russland Sicherungen für die eigenen Interessen einzubauen. Sicherungen, die durchaus auch den Interessen Europas, Israels und der USA entsprechen.

Auf jedem Kooperationsfeld werden Sicherungen eingebaut


Während der Inbetriebnahme des AKW Busher am vergangenen Samstag wurde eine gemeinsame Betreibergesellschaft für den Reaktor gegründet, durch die russischer Einfluss abgesichert wird. Vor allem aber soll der von Russland gelieferte Kernbrennstoff nach der Nutzung in Busher wieder an Russland zur Wiederaufbereitung zurückgegeben werden.

Bei Russland-Aktuell
• AKW im Iran: Clinton bekommt eine Ohrfeige von Putin (19.03.2010)
• Atomprogramm 2: Putin will soviele AKWs bauen wie UdSSR (19.03.2010)
• Russland will ein Viertel des Weltmarktes f Atomenergie (23.07.2009)
• RosAtom: Atomkraftwerk im Iran geht 2010 in Betrieb (05.02.2009)
• Russische Raketen schützen Irans Atomprogramm (27.12.2007)
Während des gesamten Brennstoffkreislaufes soll es eine dichte Kontrolle der Internationalen Atomaufsicht IAEO geben. So scheint gewährleistet, dass aus den russischen Brennelementen kein iranisches Bombenuran gewonnen werden kann. Allerdings stärkt das AKW Busher das Atom-Know-how des Iran - das von Teheran schliesslich auch für nicht-friedliche Zwecke genutzt werden kann.

Die militärische Komponente in der Kooperation ist ebenso widersprüchlich - und unübersehbar. Russland hat dem Iran bereits vor Jahren (trotz heftiger Proteste aus Israel und den USA) Tor-Flugabwehrraketen für den Kurzstreckenbereich geliefert.

Zur gleichen Zeit war ein Vertrag über die Lieferung von S-300 Flugabwehrsystemen unterzeichnet worden, die die iranische Luftverteidigung rund um empfindliche Atomanlagen stärken würden.

Es gab Gerüchte, die S-300 hätten mit dem Geisterschiff Arctic Sea an dem internationalen Widerstand vorbei heimlich an den Iran geliefert werden sollen, diese Operation sei dann aber doch durch den israelischen Geheimdienst Mossad verhindert worden.

Bei Russland-Aktuell
• Russland liefert Brennelemente nur, wenn Iran zahlt (25.10.2007)
• USA und Russland: Schlagabtausch wegen Iran (27.09.2007)
• Russland stoppt AKW Busher und Brennelemente für Iran (17.09.2007)
• Russland fordert vom Iran Zusammenarbeit mit IAEO (12.04.2006)
• Atomprogramm: Iran und IAEO heute in Moskau (28.02.2006)
In Moskau jedenfalls wird mal bestätigt, mal dementiert, dass die S-300 geliefert worden seien. Mal wird dem Iran Vertragstreue versichert, mal den Israelis ewige Freundschaft.

Mit der Präsentation seines neuen Waffensystems "Karrar" am vergangenen Sonntag - am Tag nach der Inbetriebnahme des AKW-Busher - scheint der iranische Präsident Ahmadinadschad Moskau wieder einmal in die Klemme gebracht zu haben, jedenfalls nach dem hiesigen Medienecho zu urteilen.

Die ferngesteuerten Bombenflugzeuge "Karrar" sollten "Boten des Todes für die Feinde der Menschheit" sein, tönte Ahmedinedschad bei der Präsentation - versicherte dabei aber, sie dienten nur der Abschreckung und Verteidigung.

Tatsächlich verfügt der Iran bereits über einige selbst entwickelte Drohnen-Typen (Ababil, Mohajer, Sahad und Faraz) und über Mittelstreckenraketen - und hat sie bisher, trotz allen Säbelrasselns, nicht eingesetzt.

Das ist natürlich keine Garantie für die Zukunft, aber wahrscheinlich ist die Einschätzung zutreffend, dass der Iran nach jahrzehntelangen Wirren keinen Krieg, sondern eine langwährende Friedensperiode will, in der er zu alter Stärke aufblühen könnte.

Russland unterstützt damit, dass er den Iran in Kooperations-strukturen einbindet, jedenfalls diese Entwicklungs-möglichkeit - aber nicht ohne Risiko für sich selbst.



Artikel versenden Druckversion

Leser-Kommentare zu diesem Artikel (und Kommentare zu Kommentaren): ↓

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar, nachdem Sie sich hier unten für Kommentare neu registriert haben. Sie können hier oder im Forum (www.forum.aktuell.ru) mitdiskutieren.

Paulsen-Consult 23.08.2010 - 19:43

Der nächste Krieg kommt bestimmt

Auch der Irak wurde durch amerikanisch Militärunterstützung zunehmend selbstbewusster und marschierte dann in Kuwait ein. Waffenlieferung an den Iran können den gleichen Effekt haben. Übrigens hatte auch Hitler mit Kriegsrethorik nicht gespart, bevor er dann wirklich los schlug.\\r\\nJe labiler der Iran im inneren wird, und die Regierung des Irans ist bereits angeschlagen, desto aggressiver wird er nach außen werden. \\r\\nSchlimm ist es, wenn Ahmedinedschad durch welche Gewöhnungseffekte auch immer, nicht mehr ernst genommen wird. In einer Umfrage der deutschen Zeitung Focus erhielt er zusammen mit Putin und Fidel Castro Bestnoten für geschickte Politik.


Überblick aller Leserkommentare zu allen Artikeln >>>



E-Mail (Zur Registrierung. Wird nicht veröffentlich)

Kennwort

Schnelle Neuanmeldung zum Schutz vor Spam
Klicken Sie hier, wenn Sie sich bisher noch nicht für Kommentare registriert haben.




nach oben
Alle Berichte aus dieser Rubrik
Alle Artikel vom Montag, 23.08.2010
Zurück zur Hauptseite







(Topfoto: Siegmund/.rufo)


Mail an die Redaktion schreiben >>>










Die populärsten Artikel der letzten drei Tage


Mail an die Redaktion schreiben >>>


Schnell gefunden
Russland Veranstaltungen und Kultur-Events in D+A+CH

Die Top-Themen
St.Petersburg
Medwedew feuert Petersburger Polizeichef nach Skandal
Thema der Woche
Gemeinsam frieren: Dauer-Eiszeit in Russland und Europa
Kopf der Woche
Nach Überfall - Siegerin bei Präsidentenwahlen im Koma
Moskau
Präsidentenwahl: für Putin 28, für Sjuganow 22 Prozent
Kaliningrad
Moskaus Ex-Bürgermeister macht jetzt Mist in Ostpreußen
Kommentar
Russische Lehren aus dem Arabischen Frühling
Der Russland-Aktuell
Nachrichten-Monitor
Sonntag, 12. Februar
01:01 

Russland Geschichte: Ochrana, Kant, Tadschikistan

Samstag, 11. Februar
02:15 

Russland Geschichte: Iran und Russland vor einem Krieg

Freitag, 10. Februar
18:47 

Offizielle Umfragewerte: Putin im 1. Wahlgang durch

18:13 

9. Russlandlounge: Russland und der deutsche Markt

17:09 

Viel Wind um nichts: 25 Euro Strafe für Putin-Demo

16:14 

Medwedew feuert Petersburger Polizeichef nach Skandal

15:22 

Sotschi-2014: Ski-Weltcup als erste Bewährungsprobe

13:45 

Der potomkinsche Express-Bus - langsam und unbequem

12:48 

Politischer Karneval und Menschenkette um den Kreml

12:15 

Chodorkowski gewinnt Gerichtsverfahren gegen Lagerchef

11:01 

Gemeinsam frieren: Dauer-Eiszeit in Russland und Europa

09:12 

Nach Überfall - Siegerin bei Präsidentenwahlen im Koma

01:01 

Russland Geschichte: Pasternak geboren

Donnerstag, 9. Februar
18:45 

KHL: Hockeyclubs fliegen nur noch mit Airbus und Boeing

18:17 

Putin will freie Januartage auf Anfang Mai verschieben

17:24 

Gorbatschow möchte Wählerliga anführen, soll aber nicht

16:37 

Putin plant patriotisches Meeting mit 200.000 Menschen

15:55 

Skepsis gegen schweizer Riesenpaar Glencore-Xtrata

15:18 

Fußball: Spalletti verlängert Vertrag bei Zenit SPb.

14:01 

Super-Flugzeugträger: Kosmos- und Unterwasser-Einsatz

11:40 

Präsidentenwahl: für Putin 28, für Sjuganow 22 Prozent

10:26 

Neue Atom-U-Boote und Atomraketen für Russland in 2012

09:02 

Noch ein Moskauer Jugendlicher springt in den Tod

01:01 

Russland Geschichte: Dostojewski gestorben

Mittwoch, 8. Februar
18:47 

Russische Forscher erreichen Antarktis-See unter Eis

18:25 

Nächste Pro-und Anti-Putin-Demos nicht mehr weit

17:53 

Deutsche Wirtschaft begrüßt Abkommen mit Kasachstan

15:21 

Petersburger Schwulen-Gesetz in 2. Lesung angenommen

13:42 

Es wird knackig kalt: Minus 35 Grad im Gebiet Moskau

12:56 

Neuer VIP-Unfall: Gouverneurswagen crasht in Fiat

11:40 

Syrien-Streit: Russland dementiert Drohungen an Katar

10:40 

Dmitri Medwedew will sich mit Protestbewegung treffen

09:00 

Moskauer Kinobesucher in Stalingrads Schützengräben

01:01 

Russland Geschichte: Zar Peter, Fürst Kropotkin gestorben

Dienstag, 7. Februar
18:27 

Putin: Rückkehr zur Winterzeit in Ruhe entscheiden

Unseren kompletten
aktuellen News-Uberblick
finden Sie bei
russland-news.RU

Alle Berichte bei Russland-Aktuell ab 2000 finden Sie in unserem Archiv
Weitere Nutzung im Internet oder Veröffentlichung auch auszugsweise nur mit
ausdrücklicher Genehmigung der Redaktion (Chefredakteur: Gisbert Mrozek) und mit Quellenangabe www.aktuell.ru
E-mail genügt
www.Russland-Aktuell.ru (www.aktuell.ru) ist nicht verantwortlich für die Inhalte externer Internetseiten.


Basis-Information aus Russland, der Provinz und der GUS auf deutschen Internetseiten:
www.kasachstan.ru, www.russlanddeutsche.ru, www.georgien.ru, www.abchasien.ru, www.ossetien.ru, www.waldikawkas.ru, www.grosny.ru, www.sibirien.ru, www.wolga.ru, www.baikalsee.ru, www.kaukasus.ru, www.sotschi.ru, www.baltikum.ru, www.nowgorod.ru, www.nischni-nowgorod.ru, www.nowosibirsk.ru, www.rubel.ru, www.kultur.ru, www.puschkin.ru, www.wladiwostok.ru, www.sotschi.ru ... und noch einige andere mehr!
Russia-Now - the English short version of Russland-Aktuell








google.com
yahoo.com