|
Mittwoch, 14.10.2009
Stalins Enkel verliert Klage gegen Nowaja Gaseta
Moskau. Jewgeni Dschugaschwili, Enkel des Sowjetdiktators Josef Stalin, hat eine Verleumdungsklage gegen die Nowaja Gaseta verloren. Dschugaschwili empfand einen Artikel, in dem sein Großvater als Schwerverbrecher bezeichnet wird, als beleidigend.
|
|
Auslöser des Streits ist ein Artikel unter der Überschrift „Berija wird schuldig gesprochen“ über die Ermordung polnischer Offiziere in Katyn. „Stalin und die Tschekisten sind mit sehr viel Blut und schwersten Verbrechen befleckt, in erster Linie gegen das eigene Volk“, schreibt der Autor darin unter anderem und beruft sich auf verschiedene historische Dokumente, die belegen, dass Stalin in zahlreichen Fällen, so auch in Katyn persönlich die Ermordung von Menschen angeordnet hat.
|
Dschugaschwili verlangte für diese Aussagen, die er als Beleidigung empfand, von der Nowaja Gaseta moralische Kompensation in Höhe von 10 Millionen Rubel (230.000 Euro). Das Moskauer Bezirksgericht Basmany hat die Klage jedoch abgewiesen.
|
Das Urteil stieß bei den Zuhörern auf ein geteiltes Echo. Ein Teil des Publikums applaudierte. Viele ältere Bürger hingegen, die Dschugaschwili unterstützten, riefen „Schande.“ Vor allem bei der älteren Generation wird Stalin immer noch verehrt. Seine Verbrechen gegen das eigene Volk werden auch von der russischen Geschichtsschreibung nach wie vor durch den Sieg im Zweiten Weltkrieg relativiert.
|
|
|
Leser-Kommentare zu diesem Artikel (und Kommentare zu Kommentaren): ↓
Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar, nachdem Sie sich hier unten für Kommentare neu registriert haben. Sie können hier oder im Forum (www.forum.aktuell.ru) mitdiskutieren.
Bisher gibt es zu diesem Artikel noch keine Leserkommentare
Überblick aller Leserkommentare zu allen Artikeln >>>