Moskau. Ob er es nun will oder nicht – gefeiert und beschenkt wird er doch. Glücklich ist Putin sicher über das symbolträchtige Krokodil, das ihm der moldawische Präsident Wladimir Woronin am frühen Montagmorgen im Namen der übrigen GUS-Präsidenten mit den Worten überreichte: „Ein Krokodil geht auch nie rückwärts“. Der Bär, den die Regierungspartei „Einiges Russland“ Putin aufbinden will, geht auch als schlechter Scherz durch. Ebenso wie die „Putin-Tomaten“, wie ein Rentner seine neueste Züchtung nennt.
Relativ harmlos ist es auch, dass ein junger Mann aus Omsk mit dem schönen Namen Waldimir Wolochow seinen Pass auf „Wladimir Wladimirowitsch Putin“ umschreiben liess.
Unanständig wirkt hingegen der Versuch der russischen Juweliersgilde, Putin eine Zaren-Prunkkrone im Werte von 50.000 Euro zu schenken, die er gar nicht haben will. Vielleicht weil sie der Krone des kiewer Fürsten Monomach nachempfunden ist. Wer die Schapka Monomache trägt, lebt nicht lange, heissts im Volksmund.
Das Gute an dem Stückchen ist nur, dass es fast nie im russischen Radio zu hören ist. Auch zu Putins Geburtstag nicht. Kreml-Auftragsarbeit ist es nicht – heisst es aus dem Kreml. Ebenso wie beispielsweise die Torten mit Putin-Porträt, die im Ural angeboten, aber kaum verkauft wurden. Oder das Strassenkaffee „Putin“ in Tscheljabinsk – wo ein Emissär der Gebietsverwaltung die Besitzerinnen ultimativ aufforderte, den Laden umzutaufen.
Aber längst nicht jede Dummheit ist auch Personenkult. Meistens geht es ganz banal um die auch aus Deutschland weidlich bekannte karrierefördernde Beamten-Kriecherei und Buckelei oder aber um den Versuch, mit Putins Namen Geschäfte zu machen.
Bemerkenswert ist aber erstens, dass die meisten dieser Versuche daran scheiterten, dass die Russen doch ein ziemlich distanziertes Verhältnis zur Obrigkeit haben. An dieser neuen relativen Nüchternheit, die gerade auch durch Putin symbolisiert wird, dürften alle Versuche scheitern – wenn es sie denn geben sollte – einen neuen Personenkult um Putin zu entwickeln. Viel schlimmer, als der Kult der PR-Strategen um George Bush, Gerd Schröder oder Helmut Kohl dürfte er wohl kaum werden.
Bemerkenswert ist zweitens und andererseits aber auch, dass Putins Vorgänger Jelzin keine Torten oder Cafes gewidmet wurden, sondern nur ein Wodka mittlerer Qualität. Putin hingegen eignet sich doch als Identifikationsobjekt. Er wird allmählich zum Träger eines russischen „Wir-sind-wieder-wer“-Gefühls – sogar für die, die mit seiner Politik nicht einverstanden sind.
Der grosse Katzenjammer, die allgemeine „Pochmelije“ und nationale Kränkung nach dem Zerfall der UdSSR scheint langsam zu vergehen.
Als erstes Ergebnis der allrussischen Volkszählung wird aus dem Fernen Osten gemeldet, dass kaum jemand von den vorab befragten Jugendlichen Auswanderungspläne hat.
Und das ist schon ein Stimmungswandel – egal, woher auch immer er kommt.
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