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| Irgendwo in Russland: Lenin weist dem Proletariat den Weg zum Mond (Foto: Melle) | |
Donnerstag, 11.03.2010
„Sinfonie in Bildern“: Multimedia mit Tschaikowski
München. Musik zum sehen, Bilder zum hören. Der Fotograf und Musiker Tobias Melle präsentiert am 14. März in der Münchner Philharmonie Tschaikowskis Fünfte mit Fotos aus Russland als audiovisuelles Gesamtkunstwerk.
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Ton und Bild, Auge und Ohr. Lässt sich das wirklich trennen? Weder Pjotr Iljitsch Tschaikowski noch Tobias Melle wollten und wollen das jemals versuchen. Viel mehr sollen sich künstlerische Leidenschaften miteinander verbinden. Das wirkliche Leben als eigentliches Gesamtkunstwerk.
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Obwohl, Tschaikowskis Lebensweg verlief wahrlich nicht wie im Bilderbuch. Zwar hochbegabt, - auf seinen eigenen Wunsch bekam er mit vier Jahren ein Klavier – verbrachte er seine späteren Tage in Zweifeln und Depressionen. Er begeisterte jeden seiner Lehrer, an sein eigenes Können jedoch glaubte er nicht.
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| Wann und wo |
14. März 2010, 15.00 Uhr Münchner Philharmonie im Gasteig Karten unter Tel.: 089-936093
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„Wie soll man die unklaren Gefühle beschreiben, die einen bewegen…“, klagte Tschaikowsky 1878. Dabei litt der Verheiratete auch sichtlich unter seiner unterdrückten Homosexualität. Er durchlebte ein langes schöpferisches Tief. Als er seine Schaffenskraft gerade wieder erlangt hatte, starb Tschaikowski im Alter von nur 53 Jahren in St. Petersburg.
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Wenn ein Musiker fotografiert Der heute 44-jährige Tobias Melle aus München begann als Cellist. Gleichzeitig entdeckte er seine Liebe zur gestalterischen Fotografie. 1994 begann er die Musik und seine zweite Leidenschaft miteinander zu verbinden. Er schuf seine erste Sinfonie in Bildern. „Aus der Neuen Welt“ nach Dvorak. Inzwischen gibt es bereits fünf dieser Ton-Bild-Kompositionen.
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Ein sinfonisches Konzert mit großen Bildeindrücken: So beschreibt Melle sein neuestes Werk „Russland in Bildern“. Er stellte sich einer völlig neuen künstlerischen Aufgabe, der Illustration der Fünften Sinfonie von Tschaikowsky. Es ist das Schicksalsthema, das die Fünfte durchzieht wie ein roter Faden. Die Hoffnung, die Hoffnungslosigkeit zu überwinden.
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Foto-Töne aus ganz Russland Und genau das war es, was Melle auf seinen Reisen per Auto, Eisenbahn, aber auch mit dem Fahrrad, in Russland erlebte: Die herzliche russische Gastfreundschaft, die ihm entgegen gebracht wurde. Die harten Kontraste. Der Versuch der Menschen, die Altlasten der ehemaligen Sowjetunion zu bewältigen. Einen neuen Weg für sich selbst zu finden. Das alles drückt Tobias Melle in seiner audiovisuellen Aufführung aus.
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Der erste Satz von Tschaikowskys Sinfonie umschreibt die Ergebung an das Schicksal. Das Abblättern der einstigen Großartigkeit, dem Scheitern einer Epoche. So interpretiert es Melle. Zaristischer Glanz, Stalinistische Selbstherrlichkeit. Nichts von alldem hat die Zeiten überdauert. Und dennoch keimt in der Musik ein wenig Hoffnung.
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Zwiebeltürme und Balalaika-Spieler - nur ein Klischee? Soll er sich „dem Glauben in die Arme werfen?“, so fragte sich Tschaikowsky mit dem zweiten Satz. Mit epochalen Landschaftsbildern vermischt, versucht der Fotograf den neu erwachten Stellenwert der russischen Kirche mit der alten traditionellen Sichtweise der russischen Gesellschaft zu verknüpfen.
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Der dritte Satz ist bei Tschaikowski ein verspieltes Walzerthema. Aber es ist auch oberflächlich. Schlechthin das touristisch-romantisch verklärte Klischee von Bernsteinzimmer und Wolga-Kreuzfahrt. Aber er lässt sich spüren, der Lug und Trug, den Gogol schon auf dem Newski Prospekt offenbarte. Das Schicksal tritt in den Hintergrund, aber die heile Welt in ihrer ganzen Scheinheiligkeit wird erkennbar.
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Schließlich der finale vierte Satz. In ihm entfalten sich Dank Tobias Melle die vielen Facetten der russischen Wirklichkeit. Er nimmt den Betrachter mit zu den Menschen, die das Land schon immer prägten. Ein Bildersturm ohnegleichen. Man fängt an, Russland und Tschaikowski zu fühlen und zu begreifen. Und während wir immer noch an der Hoffnung zweifeln, reicht uns das Schicksal die Hand zur Versöhnung.
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Es sind garantiert keine Potjomkinschen Dörfer für Touristen, die der Besucher zu sehen und hören bekommt. Es ist eher eine sinnlich tiefe Reise mitten hinein in das große Herz Russlands.
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