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| Als die Köpfe reihenweise rollten: Mitropolit Philipp (Oleg Jankowski) bei einer Hinrichtung (Foto: lunginstudio.ru) | |
Donnerstag, 05.11.2009
„Zar“: Russlands erstes Terror-Regime im Kino
Moskau. Iwan der Schreckliche (1530-1584) gilt als der Urheber des Terrors in der russischen Geschichte. Von der verheerenden Wirkung seiner „Opritschnina“ erzählt Regisseur Pawel Lungin in seinem neuen Film „Zar“.
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Die mit Heiligenbildern ausgeschmückte Klosterzelle ist halbdunkel. In einem zerlumpten Gewand sitzt Zar Iwan gebückt am schmalen Fenster. Er liest aus der Offenbarung des Johannes über die vier apokalyptischen Reiter vor und betet heftig.
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Zur derselben Zeit reiten zwei Angehörige der dem Zaren unterstellten „Opritschnina“ – seine Leibgarde und Geheimpolizei mit unbeschränkten Vollmachten - zum Besitz eines Bojaren. Nachdem dieser beim Zaren in Ungnade gefallen ist, dürfen sie sein Eigentum ohne Angst vor Iwan plündern.
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Geheimpolizei, Gespenster und Gewissensbisse Der Film beginnt im Jahr 1565, als der misstrauische Zar Iwan die Opritschnina gerade erfunden hat. Unter dem Vorwand, Verschwörungen vorzubeugen, überziehen sie das Land mit blutigen Gewaltakten. Vielen Folterungen sieht der Zar mit seiner Frau persönlich zu. Nachts kniet er, von seinen Opritschniki umstanden, stundenlang im Gebet und bittet um Erbarmung. Oder er fuchtelt mit den Händen in der Luft, um die Gespenster seiner Opfer, die er manchmal sieht, zu verjagen.
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Eines Tages lädt Iwan aus dem Solowezki-Kloster seinen Kindheitsfreund Philipp nach Moskau ein und macht ihn zum Mitropoliten und seinem einzigen vertrauten Berater. Doch als Philipp die am Zarenhof herrschende Tyrannei sieht, wagt er es, Iwan auf seine Gräueltaten anzusprechen. Damit gerät er in eine gefährliche Konfrontation mit den Opritschniki und schließlich mit dem Zaren selbst, die er verlieren wird.
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Bären, Folter und wilde Feiern Bären, goldene Gewänder, Folter und wilde Feiern - im Film taucht alles auf, was es an Vorstellungen über die mittelalterlichen Bräuche in Moskowien gibt. Ein Schubladendenken kann man dem Regisseur Pawel Lungin jedoch kaum vorwerfen. So wird die Zeit Iwan des Schrecklichen in den meisten Chroniken tatsächlich auch geschildert.
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Lungin stellte seinen Film „Zar“ im Mai dieses Jahres bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes in der Sektion „Certain Regard“ zum ersten Mal vor. Im russischen Verleih ist „Zar“ seit dem 4. November.
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| Pjotr Mamonow als Iwan der Schreckliche (Foto: lunginstudio.ru) | |
Die Rolle Iwan des Schrecklichen besetzte Lungin mit Pjotr Mamonow (auch durch den Film „Insel“ bekannt). Mamonow ist zwar kein ausgebildeter Schauspieler, zieht aber durch seine charismatische Ausführung des widerspruchsvollen Zaren die Aufmerksamkeit von den anderen Schauspielern, auch vom legendären Oleg Jankowski in der Rolle des Mitropoliten, auf sich. An einigen Stellen ist der Film deshalb beinahe dabei, in einen Monolog von Pjotr Mamonow abzurutschen.
Premiere auf den National-Feiertag gelegt Die Erstaufführung des Films wurde auf den „Tag der nationalen Einheit“ gelegt – jenem Feiertag, der an das Ende der „Zeit der Wirren“ und der polnischen Invasion im russischen Zarentum vor gut 400 Jahren erinnert.
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Die im Film verarbeitete Geschichte liegt noch ein halbes Jahrhundert tiefer in der Vergangenheit. Allerdings ist die Figur Iwan des Schrecklichen im Bewusstsein der Russen – im Unterschied zu vielen Herrschern vor und nach ihm – bis heute nicht mit Staub bedeckt und löst immer noch heftige Streite um seine Person und seine Methoden aus.
So wurde der grimmige Zar bei dem Fernsehprojekt „Der Name Russlands“ vor einem Jahr bei einer Internet-Stimmabgabe auf Platz neun der wichtigsten Vertreter der russischen Geschichte gewählt.
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Der Film über den Zaren wurde auch deshalb mit Interesse erwartet, weil seit einigen Jahren viele historische Kino-Werke in Russland nicht ohne patriotischen Ansatz sind und mit wichtigen Feiertagen getaktet werden.
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Im „Zar“ geht Lungin allerdings mit dem Material kritisch um und entlässt seine Zuschauer nachdenklich aus dem Kinosaal. Das ist nicht das Schlechteste an einem Feiertag, an dem Neonazis und „Naschi“ ihre Märsche veranstalten.
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