 |
|
| Johannes Ebert war vor seinem Engagement in Moskau bereits in Kairo, Riga und Kiew tätig (Foto: Goethe-Institut). | |
Dienstag, 09.10.2007
Goethe-Institut: Kultur wirkt auch, wenn’s brenzlig wird
Moskau. Seit gut einem halben Jahr leitet Johannes Ebert das Moskauer Goethe-Institut. In Teil I des Gesprächs fragte Russland-Aktuell den Plänen und Zielen des Instituts für die nächste Zukunft.
|
|
R-A: Sie sind jetzt ein halbes Jahr lang in Moskau. Wie sind Ihre ersten Eindrücke von der Stadt, vom Institut, von Ihrem Team hier?
|
Ebert: Ich kenne Moskau schon ein bisschen. Ich war von 1997 bis 2002 Institutsleiter in Kiew und in dieser Zeit mehrere Male in Moskau.
|
Ohne die Erfahrung als Institutsleiter in Kiew und in Riga hätte ich mir nicht zugetraut, Institutsleiter und Regionalleiter in Moskau zu werden. Denn das Institut ist ein sehr großes und sehr wichtiges. Wir sind zuständig für die russischen Städte und für sieben Institute in der Region Osteuropa und in Zentralasien. Das ist hier eine große Aufgabe.
|
Ich habe ein Team, das in Moskau und in den Regionen gut vernetzt ist – das ist sehr wichtig. Die Mitarbeiter des Goethe-Instituts Moskau kennen viele Menschen und Institutionen und dadurch ist das Institut auch ein wichtiger Teil des Kulturlebens.
|
R-A: Wie definieren Sie ihre Mission?
|
Ebert: Ich sehe Kultur und Bildung als ganz eigenständige Werte im Kontaktbereich zwischen Individuen und erst dann zwischen Staaten und Ländern. Ich halte es für falsch, zu sagen: Damit die Wirtschaft und die Politik funktionieren, machen wir jetzt auch noch ein bisschen Kultur.
|
Ich glaube, dass Kultur ein Bereich ist, der ganz eigene Kommunikationsformen und eine ganz eigene Dynamik hat. Dieser Bereich funktioniert eigentlich sehr unabhängig und manchmal eben auch dann, wenn die Situation politisch angespannt ist – dann funktioniert Austausch im Kulturbereich, im Bildungsbereich, zwischen Studenten und Schülern immer noch.
|
R-A: Dennoch: Wie intensiv tauschen Sie sich mit den Kollegen in der Botschaft aus?
|
Ebert: Die Zusammenarbeit ist natürlich wichtig. Das Goethe Institut hat einen Rahmenvertrag mit dem Außwärtigen Amt, ist aber eine unabhängige Institution, von der Rechtsform her ein Verein.
Diese Form ist vom Deutschen Staat ganz bewußt gewählt worden. Das Goethe Institut, der DAAD oder die Zentralstelle für Auslandsschulwesen sind so genannte Mittlerorganisationen, die mit einem Auftrag des Auswärtigen Amts agieren.
|
Alle Kulturmittler treffen sich regelmäßig in der Botschaft. Wenn es konkrete Probleme gibt, sprechen wir mit dem Kulturreferenten der Botschaft oder mit dem Botschafter – da gibt es also eine sehr enge und gute Zusammenarbeit.
|
R-A: Mit welchen anderen deutschen Organisationen arbeiten Sie außerdem hier in Moskau zusammen?
|
Ebert: Wir arbeiten mit dem DAAD, der GTZ , der ZfA und anderen zusammen. Ich glaube auch, dass es unheimlich wichtig ist, dass wir uns nicht als alleiniger Spieler sehen, sondern, dass wir uns mit anderen Organisationen zusammentun – deutschen und russischen.
|
Meistens ergänzen wir uns ja auch bei der Arbeit: Der DAAD ist mehr für Austausch von Studenten und Wissenschaftlern zuständig, wir sind für Deutsch zuständig. Und dann gibt es Schnittstellen, wo der DAAD an den Unis seine Deutschlektoren hat, mit denen wir kooperieren.
|
R-A: Auch die Kulturabteilung der Deutschen Botschaft führt in den Regionen Veranstaltungen durch – kommen Sie sich da ins Gehege?
|
|
| Das Goethe-Institut |
Das Goethe-Institut ist das weltweit tätige Kulturinstitut der Bundesrepublik Deutschland.
Der unabhängige Verein hat einen Rahmenvertrag mit dem Deutschen Außenministerium. Er fördert die Kenntnis der deutschen Sprache im Ausland und die internationale kulturelle Zusammenarbeit.
Das Goethe-Institut unterhält weltweit Goethe-Institute, Goethe-Zentren, Kulturgesellschaften, Lesesäle sowie Prüfungs- und Sprachlernzentren.
Das Moskauer Goethe-Institut ist für die Sprach- und Kulturarbeit in Russland und den GUS-Staaten zuständig. |
|
Ebert: Es gibt in der Botschaft seit dem „Kulturjahr 2004“ einen Arbeitsstab russischer Regionen, der auch mit uns zusammen Kulturveranstaltungen in den Regionen organisiert. Alle paar Wochen gibt es dort eine Sitzung, bei der jeder sagt, was er vorhat. Und dann schauen wir, wie man sich gegenseitig ergänzen kann.
Es kann also durchaus sein, dass der Botschafter irgendwohin fährt und wir sagen dann: Wir machen in dieser Stadt parallel ein Filmprogramm oder eröffnen eine Ausstellung. Oder andersherum: Wir eröffnen ein Ausstellung und fragen, ob der Botschafter dorthin fahren kann. Es gibt also keine Konkurrenz, sondern wir sprechen uns ab.
R-A: Kann sich eigentlich jeder interessierte Künstler mit einem Vorschlag an das Goethe-Institut wenden?
|
Ebert: In der Regel arbeiten wir mit russischen Partnern zusammen. Das heißt, wir haben permanenten Kontakt zu Theatern, zu Kinos und Veranstaltern und entwickeln mit den Partnern Ideen. Im Rahmen dieser Ideen versuchen wir dann Programme und Projekte aufzustellen. Es ist schwierig, außerhalb dieser Programme Künstler aufzunehmen, die beispielsweise eine Ausstellung ihrer Werke anbieten.
|
Wir haben auch eine Art Qualitätsfilter. Das heißt, wenn wir einen deutschen Künstler einladen, müssen wir im entsprechenden Fachbereich der Zentrale in München nachhören, ob dieser Künstler empfohlen wird.
|
R-A: Was waren die konkreten Kriterien bei der deutschen Band „Tomte“, die am 16. September in Moskau gespielt hat?
|
Ebert: Das Hauptkriterium ist sicherlich, ob so eine Gruppe im Kulturleben in Deutschland tatsächlich eine Rolle spielt. Und „Tomte“ ist eine Band, die zu einer Szene in Russland passt und in Deutschland bekannt ist, aber auch nicht zu den absolut kommerziellen Bands gehört.
|
Zu jedem Fachbereich des Goethe-Instituts gibt es außerdem einen Beirat – in diesem Fall mit Popmusikern, klassischen Musikern, Musikjournalisten. Das sind rund zehn Personen, die unsere Anfragen ansehen und dann sagen: Ja, die Gruppe würde eigentlich passen.
|
R-A: Es soll Pläne für eine Außenstelle in Nowosibirsk geben. Was ist da dran?
|
Ebert: Wir denken in der Tat darüber nach, in Nowosibirsk ein Institut zu eröffnen. Das ist im Moment aber noch nicht sicher.
|
Für uns wäre das natürlich sehr schön: Wir haben Petersburg, wir haben Moskau und wir haben ein riesiges Netzwerk, das von diesen beiden Instituten betreut wird. Ein weiterer Standort in Sibirien würde die Zusammenarbeit mit unseren Lesesälen, Sprachlernzentren, Kulturgesellschaften und -kontaktstellen enorm erleichtern.
|
R-A: Warum Nowosibirsk?
|
Ebert: Erstens liegt Nowosibirsk innerhalb Sibiriens günstig. Dann ist Nowosibirsk die drittgrößte Stadt Russlands. Und es gibt eine ausgeprägte Kulturstruktur.
Die Fragen stellten Anna Kurizina und Christian Jahn.
|
|
|
|
Leser-Kommentare zu diesem Artikel (und Kommentare zu Kommentaren): ↓
Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar, nachdem Sie sich hier unten für Kommentare neu registriert haben. Sie können hier oder im Forum (www.forum.aktuell.ru) mitdiskutieren.
Bisher gibt es zu diesem Artikel noch keine Leserkommentare
Überblick aller Leserkommentare zu allen Artikeln >>>