Hamburg. In „Vaterland ohne Väter“ begleitet der Leser die Pensionärin Rebeka Lange, die ihren Vater nie kennenlernte und sich 60 Jahre nach seinem Tod auf Spurensuche begibt. Er fiel im Zweiten Weltkrieg vor Stalingrad.
Arno Surminski (75) gehört zu den bekanntesten Gegenwartsautoren; in seinen Büchern befasst er immer wieder mit der deutschen Vergangenheit in Ostpreußen. Er selbst wuchs in diesem östlichsten Teil des damaligen Deutschen Reiches auf.
Im Zweiten Weltkrieg verlor er als Elfjähriger nicht nur seine Eltern, als diese deportiert wurden, sondern auch seine Heimat. Eine Familie mit sechs Kindern, die in Schleswig Holstein ansässig war, nahm den Jungen auf.
Bibliografische Angaben:
Arno Surminski: Vaterland ohne Väter Ullstein Buchverlag 455 Seiten, 9.95 Euro (als Taschenbuch)
Rebeka Lange ist eine der Millionen Soldatenkinder, die ohne Vater aufwuchsen
Auch sein Roman „Vaterland ohne Väter“, der sich zuweilen wie eine Dokumentation liest, spielt zum Teil in Ostpreußen. „Wer war mein Vater Robert Rosen?“, fragt sich Rebeka Lange, geb. Rosen, 60 Jahre nach seinem Tod.
Sie ist eines der Millionen Soldatenkinder, die ihren Vater nie kennengelernt haben. Erst als sie pensioniert wird und die Zeit findet, sich mit ihrer Person und Herkunft zu befassen, begibt sich Rebeka Lange auf Spurensuche.
Durch das Tagebuch ihres Vaters, Briefe und alte Landkarten findet sie eine Annäherung an ihren Vater und entdeckt an ihm seine menschlichen Züge. Ausgangspunkt ist das ostpreußische Dorf Podwangen.
Ein Antikriegs-Epos, das den kleinen Mann in den Mittelpunkt stellt
Nicht spektakulär und blutrünstig, sondern unparteiisch aus dem Blickwinkel des kleinen Mannes schildert Surminski den Alltag der Soldaten, sowohl auf deutscher als auch auf russischer Seite.
Godewind aus Hamburg, Walter Pusch aus Münster und Robert Rosen aus Podwangen werden zu Weggefährten im eisigen russischen Kriegswinter.
In seinem Antikriegs-Epos, spinnt der Autor einen Faden zwischen Napoleons Marsch nach Moskau 1812, der Schlacht um Stalingrad während des Zweiten Weltkrieges und dem heutigen Einsatz der Deutschen Bundeswehr in Krisenregionen.
“Ich suchte Mörder und fand Menschen.“
Alle Kriege seien miteinander verwandt, so seine These. „Einer zieht den anderen nach sich wie eine Krankheit“, schreibt Surminski an einer Stelle des Romans.
Am Ende überlebt keiner der Kriegskameraden, und Rebeka Lange bleibt nach der Auseinandersetzung mit der Vergangenheit die Erkenntnis: „Ich suchte Mörder und fand Menschen“. Diesen Satz wählt sie denn auch für eine späte Todesanzeige zur Erinnerung an ihren Vater.