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| Andrej Jerofejew | |
Donnerstag, 13.11.2003
Radikaler an der Tretjakow-Galerie
Seit über zwanzig Jahren hat Andrej Jerofejew ein Ziel: Er will einen Ort für zeitgenössische russische Kunst schaffen. Dieses Projekt – Jerofejew nennt es auch „seine Mission“ - war lange Zeit utopisch. Zu Sowjetzeiten hatte niemand Interesse, die Arbeiten von nicht anerkannten Künstlern zusammenzutragen. Niemand, außer dem Diplomatensohn, der sich gegen das Establishment zur Wehr setzte.
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„Mein Bruder Victor - der Schriftsteller - und ich haben uns zuerst gegen unsere Eltern aufgelehnt und dann gegen das System“, erinnert sich Jerofejew. Nach seinem Kunstgeschichtsstudium in Moskau arbeitete er am Architektur-Institut. Doch bald wurden seine Bekanntschaft mit Künstlern für den heute 47jährigen wichtiger und er versuchte zunächst ohne großen Erfolg Grafiken an das Puschkin-Museum zu vermitteln.
Erst mit der Perestroika ergab sich eine neue Chance: Das Museum „Zaryzino“ im Süden Moskaus beauftragte Jerofejew eine Sammlung aktueller Kunst anzulegen. Das stolze Ergebnis der 13jährigen Arbeit: Mehr als 2.500 Arbeiten von über 120 oppositionellen Künstlern – die kein einziges Mal in „Zaryzino“ ausgestellt wurden. „Das war ein Archiv“, sagt Jerofejew, „Doch ich brauchte einen Aktionsort“.
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| Andrej Jerofejew vor einem Graffiti von Georgi Ostrizow |
Er bemühte sich, eine neue Unterkunft zu finden, in denen die Werke aus den Jahren seit 1956 endlich ausgestellt werden könnten. Doch wohin? Der Bilhauer Surab Zeretelli, der Liebling des Moskauer Oberbürgermeisters Juri Luschkow, bot der Kollektion Jerofejews in seinem „Museum der modernen Kunst“ Asyl an. Doch Jerofejew verzichtete dankend. „Er ist nicht dialogfähig. Zeretelli interessiert sich nicht für aktuelle Kunst, sondern nur für seine Selbstvermarktung“ - so das schlichte Urteil Jerofejews über seinen Kollegen.
Das Kulturministerium fand schließlich eine Lösung und schlug der Tretjakow-Galerie vor, die Jerofejew-Sammlung zu übernehmen. Begeistert waren die als konservativ bekannten Kunstgelehrten keineswegs. Demonstrativ fehlte ein Teil des Gelehrtenrates bei der Abstimmung über die Aufnahme Jerofejews in den Mitarbeiterkreis: „Abfall“ sei dessen Sammlung.
Doch Jerofejew setzte sich durch und wurde zum Direktor der Abteilung für angewandte aktuelle Kunst in der Staatlichen Tretjakow-Galerie. In diesem einen Jahr hat er einiges in dem Museum verändert, dessen moderne Abteilung ursprünglich nur Werke des sozialistischen Realismus umfasste.
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Sein jüngster Coup: Zwei neue Säle für Graffiti und Video-Installationen. Sie werden den Ausgangspunkt für eine Art „Punk-Galerie“ bilden, die im nächsten Jahr entstehen soll. Außerdem bemüht sich Jerofejew, endlich Teile „seiner“ Sammlung dauerhaft ausstellen zu können. Noch sperren sich die konservativen Kreise der Tretjakow-Galerie gegen so viele Reformen – doch Andrej Jerofejews Ziel liegt in greifbarer Nähe.
(sp/ab/.rufo)
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