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| Karl-Marx-Monument in Chemnitz (Foto: www.familie-zylla.de) | |
Montag, 18.08.2003
Thälmann, Marx und immer wieder Lenin
Der Monumentalbildhauer Lew Kerbel ist tot
Von Karsten Packeiser, Moskau. Als im Oktober 1971 in Karl-Marx-Stadt der sieben Meter hohe und 40 Tonnen schwere Bronzekopf des Philosophen enthüllt wurde, der der Stadt seinen Namen gegeben hatte, kamen Tausende zu der Zeremonie. DDR-Parteichef Erich Honecker persönlich stand auf der Ehrentribüne. Der Schöpfer des Chemnitzer Wahrzeichens und etwa siebzig weiterer über die ganze Welt verstreuter Monumentalskulpturen, Lew Kerbel, war den Deutschen dankbar, dass sie den Marx-Kopf nach der Wiedervereinigung nicht einfach abrissen. Im Alter von 85 Jahren ist der Künstler in Moskau gestorben.
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Kerbel, der am 7. November 1917 an dem Tag geboren wurde, an dem die Oktoberrevolution Russland erschütterte, begann seine künstlerische Karriere bereits in der Stalin-Zeit. Direkt nach dem Krieg, in dem er seine erste Frau, seinen kleinen Sohn und seine Eltern verlor, entwarf er im Auftrag der sowjetischen Siegermacht die ersten Kriegs-Mahnmäler auf deutschem Boden.
Die später ausgebaute, heute umstrittene Gedenkstätte auf den Seelower Höhen östlich von Berlin wurde nicht einmal ein halbes Jahr nach der deutschen Kapitulation eingeweiht. Zu DDR-Zeiten befand sich an dem Ort, an dem die letzte große Schlacht des 2. Weltkriegs vor der Einnahme Berlins stattfand, eine der wichtigsten ideologischen Pilgerstätten des Landes. Im Berliner Tiergarten entstand ein weiteres sowjetisches Ehrenmal nach den Plänen von Kerbel und Wladimir Zigal, für das angeblich Marmor aus Hitlers Reichskanzlei verwendet wurde. Mit einem Denkmal für den deutschen Kommunistenführer Ernst Thälmann hinterließ Kerbel schließlich in Berlin ein drittes Monumentalkunstwerk.
In immer neuen Varianten schuf Kerbel monumentale Abbilder der Heiligen des Sozialismus. Auf den zentralen Plätzen vieler russischer Städte stehen seine Lenin-Denkmäler. Ein weiteres gigantisches Monument des russischen Revolutionsführers fertigte er für die
kubanische Hauptstadt Havanna an. In Sri Lanka steht Kerbels Denkmal für den ermordeten ersten Premierminster des Landes, Solomon Bandaranaike.
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Kerbel stand bis zuletzt zu seiner ideologisch verklärten Kunst, die er im Auftrag der Mächtigen geschaffen hatte. Dass einer seiner „Lenins“ im bulgarischen Sofia nach der Wende zum Abriss freigegeben wurde, ärgerte ihn. „Ein Machtwechsel darf doch kein Grund für Vandalismus sein“, sagte Kerbel bitter in einem Interview. Nach dem Zerfall der Sowjetunion passte sich der Künstler aber dem neuen Zeitgeist an. Er blieb bis zu seinem Tod Vizepräsident der Russischen Akademie der Künste, arbeitete am Wiederaufbau der Moskauer Christerlöser-Kathedrale mit und setzte den Helden der vorrevolutionären russischen Geschichte Denkmäler.
Kerbels letztes großes Werk steht seit dem vergangenen Jahr vor dem Moskauer Theater der Streitkräfte. Es erinnert an die Besatzung des gesunkenen russischen Atom-U-Bootes „Kursk“. „Endlich habe ich eine gute Sache gemacht“, sagte der Künstler bei der Enthüllung. „Ein ganz besonderes Denkmal.“
(epd)
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