Von Karsten Packeiser, Moskau. Zwölf russische Paare bauen um die Wette an einer Villa, von der die meisten ihr ganzes Leben lang nur träumen können. Eine Siegerfamilie darf im Herbst aus ihrer Plattenbauwohnung in das etwa 230.000 € teure Traumhaus umziehen. Mit der neuen Reality-TV-Show “Dom” (“Das Haus”) und dem wertvollsten Preis, den das russische Fernsehen je vergeben hat, füllt der Moskauer Kabelsender TNT das Sommerloch.
Nach Angaben des Senders soll “Dom” mehr sein, als eine weitere Variante der inzwischen traditionellen “Big Brother”-Idee. Die Zuschauer könnten nicht nur das Leben auf der Baustelle und die psychologischen Konflikte zwischen den Teilnehmern beobachten, sondern auch viel darüber lernen, wie man richtig ein Haus baut, sagte die TNT-Vizedirektorin Jelena Golowljowa am Freitag dem epd.
Nach eigenen Angaben konnten sich die Organisatoren vor lauter Bewerbern kaum retten. Allein aus Moskau hätten sich 500 Familien um eine Teilnahme beworben. Die anfangs zwölf Teilnehmer-Paare könnten verschiedener nicht sein: Ein Test-Pilot, ein Clown, eine Designerin, Lehrer und Ärzte. Einmal in der Woche versammeln sich die Kandidaten und stimmen darüber ab, wer aus dem Kreis verstoßen wird. Zwischen den letzten beiden verbliebenen Paaren küren schließlich die Zuschauer die Sieger.
Alle Teilnehmer der Show haben gemeinsam, dass sie zurzeit in sehr bescheidenen Verhältnissen wohnen. „Sie wissen, dass das die vielleicht einzige Chance in ihrem Leben ist, sich ein eigenes Haus zu erarbeiten“, erklärte Golowljowa. Handwerkliche Erfahrungen hätten dabei die wenigsten. „Die meisten haben in ihrem Leben noch kein Werkzeug in der Hand gehalten“, so die TV-Managerin. Damit das Traumhaus nicht sofort in sich zusammenfällt, stehen den Kandidaten ein Architekt und ein Vorarbeiter zur Hand, dessen Anweisungen sie ausführen müssen.
Moderator des Spektakels ist kein geringerer als der Opernsänger Michail Basskow, der bereits vor seinem Debüt als Showmaster ausgiebig durch die Schlagersendungen des russischen Fernsehens tingelte. „Die Idee der Show gefiel mir unheimlich gut“, verriet der Nachwuchs-Tenor und Freund von Montserrat Caballé. Drei Monate lang tauscht der Sänger nun die Bühne gegen eine Baustelle ein.
Anders, als bei der legendären russischen Reality-TV-Premiere „Hinter Glas“, als das Geschehen in dem gläsernen Verschlag am Roten Platz wochenlang für landesweite Furore sorgte, reicht es bei „Dom“ nicht mehr für tägliche Aufmachergeschichten in den Moskauer Tageszeitungen. Das liegt nicht nur daran, dass der Kabelsender TNT nur einen kleinen Teil der Haushalte erreicht. Sondern auch daran, dass beim russischen Zuschauer nach diversen Vorgänger-Serien in einem Ausbildungslager der Armee, auf einer unbewohnten Karibik-Insel und in einer „Fabrik der Popstars“ eben doch ein gewisser Sättigungseffekt eingetreten ist.
(epd)
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