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| Touristen auf Olchon (foto: ld/.rufo) | |
Dienstag, 07.10.2003
Einmal wie die Russen leben
St. Petersburg. Das ZDF hat zwei deutsche Durchschnittsfamilien nach Sibirien verbannt. Auf der Baikal-Insel Olchon sollen sie einen sibirischen Winter überleben und zwar so, wie das die Einheimischen seit jeher tun: In Holzhäusern ohne fließendes Wasser, ohne Strom und mit ein paar tausend Rubeln in der Tasche. Mit dabei ist ein Kamerateam. Ausgestrahlt wird das vierteilige Reality-Spektakel unter dem Titel „Sternflüstern“ Anfang nächsten Jahres.
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Statt dauernd über das Leben zu jammern, sollten die Deutschen doch mal mit den Russen tauschen, schlug Michail Gorbatschow kürzlich in einem Interview mit der Bild-Zeitung vor. „Wollt ihr etwa die russischen Probleme?“, fragte der Alt-Politstar die Klagenation Deutschland.
„Ja, wir wollen russische Probleme“, würden auf diese Frage zwei deutsche Familien antworten, die sich derzeit auf der Baikalinsel Olchon auf den sibirischen Winter vorbereiten. Während das ZDF die Namen der Helden noch verschweigt, enthüllte die „Nesawissimaja Gaseta“, dass es sich bei den Temporär-Sibiriern um die Familien Klaprot aus Sachsen und Müchel aus Bayern handelt. Für sie herrschen auf der Insel dieselben Bedingungen wie für die Bewohner von Olchon: Es gibt nur unregelmäßig Strom, kein fließend Wasser und zum Leben muss ein russisches Durchschnittseinkommen reichen. Das größte Problem kommt aber erst auf die «modernen Westeuropäer» (ZDF-Homepage) zu: Temperaturen bis zu minus vierzig Grad machen das Leben auf Olchon im Winter zum Härtetest.
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| Breit wie eine Autobahn: Hauptstrasse von Chuschir (foto:ld/.rufo) |
Mit dabei in Sibirien ist ein Kamerateam des ZDF, welches das Leben der deutschen Kurzzeit-Olchoner aufzeichnet, um es Anfang 2004 in vier Teilen dem heimischen TV-Publikum zu präsentieren. Die kommenden Monate sollen, so die ZDF-Homepage, für die sechsköpfige Familie Müchel und die dreiköpfige Familie Klaprot zum «Abenteuer des Lebens» werden.
Was den Fernsehmachern aus Deutschland eine vierteilige Serie wert ist, wird die Einheimischen selber kaum in Aufregung versetzten. Sie leben schon seit jeher ihr ruhiges, wenn auch hartes Leben auf dem 70 Kilometer langen Eiland im Baikalsee. Mit nur wenig Verständnis für die deutschen Temporär-Sibirier titelte denn auch die «Nesawissimaja Gaseta» in einem Artikel über das Projekt: «Was für Russen normal ist, ist für Deutsche schon Extremsport».
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| im Internet |
• ZDF: Sternenflüstern
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Dabei war das ZDF noch überaus human bei der Auswahl des Schauplatzes: An wohl kaum einem anderen Ort Ostsibiriens ist man so sehr westliche Individualtouristen gewohnt wie auf der Insel Olchon. Echte russische Provinz ist jedenfalls anders: Dort gibt es keine Fahrradverleihe – wie auf Olchon im Haupt-Dorf Chuschir. Und die beiden Familien müssen ihren Nachbarn wohl als erstes einmal klar machen, dass sie nicht für alles zum Touristen-Tarif bezahlen können.
Auch ein potentieller Zaungast beim „Sternenflüstern“ hätte sich wohl nicht gedacht, dass dies alles für eine TV-Show taugt: Die über 60-jährige Deutsche Bernhild Halemeyer lebt nämlich schon seit gut acht Jahren freiwillig in Sibirien – und zwar nirgendwo anders als auf der angeblich so beschwerlichen Insel Olchon.
(dan/.rufo)
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