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Robotereinsatz wird vorbereitet (foto: newsru.com)
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Freitag, 25.07.2003

Todes-Gürtel in der Datscha-Garage

St. Petersburg (aktualisiert 17.30 Uhr ). Russische Sicherheitskräfte haben offenbar die technische Basis jener Terroristen ausgehoben, die im Juli in Moskau drei Selbstmordattentate organisierten – und möglicherweise eine weitere Anschlagserie verhindert. In der Garage einer Datscha im Moskauer Umland wurden sechs Sprengsätze sicher gestellt, wie sie Anfang Juli auch für die Attentate auf ein Rockfestival und im Moskauer Zentrum verwendet wurden.

Bei der Durchsuchung des Anwesens stießen die Ermittler in der Garage auf ein ganzes Terror-Arsenal: Sechs Sprengsätze, jeder von über einem Kilogramm TNT-Sprengkraft, wurden sicher gestellt. Nach ersten Informationen ähnelten sie jenen Sprengstoffgürteln, mit denen sich vor etwa drei Wochen zwei Attentäterinnen am Eingang eines Freiluft-Rockkonzertes in die Luft sprengten.

Am Freitag starb in einer Moskauer Klinik eine junge Frau an ihren dabei erlittenen Verletzungen. Die Opferzahl des Attentates erhöht sich damit auf 15. Vier Tage später war in der Moskauer Innenstadt eine junge Frau aus Tschetschenien festgenommen worden, die ebenfalls eine Selbstmord-Bombe bei sich trug, deren Zündmechanismus aber offenbar defekt war. Beim Versuch, den Sprengsatz zu entschärfen, kam ein Spezialist der föderalen Sicherheitsbehörde FSB ums Leben.

Die Sicherstellung der Bomben geschah unter strengen Sicherheitsvorkehrungen: Das etwa 30 Kilometer von Moskau entfernt gelegene Dorf Tolstopalzewo wurde am Donnerstagabend für etwa 15 Stunden im einem Radius von drei Kilometer abgesperrt. Feuerwehr und Rettungsdienste gingen in Bereitschaft. Nach dem Tod ihres Kollegen zogen es die Sprengstoffexperten vor, die gefundenen Sprengsätze nicht weiter zu inspizieren: Sie wurden mit Hilfe eines ferngesteuerten Roboters in Spezialcontainer verladen und auf einer Ödfläche in der Nähe durch eine Wasserkanone unschädlich gemacht. Ein Sprengsatz zerfiel beim Verladen und musste an Ort und Stelle entschärft werden.

Wie die Behörden das Bombenlager entdeckten, ist nicht bekannt. Offiziell heißt es „im Zuge der Ermittlungen wegen der Terrorakte“. Noch nicht bestätigt wurde auch die Annahme, dass es sich bei dem Haus um das Basislager jener Terroristen handelt, die im Juli drei tschetschenische Selbstmordattentäterinnen nach Moskau schickten. Die einzige Überlebende von ihnen soll nach dem gescheiterten Terrorakt ausgesagt haben, sie sei bei ihrer Ankunft in Moskau von einer Frau empfangen und in ein Privathaus im Umland gebracht worden. Nach einigen Tagen, in denen sie angeblich unter Drogen gesetzt wurde, habe sie die in einem Rucksack versteckte Bombe erhalten und sei von der Betreuerin ins Moskauer Zentrum gefahren worden.

Das Haus gehört einer Moskauerin, die es an einen jungen Mann „slawischen Typs“ vermietet haben soll, berichteten Anwohner. Einmal habe es auf dem Grundstück einen Knall gegeben, ansonsten habe sich der Mieter aber unauffällig verhalten.

Bei Russland-Aktuell
• Den Terroranstiftern auf der Spur? (10.07.03)
• Ein Toter bei Bombenexplosion im Moskauer Zentrum (10.07.03)
• Moskau trauert um Terroropfer (08.07.03)
Möglicherweise kamen die Behörden aber auch auf anderen Weg auf die heiße Spur: Wie Russlands Innenminister Boris Gryslow erklärte, gab es vor einigen Tagen in der Siedlung eine Razzia zur Dokumentenkontrolle unter dort arbeitenden Fremden. Über 30 von ihnen seien inhaftiert worden. Wie Einheimische berichteten, soll es sich dabei um Kaukasier handeln, die bei einer großen Autowerkstatt auf dem Areal eines ehemaligen Lagerhauses arbeiteten. Laut Gryslow wurden durch den Einsatz fünf weitere Terrorakte verhindert.

Wahrscheinlicher ist allerdings, dass die Organisatoren der Kamikaze-Anschläge nach der für sie unerwarteten Verhaftung einer der Attentäterinnen von ihren Plänen abließen und das Weite suchten.
(ld/.rufo)

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