Bomben-Serie: Hauptstadt-Bahnverkehr und Chef-Ermittler sind im Visier von technisch kompetenten Terroristen (Foto: TV/.rufo)
Dienstag, 01.12.2009
Zweite Bombe am Bahngleis galt den Ermittlern
Moskau. Der Sprengsatz, der am Tag nach dem schweren Bombenanschlag auf der Bahnstrecke Moskau-Petersburg explodierte, galt nicht dem Zug, sondern den Ermittlern am Tatort. Solche Fallen gab es bisher nur im Kaukasus.
Bombenexperten des Geheimdienstes FSB haben festgestellt, dass der am Samstag gegen 14 Uhr in unmittelbarer Nähe des Tatortes explodierte Sprengsatz per Funkbefehl über ein Mobiltelefon gezündet worden ist. Das Ermittlungskomitee der Staatsanwaltschaft geht deshalb davon aus, dass diese Explosion als Anschlag auf die Helfer, Ermittler und Spurensicherer zu werten sei.
Mit ähnlichen Fallen sind die Behörden bisher nur im Terror-geplagten Nordkaukasus konfrontiert worden: Sobald Hilfskräfte und Polizei am Ort eines Attentats oder Bombenanschlags eintreffen, explodiert dort – oder auf dem Weg dorthin – eine zweite Bombe. Es kam auch schon vor, dass die Einsatzkräfte am Anschlagsort von Unbekannten unter Feuer genommen wurden.
Zunächst hieß es, dass der Sprengsatz, der etwa 16 Stunden nach der verheerenden Bombenexplosion unter dem „Newski Express“ an einem Strommasten explodierte, vermutlich durch einen Defekt oder eingedrungene Feuchtigkeit verspätet und zudem nicht vollständig detoniert sei. Zu diesem Zeitpunkt inspizierte gerade eine hochrangige Beamtendelegation den Tatort. Da sich allerdings keine Personen in direkter Nähe aufhielten, kam niemand zu Schaden.
Chef-Ermittler Bastyrkin erlitt Hirnerschütterung
Ganz entsprach dies offenbar nicht der Wirklichkeit: Denn am Montag wurde der Chef des Ermittlungskomitees, Alexander Bastrykin, in einem St. Petersburger Krankenhaus in stationäre Behandlung genommen – Diagnose: Gehirnerschütterung.
Offenbar hat er diese zwei Tage zuvor auf dem Bahndamm erlitten, als ganz in der Nähe die zweite Bombe hochging. Bastrykin sei selbst in das Krankenhaus gekommen. Diese Informationen der Agentur Interfax wurden allerdings von Bastrykins Behörde heute nicht weiter kommentiert. Zeugen hatten berichtet, die Druckwelle hätte dem Chef-Ermittler die Kappe vom Kopf geblasen.
Sollte die zweite Bombe tatsächlich dem obersten Kriminalisten Russlands gegolten haben, muss sich wohl ein Komplize der Bahnattentäter trotz aller Absperrungen in Sichtweite aufgehalten haben, um den Zünder auszulösen.
Am Montag Morgen war zudem in Dagestan ein Bombenanschlag verübt worden, der offenbar einen Fernzug von Sibirien nach Baku zum Entgleisen bringen sollte. Obwohl die Lok beschädigt wurde, konnte der Zug nach 150 Metern heil zum Halten gebracht werden. Der Sprengsatz war mit 300 Gramm TNT-Äquivalent vergleichsweise schwach – im Gebiet Twer hatte eine 7-Kilogramm-Bombe das Gleis unter dem „Newski Express“ zerrissen.
Beide Episoden, die zweite Bombe an der Hauptstadtmagistrale und die Explosion in Dagestan, werden von den Behörden als Terrorakte gewertet und entsprechend in Zusammenhang mit dem Anschlag auf den „Newski Express“ aufgearbeitet.
Bei dem Anschlag auf den Schnellzug von Moskau nach St. Petersburg waren am Freitag Abend 26 Menschen getötet und über 90 verletzt worden - die meisten von ihnen stammen aus Petersburg. Unter den Todesopfern sind auch russische Spitzenbeamte.
Bereits 2007 war auf diesen Zug ein Bombenanschlag verübt worden. Damals gab es 60 Verletzte, aber keine Tote, da keine Waggons umkippten. In der Zwischenzeit haben die Terroristen offenbar ihre Lehren daraus gezogen - und den erneuten Anschlag professioneller eingefädelt.
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