Von Katja Tichomirowa, Moskau. Störsender, Nachtsichtgeräte, Anti-Panzer-Raketen und andere
Verteidigungseinrichtungen aus russischer Produktion schwächen nach Angaben der
amerikanischen Führung die Position der alliierten Steitkräfte im Irak. Nach Angaben
seines Sprechers beschwerte sich der amerikanische Präsident George W. Bush
bereits am
Montag telefonisch bei seinem russischen Amtskollegen Wladimir Putin über angebliche
russische Militärhilfe für den Irak. Die Vereinigten Staaten hätten glaubhafte
Informationen darüber, das russische Firmen unter das Waffenembargo fallende
Verteidigungseinrichtungen an den Irak lieferten, sagte der Sprecher des Weißen Hauses,
Ari Fleischer am Montag. „Wir haben die russische Führung aufgefordert, diese
Unterstützung augenblicklich einzustellen“, so Fleischer weiter.
Kremlsprecher Alexej Gromow erklärte dagegen am Dienstag, nicht George W. Bush, sondern
vielmehr Putin habe in dem Telefonat das Thema illegale Waffenlieferungen angeschnitten
und in diesem Zusammenhang Vorwürfe gegen die USA erhoben. Im Hinblick auf die
amerikanischen Vorwürfe vom Vortag habe der russische Präsident außerdem darauf
hingewiesen, dass die unbewiesenen Anschuldigungen den Beziehungen beider Staaten schaden
könnten. Russland habe die UN-Sanktionen gegen Irak stets eingehalten.
"Vielmehr ist die
amerikanische Seite mit Fragen zu analogen Problemen konfrontiert worden, die noch nicht
beantwortet wurden", erklärte Gromow. Nähere Angaben über die von Putin erhobenen Vorwürfe
machte der Sprecher nicht.
Verteidigungsminister Sergej Iwanow und Atomenergieministers Alexander Rumjantsew
erklärten auf einer gemeinsamen Pressekonferenz am Dienstag, einige der "engsten
Verbündeten der USA" hätten gefährliches Atommaterial an Iran geliefert. Er sei alarmiert
über Berichte, nach denen ein britisch-niederländisches Konsortium Zentrifugen nach
Teheran verkauft habe, die zur Anreicherung von Uran für Atomwaffen eingesetzt werden
könnten, sagte Rumjantsew.
Außenminister Igor Iwanow hatte bereits am Montag einen Bericht der Washington Post
zurückgewiesen, in dem es hieß, der Instrumente-Hersteller KBP Tula und
die Moskauer Firma Aviakonversia hätten Störsender und Anti-Panzerraketen an den Irak
geliefert. Mehr noch, Mitarbeiter von Aviakonversia trainierten Militärs im Irak im Umgang
mit dem Gerät.
Iwanow erklärte dagegen Russland habe seine internationalen Verpflichtungen strikt
eingehalten. Es habe keine Lieferung militärische Ausrüstung an den Irak gegeben,
inbesondere keine die unter das Waffenembargo fielen.
Die beschuldigten Firmen wiesen die Vorwürfe ebenfalls zurück. Der Chef der
Außenhandelsabteilung von KBP, Leonid Roschal sagte, es habe keine derartigen Lieferungen
gegeben. Der stellvertretende Direktor der Firma, Alexej Butenko erklärte, man habe „zu
keinem Zeitpunkt irgendetwas“ geliefert. Der Generaldirektor von Aviakonversia sagte der
russischen Nachrichtenagentur Interfax, die Anschuldigung sei eine weitere
„CIA-Provokation“. Sein Unternehmen sei von der russischen Justiz bereits im vergangenen
September überprüft worden, nachdem das US State Department den russischen Botschafter in
Washington mit einem ähnlichen Verdacht konfrontiert hätte.
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