Moskau. In dem ersten Interview nach seinem Rücktritt als Präsident sprach Boris Jelzin über seine Entscheidung, Wladimir Putin als Thronfolger zu bestimmen und darüber, warum es beispielsweise Anatoli Tschubais nicht wurde. Nachdem er sich ins Privatleben zurückgezogen habe, wolle er die Politik Putins nicht öffentlich kommentieren, sagte Jelzin. Er sage diesem seine Meinung persönlich, teilte er der Moskauer Wochenzeitung „Moskowskije Nowosti“ mit.
Unter anderem habe er Putin auch die Wichtigkeit einer funktionierenden Opposition erklärt, sagte Jelzin. Doch alles in allem habe er mit der Wahl seines Nachfolgers die richtige Entscheidung getroffen, findet der Ex-Präsident. „Er ist kein Maximalist, dass ist der größte Unterschied“ zu anderen Politikern seiner Generation, urteilt Jelzin.
Andere Premiers habe er wissentlich und willentlich verschlissen, gibt Jelzin zu. Gaidar und Tschubais hätten Anfang der 90er Jahre umwälzende Reformen durchführen müssen, nach denen ihr Rücktritt unausweichlich war. „Ich brauchte eine Mannschaft, die verglühte, aber dennoch in die Geschichte eingehen konnte“, sagte Jelzin der Moskowskije Nowosti.
Den Zeitpunkt seines Rücktritts habe er selbst bestimmt, ohne sich mit seiner nächsten Umgebung abzustimmen, behauptet der Ex-Präsident schließlich. An der Wiederwahl Putins schien Jelzin nicht zu zweifeln. Doch wer 2008 Präsident werde, wollte er nicht verraten.
Unterdessen meldete sich auch die ehemalige graue Eminenz des Kreml Boris Beresowski aus London zu Wort. Seine Medienkampagne führte im Winter 1999/2000 zu der enormen Popularitätssteigerung Putins und schließlich dessen Wahlsieg im Frühjahr 2000.
Obwohl der Exil-Oligarch inzwischen zu einem Gegner Putins mutiert ist, behauptet er, seine Unterstützung damals nicht zu bereuen. „Ich bin fest davon überzeugt, dass ich heute, wenn ich zwischen Putin und Primakow wählen könnte, ich mich für Putin entscheiden würde.“
Dennoch wirft der Ex-Medien-Magnat Putin einen Staatsstreich und die Rückkehr zur Diktatur vor. Besonders kritisierte er die Medienpolitik Putins, dem er die Verantwortung für die Schließung von TWS gibt. Eine geplante Rückkehr in die russische Politik war Beresowski nicht geglückt, da die von ihm finanzierte Partei „Liberales Russland“ von der Wahlkommission nicht zugelassen wurde.
Vor einigen Tagen waren dann in Großbritannien zwei Männer verhaftet worden, die angeblich ein Attentat gegen Putin vorbereiteten. Die Männer hätten versucht, Beresowski als Finanzier des Anschlags zu gewinnen, wären doch gescheitert. Beresowski betrachtet die ganze Affäre als Provokation.
(ab/.rufo)
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