Geldwäscheverdacht: Kein US-Visum für Vizeminister
Binnenwasserwege für ausländische Yachten jetzt frei
Russland-Aktuell zur Startseite machen


Balujewski beim Antrittsbesuch im Kreml (Foto: www.newsru.com)
Balujewski beim Antrittsbesuch im Kreml (Foto: www.newsru.com)
Montag, 19.07.2004

Kwaschnin ist gegangen. Was hat die Armee davon?

Moskau. Im Kreml ist es nicht üblich, Personalentscheidungen ausführlich zu kommentieren. Auch nach der Entlassung von Generalstabschef Anatoli Kwaschnin blieb die Staatsführung eine detaillierte offizielle Begründung schuldig. Viktor Litowkin von der staatlichen Nachrichtenagentur Ria Nowosti kommentiert die Änderungen an der Armeespitze:

Vor der Entlassung Kwaschnins hatte Präsident Wladimir Putin eine neue Fassung des Verteidigungs-Gesetzes unterzeichnet, mit der der Generalstab die Funktion des "Hauptorgans der operativen Führung der Streitkräfte" einbüßt. Der Generalstabschef kann sich von jetzt an nicht mehr über den Kopf seines unmittelbaren Chefs, des Verteidigungsministers, hinweg an den Oberbefehlshaber und Präsidenten wenden.

Kwaschnin ist eine markante Persönlichkeit mit grenzenlosen Ambitionen, der nicht gewohnt ist, sich selbst oder andere zu schonen. Kwaschnin hat die Schwierigkeiten und Entbehrungen des Militärdienstes nie gescheut. Ende 1994 übernahm er die Führung der Truppen in Tschetschenien, nachdem einer der Generäle an dieser Aufgabe gescheitert war und ein anderer diese Funktion abgelehnt hatte. Der unter Kwaschnins Leitung konzipierte Sturms auf Grosny in der Silvesternacht 1995 endete aber mit einer Tragödie. Allein in der 131. Panzergrenadierbrigade aus Maikop gab es mehr als 350 Tote. Der zügellose Drang und zugleich die Unfähigkeit, den Preis eines Erfolgs abzuwiegen - die Zahl der Menschenleben, die für einen Sieg geopfert werden müssen - das war kennzeichnend für die Schule sowjetischer Heerführer. Anatoli Kwaschnin hat diese Lektion gut gelernt und davon als Chef eines Militärbezirks und als Chef des Generalstabs auch Gebrauch gemacht.

Konkurrenten fielen Intrigen zum Opfer

Unter seiner Leitung und aktiver Beteiligung wurde das Oberkommando der Landstreitkräfte zunächst aufgelöst und dann wiedererrichtet, der Wolga-Ural-Militärbezirk wurde ein paar mal aufgegliedert und dann wieder zusammen gelegt, dementsprechend wurde der Stab des Militärbezirks mehrmals von Stadt zu Stadt verlegt. Die strategischen Raketentruppen wurden zunächst mit den Weltraumstreitkräften und dem Raketenangriffswarnsystem zusammengeschlossen und dann wieder als eigenständige Struktur ausgegliedert.

Kwaschnin duldete keine Konkurrenten. Als Opfer seiner Intrigen gelten der Chef der Luftlandetruppen, Georgi Schpak, und der Chef des Nordkaukasischen Militärbezirks Gennadi Troschew. Seine beliebteste Methode bestand darin, dem Präsidenten unter Umgehung des Verteidigungsministers Bericht über seine Rivalen zu erstatten.

Die Gesetzesänderungen, die die Staatsduma annahm, ohne dass der Generalstab darüber überhaupt informiert worden war, setzen diesen Praktiken ein Ende. Kwaschnin hat verloren. Die Frage ist, ob die Armee davon profitieren kann.

Bei Russland-Aktuell
• Putin ernennt neuen Generalstabschef (19.7.2004)
Obwohl schon mehrfach die Reform der Streitkräfte und sogar deren Beendigung verkündet wurde, blieb die russische Armee ihrer Form und ihrem Wesen nach eine sowjetische. Neue Methoden der Kampfführung und strukturelle Umwandlungen, die die Armeen aller entwickelten Länder durchmachen, fassen aus unbegreiflichen Gründen nicht Fuß. Bis jetzt wurde kein Kommando der Sonderoperationskräfte gebildet, es gibt keine zuverlässigen Aufklärungsmittel, keine hochpräzisen Waffen und keine Möglichkeiten für größeren Truppenverlegungen. Es gibt keine Ideologie und keine Prinzipien für den Einsatz solcher Truppen.

Nach Ansicht von Militärs wird nun der Generalstab endlich den Kampf um die Führungsposition im Verteidigungsbereich aufgeben und sich mit Zukunftsplänen für den Einsatz von Streitkräften. Dazu sind neue Menschen erforderlich, die keine Zöglingen der sowjetischen Militärschule sind.

(RIAN)


Artikel versenden Druckversion

Leser-Kommentare zu diesem Artikel (und Kommentare zu Kommentaren): ↓

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar, nachdem Sie sich hier unten für Kommentare neu registriert haben. Sie können hier oder im Forum (www.forum.aktuell.ru) mitdiskutieren.

Bisher gibt es zu diesem Artikel noch keine Leserkommentare


Überblick aller Leserkommentare zu allen Artikeln >>>



E-Mail (Zur Registrierung. Wird nicht veröffentlich)

Kennwort

Schnelle Neuanmeldung zum Schutz vor Spam
Klicken Sie hier, wenn Sie sich bisher noch nicht für Kommentare registriert haben.




nach oben
Alle Berichte aus dieser Rubrik
Alle Artikel vom Montag, 19.07.2004
Zurück zur Hauptseite








Sicherheitsabstand sieht anders aus. Aber wenn an der Peter-Pauls-Festung in St. Petersburg der Rundflug-Helikopter startet und landet, sind Zuschauer immer ganz nah dabei. Sobald sie allerdings der Rotorwind samt Staubwolke erfasst, haben die Neugierigen wieder etwas Nützliches fürs Leben gelernt. (Topfoto: Deeg/.rufo)






Die populärsten Artikel der letzten drei Tage


Mail an die Redaktion schreiben >>>



Als Chef vom Dienst ist für Sie
im Moment im aktuellen Einsatz
André Ballin, Moskau

Schnell gefunden
Russland Veranstaltungen und Kultur-Events in D+A+CH

Die Top-Themen
St.Petersburg
Nach dem Schwulengesetz: „Wir wollen uns mehr zeigen!“
Kopf der Woche
Deripaska setzt auf Ex-Stasi-Agent und Putin-Spezi
Kommentar
G-8 u ASEAN: russische-amerikanische Beziehungsprobleme
Moskau
Protest-Lager: Barrikadnaja statt Saubere Teiche
Thema der Woche
Ämtertausch vollendet: Medwedew ist Premierminister
Kaliningrad
AirBerlin nimmt Kaliningrad wieder in Flugplan auf
Der Russland-Aktuell
Nachrichten-Monitor
Montag, 28. Mai
10:22 

Orenburg: Ausländische Studenten aus Wohnheim geworfen

08:51 

Opposition beantragt neuen Protestmarsch am 12. Juni

01:03 

Geschichte Russland: Rust landet auf dem Roten Platz

Sonntag, 27. Mai
01:03 

Russland Geschichte: St. Petersburg und Tsuschima

Samstag, 26. Mai
01:03 

Geschichte Russland: Nikolaus II. wird gekrönt

Freitag, 25. Mai
20:02 

CH-Staatsanwälte legen Deripaska-Klagen zu den Akten

18:27 

Geldwäscheverdacht: Kein US-Visum für Vizeminister

18:03 

Baku: Missklänge beim Grand Prix – vorrangig politisch

17:09 

26-facher Mumienmacher muss in psychiatrische Klinik

16:26 

Medwedew will „Einiges Russland“ intern demokratisieren

14:37 

Russische Motorradfahrer im Irak freigelassen

13:28 

Fünf Tote: Familientragödie unter Russen in den USA

12:47 

Schlägerei bei Sprach-Debatte im ukrainischen Parlament

11:09 

Binnenwasserwege für ausländische Yachten jetzt frei

09:27 

Ferien! Heute letzter Schultag für Russlands Schüler

01:03 

Russland Geschichte: Aus finstersten Tiefen

Donnerstag, 24. Mai
18:22 

ESC: udmurtische Äffin sagt Sieg der Babuschki voraus

17:57 

Russland verliert Raketen-Radarstation in Aserbaidschan

17:22 

Trotz Timoschenko: Polen und Ukraine erwarten gute EM

16:14 

Nach dem Schwulengesetz: „Wir wollen uns zeigen!“

15:04 

Alu-Zar Deripaska verliert Petersburger Großprojekt?

13:58 

Minister verspricht Abschleppdienst per Helikopter

12:42 

Irak: Vier russische Biker sitzen in Militär-Gefängnis

12:13 

Vergewaltigtes Kind im Müllschlucker: 22,5 Jahre Haft

10:53 

Kremlwache kauft Atomschlag-sichere Kinder-Wiegen

09:23 

Demonstrantenführer Udalzow wieder auf freiem Fuß

01:03 

Geschichte Russland: Die „Aurora“ läuft vom Stapel

Mittwoch, 23. Mai
18:23 

Moskauer sollen eigene Speakers Corners bestimmen

17:53 

Ukraine lehnt Behandlung von Häftlingen im Ausland ab

17:13 

Verletzte bei Bruchlandung von Militärflugzeug

16:24 

Vor der EM: Sportjournalist pöbelt über Nationalspieler

15:11 

Tschetschenische Saurier-Eier sind profane Steine

13:51 

Kapitalflucht aus Russland kann auf 100 Mrd. USD steigen

12:35 

Anti-Alkoholkampagne: Wodka in Jakutien nur nachmittags

12:04 

Rosneft-Boss Setschin – der Mann, der Yukos beerbte

Unseren kompletten
aktuellen News-Uberblick
finden Sie bei
russland-news.RU

Alle Berichte bei Russland-Aktuell ab 2000 finden Sie in unserem Archiv
Weitere Nutzung im Internet oder Veröffentlichung auch auszugsweise nur mit
ausdrücklicher Genehmigung der Redaktion (Chefredakteur: Gisbert Mrozek) und mit Quellenangabe www.aktuell.ru
E-mail genügt
www.Russland-Aktuell.ru (www.aktuell.ru) ist nicht verantwortlich für die Inhalte externer Internetseiten.


Basis-Information aus Russland, der Provinz und der GUS auf deutschen Internetseiten:
www.kasachstan.ru, www.russlanddeutsche.ru, www.georgien.ru, www.abchasien.ru, www.ossetien.ru, www.waldikawkas.ru, www.grosny.ru, www.sibirien.ru, www.wolga.ru, www.baikalsee.ru, www.kaukasus.ru, www.sotschi.ru, www.baltikum.ru, www.nowgorod.ru, www.nischni-nowgorod.ru, www.nowosibirsk.ru, www.rubel.ru, www.kultur.ru, www.puschkin.ru, www.wladiwostok.ru, www.sotschi.ru ... und noch einige andere mehr!
Russia-Now - the English short version of Russland-Aktuell








google.com
yahoo.com