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Anatoli Tschubais (Foto: rufo)
Anatoli Tschubais (Foto: rufo)
Dienstag, 19.08.2003

Tschubais als letzte Hoffnung der SPS ?

Moskau. Der ehemalige Vizepremier und derzeitige Vorsitzende des russischen Strommonopolisten RAO EES Anatoli Tschubais wird für die Partei Union der Rechten Kräfte (SPS) in den Wahlkampf ziehen. Hinter Boris Nemzow und Irina Chakamada soll der Manager, der bisher nur hinter den Kulissen der Partei den Ton angab, jetzt auf Platz drei der Wahlliste rücken. Die Entscheidung, zu kandidieren, fällte der bei den Wählern äußerst unpopuläre Tschubais nach einem Gespräch mit Präsident Wladimir Putin.

Mit dieser Maßnahme wandelt die Partei auf einem schmalen Grat. Einerseits ist Tschubais in der Bevölkerung äußerst unbeliebt, da er als Mitverantwortlicher der so genannten „Wirtschafts-Schocktherapie“ Anfang der 90er die Verarmung eines Großteils der Russen in Kauf nahm. Übrigens steht der Hauptverantwortliche dafür, Jegor Gaidar, zur Zeit der Reformen russischer Premierminister und ähnlich verhasst wie Tschubais, auf Platz vier der SPS-Wahlliste.

Andererseits muss die SPS dringend für mehr Popularität sorgen. Denn die Partei liegt in Umfragen bei nur noch etwa fünf Prozent. Damit ist ihr Einzug in die nächste Duma äußerst ungewiss. Das SPS-Rating ist sogar noch niedriger als das persönliche Rating von Tschubais, dem immerhin acht Prozent der Bevölkerung vertrauen, wenn ihn auch mehr als die Hälfte (52%) ablehnt. Anatoli Tschubais eignet sich somit ideal dafür, wenigstens das reformistische Wählerpotential, um das auch die Partei Jabloko Grigori Jawlinskis wirbt, so weit wie möglich für die SPS zu mobilisieren.

Außerdem gilt Tschubais als erfahrener Wahlkampfmanager. Er leitete 1996 den Wahlkampf von Boris Jelzin, der trotz miserabler Umfragewerte am Ende als Präsident im Amt bestätigt wurde.

Sergej Warschawtschik der Chefredakteur der Internetseite von SPS meinte im Gespräch mit russland-aktuell, dass Tschubais für die Partei auf jeden Fall ein Gewinn sei. „Er ist eine markante Persönlichkeit mit hoher Intelligenz.“ Allerdings sei die Entscheidung noch nicht offiziell und werde erst am 8. September bekannt gegeben.

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Die SPS gilt als moderate Oppositionspartei, die einen liberaleren Kurs als der Kreml in Fragen der Wirtschaft und Politik vertritt. Dennoch gibt es Vermutungen, dass Putin Tschubais drängte, sich in die Führungstroika der SPS einzureihen. Warschawtschik bestätigte dann auch, dass Tschubais loyal gegenüber Putin sei, selbst wenn die beiden nicht in allen politischen Ansichten überein stimmten.

(ab/.rufo)

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