Geldwäscheverdacht: Kein US-Visum für Vizeminister
Binnenwasserwege für ausländische Yachten jetzt frei
Russland-Aktuell zur Startseite machen


Tatjana Stepatschowa diente während des Kriegs in der Militäraufklärung der Roten Armee (Foto: Ballin/.rufo)
Tatjana Stepatschowa diente während des Kriegs in der Militäraufklärung der Roten Armee (Foto: Ballin/.rufo)
Freitag, 09.05.2008

„Ich habe Paulus in Stalingrad zum Lächeln gebracht“

Moskau. „Ich war die erste, die General Paulus in Stalingrad zum Lächeln gebracht hat“, sagt Tatjana Stepatschowa stolz. Während des Weltkriegs war sie Übersetzerin. Nun sucht sie Kontakt zu deutschen Kriegsgefangenen.

Drei Glückwunschtelegramme liegen vor der 88jährigen. Eins stammt sogar vom Präsidenten, meint sie stolz, um dann ironisch hinzuzufügen: „Einmal im Jahr, zum Tag des Sieges, erinnern sie sich an uns Veteranen.“ Sie selbst erinnert sich ständig an den Krieg. Er war für sie, wie für die meisten Russen, der prägendste Abschnitt ihres Lebens.

Keinen Hass gegen Deutsche


Im Krieg hat sie ihren Mann, einen Offizier der Roten Armee, kennen gelernt, um ihn kurz vor dem Ende des Krieges wieder zu verlieren. Eine deutsche Kugel tötete ihn, sie war zu der Zeit im siebten Monat schwanger. Bis heute kommen Stepatschowa Tränen bei der Erinnerung daran. Doch Groll gegen den Schützen oder die Deutschen im Allgemeinen empfindet sie nicht. „Es war doch Krieg“, sagt sie. Der Wille des Einzelnen habe dabei wenig gezählt.

Auch Stepatschowa war Teil des Kriegs. 1941, im November erlebte sie die Parade auf dem Roten Platz. Die Truppen marschierten damals direkt von Moskau aus zur Front. Vier Stunden später meldete auch sie sich freiwillig zur Roten Armee. Die Schlachten um Moskau, Stalingrad, Kursk und Charkow hat sie mitgemacht.

In Stalingrad Paulus nach dessen Niederlage zum Lächeln gebracht


In Stalingrad hat sie sogar den gerade gefangen genommen, tief deprimierten Generalfeldmarschall Friedrich Paulus gesehen und ihn bei ihrer ersten Begegnung zum Lachen gebracht:

Bei Russland-Aktuell
• Jahrestag des Hitler-Überfalls auf die UdSSR begangen (22.06.2007)
• Parade und Feiern zum Kriegsende: Vergesst uns nicht! (09.05.2006)
• 9.Mai: Russland feierte sich und den Sieg im Krieg (09.05.2005)
• Kriegsveteran spricht nach 60 Jahren wieder (25.01.2005)
• Veteranen und Kommunisten marschierten getrennt (08.11.2004)
„Guten Morgen, Herr Feldmarschall, redete ich ihn an. Ihm fiel fast der Kinnladen herunter, er hatte nicht erwartet, dass jemand deutsch könne. Er schaute mich mit großen Augen an und ich fragte ihn: -Wie haben Sie geschlafen, wie fühlen Sie sich in russischer Gefangenschaft?“

„Wer sind Sie? - fragte er scharf. - Wissen Sie, ich diene in der sowjetischen Armee, antwortete ich. - Aber wer sind sie, was befehligen Sie? Sind Sie Kommandeur? - Ich zeigte auf meine beiden Sterne am Mantel. - Ich verstehe die russischen Dienstgradabzeichen nicht, sagte er. - Ich bin Leutnant, erklärte ich. - Aber was befehligen Sie, fragte er ein bisschen unfreundlich. - Eine Division, scherzte ich.“

„Da verzog sich das strenge Gesicht Paulus plötzlich zu einem breiten, freundlichen Lächeln. Als ich das sah, musste ich auch loslachen. Und er sagte: Das erste Mal seit der Schlacht von Stalingrad kann ich lächeln – dank Ihnen. Wie heißen Sie?“ – erzählt Stepatschowa.

Befragung von Kriegsgefangenen


Dabei gab es besonders anfangs wenig zu lachen für Stepatschowa. Gerade der erste Kriegswinter sei schrecklich gewesen, gesteht sie. Nicht immer habe sie bei den Rückzügen und Niederlagen die Hoffnung auf einen Sieg bewahren können. Ihre größte Angst bestand darin, in Kriegsgefangenschaft zu geraten.

Auf der anderen Seite war sie selbst für den ersten Kontakt mit deutschen Kriegsgefangenen verantwortlich. Die Studentin der deutschen Sprache wurde bei der sowjetischen Militäraufklärung als Übersetzerin bei der Befragung deutscher Kriegsgefangener gebraucht.

Stepatschowa befragte viele Deutsche während des Weltkriegs. Nun hofft sie auf ein menschliches Gespräch (Foto: Ballin/.rufo)
Stepatschowa befragte viele Deutsche während des Weltkriegs. Nun hofft sie auf ein menschliches Gespräch (Foto: Ballin/.rufo)

Keine Erschießungen bei Verhören


Bei tausenden Verhören war sie dabei. Erschießungen habe es dabei nicht gegeben, versichert sie. „Wir waren human zu den Deutschen“, sagt sie. Während sie anderswo oft hungern mussten, bekamen sie dort auch zu essen. Sie habe sich stets an die Genfer Konvention gehalten, sagt Stepatschowa.

Aus Dankbarkeit schenkte ihr einer der Gefangenen eine Schere, die man vergessen hatte, bei ihm zu konfiszieren. Auf die Frage „warum?“ antwortete er: „Einfach so!“ Bis heute ist die Schere bei der Weltkriegsveteranin in Gebrauch.

Hoffnung auf Gespräch mit ehemaligen deutschen Kriegsgefangenen


Bis heute auch hegt sie einen großen Traum. Sie will einen derjenigen wieder sehen, die sie in den Kriegsjahren befragt hat. Schon damals interessierte sie sich nicht nur für die militärischen Details, die ihre Vorgesetzten von ihr verlangten.

„Ich war neugierig, mich interessierte, wie die Menschen in Deutschland leben“, sagt sie. Ein Feldwebel der 106. Infanteriedivision hat sie besonders beeindruckt. „Ich weiß nur noch, dass er Kurt hieß. Er geriet 1943 in Charkow in Kriegsgefangenschaft. Nach dem Verhör haben wir uns noch lange unterhalten. Ich habe ihn über seine Familie – er war verheiratet und hatte vier Kinder – ausgefragt, über Deutschland, die Bräuche, die Bildung und das Gesundheitswesen. Ich fand alles interessant.“

Stepatschowa hat den Krieg in Ungarn beendet. Danach arbeitete sie als Deutschlehrerin erst in einer Schule, dann an einer Moskauer Hochschule. Bis nach Deutschland hat sie es nie geschafft. „Das Geld fehlte für eine Reise“, sagt sie. Und nun sei sie zu alt. Doch die Hoffnung auf ein Gespräch mit einem ehemaligen Kriegsgefangenen hat sie nicht aufgegeben. Von Mensch zu Mensch will sie mit ihm sprechen, ohne den grausamen Hintergrund des Kriegs.



Artikel versenden Druckversion

Leser-Kommentare zu diesem Artikel (und Kommentare zu Kommentaren): ↓

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar, nachdem Sie sich hier unten für Kommentare neu registriert haben. Sie können hier oder im Forum (www.forum.aktuell.ru) mitdiskutieren.

Bisher gibt es zu diesem Artikel noch keine Leserkommentare


Überblick aller Leserkommentare zu allen Artikeln >>>



E-Mail (Zur Registrierung. Wird nicht veröffentlich)

Kennwort

Schnelle Neuanmeldung zum Schutz vor Spam
Klicken Sie hier, wenn Sie sich bisher noch nicht für Kommentare registriert haben.




nach oben
Alle Berichte aus dieser Rubrik
Alle Artikel vom Freitag, 09.05.2008
Zurück zur Hauptseite








Auf jedem guten russischen Dorfmarkt: Sauna-Mützen für die Ohren (Foto: mig/.rufo)


Mail an die Redaktion schreiben >>>






Die populärsten Artikel der letzten drei Tage


Mail an die Redaktion schreiben >>>



Als Chef vom Dienst ist für Sie
im Moment im aktuellen Einsatz
André Ballin, Moskau

Schnell gefunden
Russland Veranstaltungen und Kultur-Events in D+A+CH

Die Top-Themen
St.Petersburg
Nach dem Schwulengesetz: „Wir wollen uns mehr zeigen!“
Kopf der Woche
Deripaska setzt auf Ex-Stasi-Agent und Putin-Spezi
Kommentar
G-8 u ASEAN: russische-amerikanische Beziehungsprobleme
Moskau
Protest-Lager: Barrikadnaja statt Saubere Teiche
Thema der Woche
Ämtertausch vollendet: Medwedew ist Premierminister
Kaliningrad
AirBerlin nimmt Kaliningrad wieder in Flugplan auf
Der Russland-Aktuell
Nachrichten-Monitor
Montag, 28. Mai
13:20 

Tatarstan: Innenminister steigt nach Folterskandal auf

10:22 

Orenburg wirft ausländische Studenten aus Wohnheim

08:51 

Opposition beantragt neuen Protestmarsch am 12. Juni

01:03 

Geschichte Russland: Rust landet auf dem Roten Platz

Sonntag, 27. Mai
01:03 

Russland Geschichte: St. Petersburg und Tsuschima

Samstag, 26. Mai
01:03 

Geschichte Russland: Nikolaus II. wird gekrönt

Freitag, 25. Mai
20:02 

CH-Staatsanwälte legen Deripaska-Klagen zu den Akten

18:27 

Geldwäscheverdacht: Kein US-Visum für Vizeminister

18:03 

Baku: Missklänge beim Grand Prix – vorrangig politisch

17:09 

26-facher Mumienmacher muss in psychiatrische Klinik

16:26 

Medwedew will „Einiges Russland“ intern demokratisieren

14:37 

Russische Motorradfahrer im Irak freigelassen

13:28 

Fünf Tote: Familientragödie unter Russen in den USA

12:47 

Schlägerei bei Sprach-Debatte im ukrainischen Parlament

11:09 

Binnenwasserwege für ausländische Yachten jetzt frei

09:27 

Ferien! Heute letzter Schultag für Russlands Schüler

01:03 

Russland Geschichte: Aus finstersten Tiefen

Donnerstag, 24. Mai
18:22 

ESC: udmurtische Äffin sagt Sieg der Babuschki voraus

17:57 

Russland verliert Raketen-Radarstation in Aserbaidschan

17:22 

Trotz Timoschenko: Polen und Ukraine erwarten gute EM

16:14 

Nach dem Schwulengesetz: „Wir wollen uns zeigen!“

15:04 

Alu-Zar Deripaska verliert Petersburger Großprojekt?

13:58 

Minister verspricht Abschleppdienst per Helikopter

12:42 

Irak: Vier russische Biker sitzen in Militär-Gefängnis

12:13 

Vergewaltigtes Kind im Müllschlucker: 22,5 Jahre Haft

10:53 

Kremlwache kauft Atomschlag-sichere Kinder-Wiegen

09:23 

Demonstrantenführer Udalzow wieder auf freiem Fuß

01:03 

Geschichte Russland: Die „Aurora“ läuft vom Stapel

Mittwoch, 23. Mai
18:23 

Moskauer sollen eigene Speakers Corners bestimmen

17:53 

Ukraine lehnt Behandlung von Häftlingen im Ausland ab

17:13 

Verletzte bei Bruchlandung von Militärflugzeug

16:24 

Vor der EM: Sportjournalist pöbelt über Nationalspieler

15:11 

Tschetschenische Saurier-Eier sind profane Steine

13:51 

Kapitalflucht aus Russland kann auf 100 Mrd. USD steigen

12:35 

Anti-Alkoholkampagne: Wodka in Jakutien nur nachmittags

Unseren kompletten
aktuellen News-Uberblick
finden Sie bei
russland-news.RU

Alle Berichte bei Russland-Aktuell ab 2000 finden Sie in unserem Archiv
Weitere Nutzung im Internet oder Veröffentlichung auch auszugsweise nur mit
ausdrücklicher Genehmigung der Redaktion (Chefredakteur: Gisbert Mrozek) und mit Quellenangabe www.aktuell.ru
E-mail genügt
www.Russland-Aktuell.ru (www.aktuell.ru) ist nicht verantwortlich für die Inhalte externer Internetseiten.


Basis-Information aus Russland, der Provinz und der GUS auf deutschen Internetseiten:
www.kasachstan.ru, www.russlanddeutsche.ru, www.georgien.ru, www.abchasien.ru, www.ossetien.ru, www.waldikawkas.ru, www.grosny.ru, www.sibirien.ru, www.wolga.ru, www.baikalsee.ru, www.kaukasus.ru, www.sotschi.ru, www.baltikum.ru, www.nowgorod.ru, www.nischni-nowgorod.ru, www.nowosibirsk.ru, www.rubel.ru, www.kultur.ru, www.puschkin.ru, www.wladiwostok.ru, www.sotschi.ru ... und noch einige andere mehr!
Russia-Now - the English short version of Russland-Aktuell





google.com
yahoo.com