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Die Berliner Füchse zeigten Zähne: Mit List und Tücke haben sie den Tschechower Bären eben mal die Punkte geklaut. (Foto: reinickendorfer-fuechse.de)
Die Berliner Füchse zeigten Zähne: Mit List und Tücke haben sie den Tschechower Bären eben mal die Punkte geklaut. (Foto: reinickendorfer-fuechse.de)
Montag, 13.02.2012

Handball: Berliner Füchse überlisten russischen Bären

Berlin. Die Heimspielsaison im Berliner Fuchsbau ist seit gestern wieder eröffnet. Die Handballer der Reinickendorfer Füchse empfingen in der Champions League das russische Spitzenteam von Medwedi Tschechow. Mit Erfolg.

Sowohl Russland als auch Deutschland haben sich ja zuletzt beim direkten Handball-Ländervergleich während der Europameisterschaft der Nationalmannschaften nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Sang- und klanglos sind sie ausgeschieden und haben beide die Teilnahme an der nächsten Olympiade verpatzt.

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Von Füchsen und Bären


„Bären sind überaus besitzgierig, was ihr Fressen betrifft, und greifen jeden an, der ihrer Beute zu nahe kommt“, so weiß es uns Brehms Tierleben zu erläutern. Der Fuchs hingegen, so Brehm, sei „ein listiges, boshaftiges und fürwitziges Tier“, „dann aber zeigt er auch eine unverschämte Frechheit.“

Die Reinickendorfer Füchse, derzeit Zweiter der ersten deutschen Handballbundesliga, sind in dieser Champions League so etwas wie ein Überraschungsgast. Die aktuelle Runde ist ihr erster Auftritt in Europa seit 21 Jahren.

Medwedi, zu deutsch „die Bären“, 2001 gegründet aus einer Fusion der Handballabteilungen von ZSKA Moskau und der Sportakademie, sind sozusagen der Alleinaspirant auf die russische Meisterschaft.

Die wuchtigen Konter mussten die Berliner zwar über sich ergehen lassen… (Foto: ch-medvedi.ru)
Die wuchtigen Konter mussten die Berliner zwar über sich ergehen lassen… (Foto: ch-medvedi.ru)
Unmittelbar nach der Gründung zog der neue Verein in den Moskauer Vorort Tschechow um und wurde seither jedes Jahr russischer Meister. 2006 gewann Medwedi sogar den Europapokal der Pokalsieger. Außerdem stellt das Team quasi die komplette russische Nationalmannschaft nahezu im Alleingang.

Die Bärenhatz hat begonnen


Bereits am ersten Spieltag dieses Wettbewerbes, der zudem auch die Premiere in der Champions League für die Berliner war, konnte das Team ein respektables 31:31 Unentschieden aus dem Moskauer Umland mit nach Hause nehmen. Ob das nun wichtig oder wertlos war, musste sich erst noch herausstellen.

„Auf auf, sprach der Fuchs zum Hasen…“ Bloß dass der Hase in dem Fall ein Bär war und diese Aufforderung nur allzu wörtlich nahm. Medwedi Tschechow lässt keinen Zweifel daran, dass sie weiterkommen wollen. Sie seien auswärts auch wesentlich stärker, sagt Kreisläufer Jewgeni Pewnow.

Ein „Schlüsselspiel“, so nannte es der Berliner Trainer Dagur Sigurdsson. Dementsprechend ging es auch zur Sache. Die Berliner Zuspiele sind zu ungenau, die Moskauer schneller beim Umschalten. Die Füchse fangen sich einen Konter nach dem anderen. Die Mannschaft von Medwedi führt von nun an generell mit zwei Toren Vorsprung.

Ein fröhliches „Hallali“ bläst zur Fuchsjagd


Von wegen tapsiger Bär – wer geglaubt hatte, die Bären befänden sich noch im Winterschlaf, der musste sich eines besseren belehren lassen. Meister Petz aus Tschechow gab sich sehr umtriebig und hatte Hunger nach Punkten.

Es beginnt ein Schlagabtausch mit offenem Visier in der ausverkauften Max-Schmeling-Halle. 8.590 Zuschauer erleben einen fuchsteufelswilden Silvio Heinevetter. Der Füchse-Torwart stemmt sich entschlossen gegen das russische Powerplay. Medwedi ist einfach nur bärenstark.

aber sie halfen den Moskauern nix. Letztendlich rupfen die Füchse doch dem Bären das Fell. (Foto: ch-medvedi.ru)
aber sie halfen den Moskauern nix. Letztendlich rupfen die Füchse doch dem Bären das Fell. (Foto: ch-medvedi.ru)
Die Berliner Füchse versuchen eng am gegnerischen Kreis zu stehen, aber genau dadurch kommen die Russen zu ihren gefährlichen Kontervorstößen. Mittlerweile ist bei denen jeder Wurf ein Treffer, das Team aus Tschechow ist einfach effizienter. Zur Pause steht es dann, auch dank einer schwachen Berliner Defensive, 17:19.

Listig und Konfrontationsbereit zum Erfolg


In der zweiten Hälfte nimmt zwar der Druck der bulligen Russen nicht ab, aber die Füchse halten eisern dagegen. Mittlerweile ist es ein Spiel auf Augenhöhe – auch wenn die Bären immer zwei Treffer im Vorsprung sind. „Die sind einfach zu abgewichst!“, erklärt uns der Kommentator ganz empathisch.

Die Tschechower Kombinationen am Berliner Kreis sind präzise, energisch und vor allem schnell. Und sie finden immer wieder eine Lücke zur Chance. Jedoch, immer wieder verschaffen sich die deutschen Hauptstädter eine Lücke und ziehen an das Unentschieden heran.

Es spielt gerade immense internationale Erfahrung auf höchstem Niveau gegen einen Überflieger. Die spannende Frage, wer denn nun am letzten Drücker sitzen würde, entschieden die Füchse für sich. Ein Siebenmeter in der letzten Minute, noch ein Spielzug obendrauf, und am Ende stand es 31:28 für die Gastgeber. So einfach geht’s mit der List…

Alsterwasser an der Newa


In einem weiteren deutsch-russischen Handballduell der Champions League unterlag ein sich tapfer wehrendes Team von HC Newa St. Petersburg mit 25:36 gegen einen starken HSV Hamburg. Der HSV ist nun souverän weiter, für die Petersburger jedoch schaut es fürderhin schlecht aus.

Der krisengebeutelte Verein aus der Metropole am finnischen Meerbusen hat ein akutes Geldproblem. Das finanzielle Defizit läge bereits bei 15 Millionen Rubel, das entspricht etwa 380.000 Euro, so die Hiobsbotschaft. Spielergelder konnten seit Monaten nicht mehr gezahlt werden, nur die Hoffnung auf Sponsoren zählt.

Russischen Medien zufolge sei bereits ein Rücktritt aus dem laufenden Spielbetrieb in Erwägung gezogen worden. Mit Unterstützung der Stadt St. Petersburg konnte noch das Heimspiel gegen die Hanseaten realisiert werden. Was mit der anstehenden Auswärtspartie im rumänischen Constanza passiert, das muss man noch abwarten.



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