Geldwäscheverdacht: Kein US-Visum für Vizeminister
Binnenwasserwege für ausländische Yachten jetzt frei
Russland-Aktuell zur Startseite machen


Gennadi Fadejew (Foto: Packeiser/.rufo)
Gennadi Fadejew (Foto: Packeiser/.rufo)
Donnerstag, 25.03.2004

Bahnreform: „Wir haben deutlich mehr Freiheit“

Moskau. Seit Herbst vergangenen Jahres ist Gennadi Fadejew Präsident der zuvor neu gegründeten russischen Bahn AG RZD. Der ehemalige Eisenbahnminister steht heute an der Spitze eines der drei größten russischen Unternehmen, das in vielen Landesteilen auch der wichtigste Steuerzahler ist. Karsten Packeiser sprach mit Fadejew über den Verlauf der russischen Bahnreform und geplante Großprojekte der RZD.

aktuell.RU: Gennadi Matwejewitsch, wie wirkt sich die russische Eisenbahnreform auf die ausländischen Kunden und Partner der RZD aus?

Fadejew: Ausgesprochen positiv. Seit die staatlichen Regulierungsfunktionen und die wirtschaftliche Tätigkeit des früheren Eisenbahnministeriums voneinander getrennt wurden und mit der Gründung der Aktiengesellschaft eines der weltgrößten Verkehrsunternehmen entstand ist, haben wir deutlich mehr Freiheit. Wir können heute flexibler auf die Konjunktur auf dem Markt für Verkehrsdienstleistungen reagieren. Wir sind mehr als früher auf Gewinn orientiert und passen sämtliche unsere Aktivitäten an die Bedürfnisse des Marktes an. Unverändert werden wir aber auch weiterhin sozial wichtige Funktionen erfüllen, wie etwa die Verlust bringenden Personentransporte. Die rusische Bahn hat heute mehr Möglichkeiten, mit Femdinvestoren – auch ausländischen – zusammenzuarbeiten und die Tarife flexibler zu regeln. Wir bemühen uns, durch mehr Offenheit bei unserer Arbeit das Invetitionsrating der Eisenbahn zu steigern und aktiver in internationalen Organisationen mitzuarbeiten.

Gennadi Fadejew inspiziert einen neuen Express-Zug (Foto: Schapowalow/RZD)
Gennadi Fadejew inspiziert einen neuen Express-Zug (Foto: Schapowalow/RZD)
aktuell.RU: Ein Hauptziel der russischen Eisenbahnreform war, den Personenverkehr schrittweise immer weniger auf Kosten des Gütervekehrs zu subventionieren. Bedeutet dass, das Ihre Frachtkunden in Zukunft weniger und die Passagiere mehr bezahlen müssen?

Fadejew: Die gesamte Reform dient dem Ziel, die Tarife maximal zu entlasten. Soweit es geht,sollen unternehmensfremde Betätigungsfelder ausgegliedert und unsere internen Kosten gesenkt werden. Es ist in der Tat eine Schwachstelle unserer Reform, dass der Gütervehr auch weiterhin den Personenverkehr subventioniert. Ohne Hilfe des Staates können wir dieses Problem nicht lösen. Ich weiß, dass im Haushaltsplan für das kommende Jahr Ausgleichszahlungen für unsere Verluste im Personenfernverkehr vorgesehen sind.

aktuell.RU: In welchem Umfang?

Fadejew: Es geht insgesamt um einen Betrag von 27 Milliarden Rubel jährlich (etwa 730 Millionen €). Von heute auf morgen kann der Haushalt nicht die gesamte Summe übernehmen. Aber beiden Seiten können aufeinander zugehen, indem wir unsere Kosten senken und unsere Einnahmen durch neue Service-Dienstleistungen steigern und der Staat Zuschüsse für diejenigen Bevölkerungsgruppen zahlt, die das Anrecht auf verbilligte Fahrkarten haben.

Bei Russland-Aktuell
• Russische Eisenbahn profitiert von Konjunktur (18.3.2004)
• Jungfernfahrt für Sputnik-Vorortexpress (16.2.2004)
• Rechnungshof prüft Eisenbahnprivatisierung (22.10.2003)
• Eisenbahn: Aus der Behörde wird eine AG (30.9.2003)
aktuell.RU: Inwiefern haben Sie ausländische Erfahrungen und Fehler bei ähnlichen Bahnreformen ausgenutzt?

Fadejew: In ganz Westeuropa herrscht heute die Meinung vor, dass wir uns auf dem richtigen Weg befinden. Früher hat man uns nahegelegt, die Bahn nach britischem Vorbild zu modernisieren Womit das dort endete, ist ja zu gut bekannt. Wir haben von Anfang an nichts übereilt und uns für unseren eigenen „russischen Weg“ entschieden. Aber es wäre natürlich unklug, gute Entscheidungen für einzelne Probleme nicht von Europa abzuschauen.

aktuell.RU: Welche Großprojekte im Bereich des Güterverkehrs liegen Ihnen im Moment besonders am Herzen?

Fadejew: Am wichtigsten ist für uns der Ausbau der Transportkorridore, vor allem der Korridore Nr.2 Berlin – Warschau – Minsk – Moskau –Nischni Nowgorod – Jekaterinburg und des Korridors „Nord-Süd“. Alle Staaten entlang des „Nord-Süd“-Korridors haben die Dokumente zu seiner Einrichtung ratifiziert. Wir sehen für diese Verbindung Richtung Iran eine große Zukunft. Außerdem planen wir den Ausbau eines Hochgeschwindigkeitskorridors entlang der Strecke Helsinki – St. Petersburg – Moskau und wollen die Durchlassmöglichkeiten an unserem eisfreien Hafen Murmansk ausbauen und neue Bahnverbindungen zum südrussischen Hafen Schelesny Rog bauen.

aktuell.RU: Im vergangenen Jahr haben Sie Pläne angekündigt, die Transportgeschwindigkeit auf der Strecke Berlin – Moskau erheblich zu steigern. Welche Maßnahmen unternimmt die RZD, um dieses konkrete Ziel zu verwirklichen?

Im Internet:
• Webseite der russischen Eisenbahn RZD

aktuell.RU ist nicht verantwortlich für die Inhalte externer Internetseiten.
Fadejew: Die OAO RZD arbeitet gemeinsam mit den Eisenbahnen der Teilnehmerstaaten des Transportkorridors Nr. 2, der polnischen PKP, der weißrussischen BC und der Deutschen Bahn AG aktiv daran, die Grenz- und Zollformalitäten zu vereinfachen, damit die Züge kürzere Zeiten an den Grenzen still stehen. Einen großen Beitrag dazu soll eine gemeinsame Arbeitsgruppe leisten, an denen außer den Eisenbahnen und Verkehrsministerien der Staaten auch Zoll- und Grenzschutzbehörden teilnehmen. Wir bemühen uns darum, dass elektronische Begleitpapiere eine stärkere Verwendung finden, damit Informationen über die beförderte Fracht früher bei unseren Partnern-Bahnen vorliegen. Diese Dinge helfen unserer Ansicht nach, die Abfertigung an den Grenzen deutlich zu erleichtern. Ein großes Potential liegt auch in der Vereinheitlichung des internationalen Verkehrsrechts. Diese Fragen sind angesichts des bevorstehenden EU-Beitritts der osteuropäischen Länder besonders aktuell.

aktuell.RU: Viele potentielle Kunden im Westen machen sich Gedanken über die Sicherheit ihrer Güter auf dem Weg durch Russland. Sind die Bedenken unbegründet?

Fadejew: Wir versichern allen interessierten Unternehmen, dass ihre Fracht vollständig und unbeschädigt den Zielort erreicht. Wir können heute dank solcher einzigartigen automatischen Überwachungssysteme wie DISCON, DISPARK, SIRIUS und anderer sowie eines System von Kontrollzentren die Bewegung jedes einzelnen Containers online verfolgen. Die RZD verkürzt heute nicht nur die Transportfristen, sondern garantiert auch deren völlige Unversehrtheit. Sie können sicher sein, dass die russische Eisenbahn ein verantwortungsbewusstes und verlässliches Unternehmen ist.

aktuell.RU: Die RZD setzte vor einigen Jahren auch große Hoffnungen auf den Bau einer transkoreanischen Eisenbahn und hoffte, damit einen erheblichen Teil der südkoreanischen Exporte über die Transsibirsche Eisenbahn abzuwickeln. Wie realistisch sind diese Pläne angesichts der latenten Krise auf der koreanischen Halbinsel?

Fadejew: Wir haben die vollständige Projektdokumentation ausgearbeitet und erhebliche Mittel in diese Arbeit investiert. Heute gibt es fertige Pläne für den Wiederaufbau der Transkorea-Bahn und auch für deren spätere Nutzung. Unserer Meinung nach ist es Zeit, dass sich Vertreter Russlands, Nord- und Südkoreas unter der Ägide ihrer Außenminister an einen Tisch setzen und diese Dokumente bewerten.

aktuell.RU: Ein wichtiges Prestigeobjekt Ihres Vorgängers Nikolai Aksjonenko war eine feste Bahnverbindung nach Sachalin und eventuell weiter nach Japan. Hat die Bahn von diesem Vorhaben wieder Abstand genommen?

Fadejew: Zumindest in den kommenden fünf Jahren ist weder der Bau einer Brücke, noch eines Tunnels nach Sachalin realistisch. In dieser Zeit werden die großen Ölfelder vor der Küste Sachalin-1 und Sachalin-2 erschlossen sein und wir können abschätzen, welche Auswirkungen das auf die Güterströme in der Region hat. Ich glaube aber, dass das Öl dort vor allem über Pipelines abtransportiert wird. Allerdings rekonstruieren wir die Eisenbahn auf Sachalin selbst. Sie soll bis spätestens 2007 vollständig von japanischer Schmalspur auf russische Breitspur umgebaut werden.

Artikel versenden Druckversion

Leser-Kommentare zu diesem Artikel (und Kommentare zu Kommentaren): ↓

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar, nachdem Sie sich hier unten für Kommentare neu registriert haben. Sie können hier oder im Forum (www.forum.aktuell.ru) mitdiskutieren.

Bisher gibt es zu diesem Artikel noch keine Leserkommentare


Überblick aller Leserkommentare zu allen Artikeln >>>



E-Mail (Zur Registrierung. Wird nicht veröffentlich)

Kennwort

Schnelle Neuanmeldung zum Schutz vor Spam
Klicken Sie hier, wenn Sie sich bisher noch nicht für Kommentare registriert haben.




nach oben
Alle Berichte aus dieser Rubrik
Alle Artikel vom Donnerstag, 25.03.2004
Zurück zur Hauptseite








Containerumschlag im Hafen von St. Petersburg: Auf diese Weise importiert Russland vor allem - exportiert werden vorrangig Rohstoffe wie Öl, Gas, Metall und Holz.(Topfoto:Deeg/.rufo)


Mail an die Redaktion schreiben >>>






Die populärsten Artikel der letzten drei Tage


Mail an die Redaktion schreiben >>>



Der Russland-Aktuell
und RIA Nowosti
Wirtschaft-Monitor

28.05.2012Norwegisches Unternehmen Kvaerner will Vertretung in Russland eröffnen
28.05.2012Fridman verlässt Chefposten bei Ölkonzern TNK-BP
27.05.2012Hague reist nach Moskau: Syrien und Iran sowie bilaterale Beziehungen im Mittelpunkt
26.05.2012Experte: Daimler wird Anteil an Kamaz bis Jahresende kaum aufstocken
25.05.2012Gazprom will Gaspipeline South Stream nicht nach Österreich bauen (Zusammenfassung)

Als Chef vom Dienst ist für Sie
im Moment im aktuellen Einsatz
André Ballin, Moskau

Schnell gefunden
Russland Veranstaltungen und Kultur-Events in D+A+CH

Die Top-Themen
St.Petersburg
Nach dem Schwulengesetz: „Wir wollen uns mehr zeigen!“
Kopf der Woche
Deripaska setzt auf Ex-Stasi-Agent und Putin-Spezi
Kommentar
G-8 u ASEAN: russische-amerikanische Beziehungsprobleme
Moskau
Protest-Lager: Barrikadnaja statt Saubere Teiche
Thema der Woche
Ämtertausch vollendet: Medwedew ist Premierminister
Kaliningrad
AirBerlin nimmt Kaliningrad wieder in Flugplan auf

Alle Berichte bei Russland-Aktuell ab 2000 finden Sie in unserem Archiv
Weitere Nutzung im Internet oder Veröffentlichung auch auszugsweise nur mit
ausdrücklicher Genehmigung der Redaktion (Chefredakteur: Gisbert Mrozek) und mit Quellenangabe www.aktuell.ru
E-mail genügt
www.Russland-Aktuell.ru (www.aktuell.ru) ist nicht verantwortlich für die Inhalte externer Internetseiten.


Basis-Information aus Russland, der Provinz und der GUS auf deutschen Internetseiten:
www.kasachstan.ru, www.russlanddeutsche.ru, www.georgien.ru, www.abchasien.ru, www.ossetien.ru, www.waldikawkas.ru, www.grosny.ru, www.sibirien.ru, www.wolga.ru, www.baikalsee.ru, www.kaukasus.ru, www.sotschi.ru, www.baltikum.ru, www.nowgorod.ru, www.nischni-nowgorod.ru, www.nowosibirsk.ru, www.rubel.ru, www.kultur.ru, www.puschkin.ru, www.wladiwostok.ru, www.sotschi.ru ... und noch einige andere mehr!
Russia-Now - the English short version of Russland-Aktuell








google.com
yahoo.com