Russland liefert über seine Pipelines einen Großteil des Öls in Europa (Foto: Archiv/.rufo)
Montag, 14.07.2008
Druschba-Ende: Russland senkt Ölexport nach Tschechien
Moskau/Prag. Technische Probleme oder Russlands Reaktion auf Tschechiens Beitritt zum US-Raketenschild? In der vergangenen Woche haben sich die Ölexporte nach Tschechien halbiert. Offiziell gibt es noch keinen Kommentar.
Es gibt erneut Lieferprobleme über die Ölpipeline „Druschba“. In Tschechien hat sich der Umfang der aus Russland kommenden Öllieferungen in der vergangenen Woche mehr als halbiert.
Ölhahn tröpfelt nur noch, Prag schaltet auf Reserve um
Prag ist nun gezwungen, seine staatlichen Ölreserven anzugreifen und die Lieferungen über die zweite aus dem Mittelmeerraum über Deutschland kommende Pipeline TAL-IKL zu erhöhen. Die Reserven werden auf 916.000 Tonnen Öl geschätzt. Damit kann die tschechische Wirtschaft 95 Tage ohne Unterbrechung arbeiten.
„Wir befinden uns im Kontakt mit Russland. Uns drohen keine Probleme, es gibt die Möglichkeit, Öl aus Westeuropa zu bekommen“, wiegelte Susanne Opletalowa, die Sprecherin des Prager Außenministeriums dann auch ab.
Dennoch ist das Manko deutlich spürbar. Im Juli wird Tschechien nicht wie geplant 500.000 Tonnen Öl aus Russland bekommen, sondern voraussichtlich weniger als 300.000 Tonnen. Eine offizielle Erklärung dazu gibt es aus Moskau noch nicht.
Ölembargo wäre „kindisch“
Bemerkenswert ist allerdings, dass die Lieferschwierigkeiten am Dienstag begannen, just an dem Tag also, an dem Prag trotz massiver Proteste aus Moskau dem US-Raketenschild in Osteuropa beitrat. Das russische Außenministerium erklärte daraufhin, dass Russland auf diese Maßnahme nicht mit „diplomatischen, sondern militärischen und technischen Methoden“ reagieren werde.
Der tschechische Industrieminister Martin Riman hofft dennoch, dass die beiden Ereignisse keinen direkten Zusammenhang haben. Es wäre eine „zu kindische Reaktion“ aus Moskau mit einem Ölembargo auf das Abkommen zu reagieren, erklärte der Minister.
Auch bei der tschechischen Ölgesellschaft Unipetrol geht man derzeit noch von einem technischen Problem aus. Es handle sich aller Wahrscheinlichkeit nach um eine „kurzfristige Störung“, teilte ein Firmensprecher mit.
Warten auf Moskauer Erklärung
Die Regierung in Prag hat dennoch bereits am Freitag eine Erklärung von Moskau verlangt. Auf eine Antwort wird im Verlauf des Montags gerechnet.
Immerhin: Polen, das ebenfalls unter dem US-Raketenschirm Deckung sucht, hat bislang keine Probleme mit russischen Öllieferungen. Der polnische Pipeline-Betreiber PERN versicherte, dass die Druschba-Leitungen in Polen gefüllt seien. Freilich hat Polen den Vertrag auch noch nicht unterzeichnet.
Lieferschwierigkeiten in der Vergangenheit
Schon mehrfach kam es in den letzten Jahren zu Lieferproblemen mit Druschba-Öl. So ist seit 2006 der Abzweig nach Litauen still gelegt. Grund sind angeblich technische Probleme. Diese sollten innerhalb eines Jahres behoben werden, doch die Leitung funktioniert bis heute nicht.
Zudem hatte Vilnius unmittelbar bevor ihm der Ölhahn abgedreht wurde, entschieden, die Raffinierie Mazeika an den polnischen Ölkonzern PKN Orlen zu verkaufen. Dabei befand sich Mazeika zuvor im Besitz des russischen Yukos-Konzerns. Russische Staatskonzerne hatten nach der Yukos-Zerschlagung darauf gehofft, auch die Raffinerie übernehmen zu können.
Im vergangenen Jahr kam es auch zu Schwankungen bei den Lieferungen nach Deutschland. Lukoil hatte im Sommer die „Druschba“-Pipeline nicht im vollen Umfang beliefert. Die Raffinerie Schwedt musste sich daher kurzfristig über Rostock versorgen. Das Problem konnte damals schnell behoben werden.
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Containerumschlag im Hafen von St. Petersburg: Auf diese Weise importiert Russland vor allem - exportiert werden vorrangig Rohstoffe wie Öl, Gas, Metall und Holz.(Topfoto:Deeg/.rufo)