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Alexej Miller auf der Pressekonferenz zur Übernahme von Rosneft (Foto: Ballin/.rufo)
Alexej Miller auf der Pressekonferenz zur Übernahme von Rosneft (Foto: Ballin/.rufo)
Dienstag, 14.09.2004

Gasprom übernimmt Rosneft und wird zur Staats-AG

André Ballin, Moskau. Der russische Erdgasmonopolist Gasprom übernimmt den staatlichen Ölkonzern Rosneft. Durch dieses Geschäft bekommt der Staat ein Aktienkontrollpaket über Russlands größten Rohstoffkonzern. Die restlichen Gasprom-Aktien sollen dafür nun frei handelbar werden. Vorstandschef Alexej Miller teilte mit, sein Konzern sei vor allem an strategischen Investoren interessiert.

Die Übernahme von Rosneft wurde am Dienstag vom Kreml abgesegnet. Bis Ende des Jahres sollen die Formalitäten abgeschlossen sein. Rosneft fördert etwa 4,5 Prozent des russischen Öls. Für die Pläne Gasproms groß in die Ölwirtschaft einzusteigen, kann die Übernahme von Rosneft daher nur ein Anfang sein. Der vor dem Bankrott stehende Yukos-Konzern könnte den größten russischen Rohstoff-Konzern noch vervollständigen.

Auf einer Pressekonferenz dementierte Miller jedoch ein eventuelles Interesse an dem Nachlass des Yukos-Imperiums: „Wir haben nicht die Absicht, an einer Auktion oder ähnlichem teilzunehmen. Wir sind an der Stabilität des Yukos-Konzerns interessiert“, sagte Miller.

Bei Russland-Aktuell
• Gasprom wird nun auch Ölprom (05.04.2004)
• Deutsche Bank verkauft russische Gasprom-Aktien (22.04.2004)
• Gasprom an Yukos interessiert (02.06.2004)
• Verkauf von Gasprom-Aktien an Ausländer illegal? (19.08.2004)
• Das Geschäft mit den Gasprom-Aktien (31.08.2004)
Für die Übernahme von Rosneft zahlt Gasprom mit etwa zehn Prozent der eigenen Aktien, die auf den Konten verschiedener Tochtergesellschaften des Gasgiganten liegen. Am Ende wird der Staat 50 Prozent plus eine Aktie an dem Unternehmen besitzen. Sollte der Gegenwert von Rosneft nicht ausreichend sein, werde der Staat Gasprom weitere Ölaktiva abtreten, teilte Miller mit.

Nachdem der Staat die Kontrolle über das strategisch wichtige Unternehmen hat, wird der Aktienmarkt liberalisiert. Künftig wird es keine Trennung mehr zwischen Inlands- und Auslandsaktien von Gasprom geben. Ausländern war bislang der Zutritt zum Inlandsmarkt von Gasprom-Aktien verwehrt.

Rosneft soll in die Gasprom-Ölfördertochter Gaspromneft integriert werden. Der jetzige Rosneft-Chef Sergej Bogdantschikow wird dann das Ölgeschäft von Gasprom leiten

Schon nach der Wahl des Geheimdienstlers und Putin-Vertrauten Igor Setschin als Aufsichtsratschef von Rosneft Ende Juli waren Gerüchte laut geworden, dass der Kreml einen riesigen staatlichen Rohstoff-Giganten aufbauen wolle. Mit der Fusion von Rosneft und Gasprom ist der erste Schritt dazu getan.


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