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Mittwoch, 22.05.2002

Russisches Öl für Amerika – via Murmansk

St. Petersburg. Neben Atomeisbrechern und Unterseebooten könnten schon bald andere ungewöhnliche Schiffe den Hafen von Murmansk ansteuern: Der russische Ölkonzern Lukoil möchte hier ein Verladeterminal für Rohöl errichten, von dem Supertanker das Schwarze Gold direkt in die USA schaffen könnten. Allerdings müsste dazu zuerst eine 1500 Kilometer lange Pipeline in den hohen Norden gelegt werden.

Bislang erfolgt der russische Ölexport über Pipelines nach Europa oder über die Häfen Noworossijsk am Schwarzen Meer sowie Primorsk und Ventspils an der Ostsee. Die für den Transport über die Ozeane gedachten gigantischen Supertanker mit 300000 Tonnen Wasserverdrändung können diese Häfen jedoch nicht anlaufen. Um russisches Öl nach Amerika zu verkaufen, muss dieses in europäischen Häfen umgeladen werden – was wegen der zusätzlichen Kosten nur selten geschieht. Der Kola-Fjord von Murmansk wie auch die anderen Buchten in der Umgebung bieten dagegen eisfreie, sturmgeschützte Tiefwasserhäfen mit direktem Zugang zu den Weltmeeren.

Wie der „Kommersant“ heute berichtet, hat Lukoil das Murmansk-Projekt mit einer Kapazität von 50 Millionen Tonnen bereits dem staatlichen russischen Pipeline-Monopolisten „Transneft“ vorgeschlagen. Einen konkreten Kostenvoranschlag für die Polar-Pipeline gibt es noch nicht. Lukoil-Vizepräsident Leonid Fedun schätzt die Kosten für den Transport einer Tonne Öls bis in die USA auf 23 bis 25 Dollar. Über eine von Transneft bereits geplante neue Pipeline durch Sibirien in den russischen Pazifikhafen Nachodka käme der Export mit 52 bis 56 Dollar aber bedeutend teurer. Nach Angaben des Pipeline-Konzerns würde die Polarroute Investitionen von 2,5 Milliarden Dollar erfordern. Die Sibirien-Pipeline wird dagegen mit 4 Milliarden veranschlagt, könnte aber zugleich auch die permanenten Energieprobleme des russischen Fernen Ostens lösen helfen.

Für „Lukoil“ ist dagegen die Murmansk-Route zweifellos günstiger: Der Ölkonzern ist führend bei der Ausbeutung der nordrussischen Ölfelder in Komi und im Nenzen-Autonomiegebiet, die in erster Linie von dem neuen Exportweg profitieren würden. Auch kontrollieren Unternehmen aus dem Lukoil-Umfeld nach Kommersant-Angaben 54 Prozetn der Aktien des Murmansker Hafens.

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